Wiener Neustadt

Erstellt am 12. August 2016, 07:55

von NÖN Redaktion

Feuerwehr-Appell: „Verständnis fehlt“. Die Freiwillige Feuerwehr bittet um mehr Verständnis für ihre Tätigkeit und ersucht Bevölkerung um Unterstützung.

Der Atemschutztrupp der Freiwilligen Feuerwehr Wiener Neustadt beim Innenangriff.  |  Presseteam FF Wiener Neustadt

Das ganze Jahr über sind die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Wiener Neustadt für die Bevölkerung Wiener Neustadts im Dienst. Unentgeltlich fahren die Feuerwehrmänner auf rund 1.300 Einsätze pro Jahr. Allerdings weiß Pressesprecher Richard Berger auch: „Leider wird man immer öfter mit Wortmeldungen konfrontiert, die zeigen, dass wenige Menschen wissen: In Wiener Neustadt gibt es eine FREIWILLIGE Feuerwehr.“

Im Sommer sitzt eine ganze Bereitschaftsgruppe (ca. zwölf Mann) an Sonn- und Feiertagen im Feuerwehrhaus, damit die übrigen 110 Kameraden mit ihren Familien in Ruhe den jeweiligen Sommertag genießen können. Jede Nacht sind vier Kameraden unbezahlt und freiwillig im Feuerwehrhaus in der sogenannten „Nachtbereitschaft“, damit die anderen nicht wegen eines kleinen Mistkübelbrandes, einer eingeschlagenen Schaufensterscheibe oder ähnlicher Kleineinsätze zu Hause geweckt werden müssen. „Dadurch wird die Zahl der Alarmierungen über Sirene und Pager gering gehalten“, so Kommandant Josef Bugnar.

„Leute glauben, wir sind eine Berufsfeuerwehr“

„Unlängst wurde im Rahmen einer Sonntagsbereitschaft die Feuerwehr zu einer Schlangenrettung im Walter Vogelweide Park gerufen. Drei Kameraden rückten sofort an. Die Ausrückezeit, also jene Zeit von der Alarmierung bis zur Ausfahrt, betrug eine knappe Minute. Am Einsatzort angekommen, war die Schlange nicht mehr zu finden. Dennoch beschwerte sich die Dame, dass die Feuerwehr zu langsam war“, berichtet Bugnar.

Rund 1.300 Einsätze fährt die Feuerwehr Wiener Neustadt pro Jahr. Das sind im Schnitt drei bis vier Einsätze pro Tag: Mit ehrenamtlichen Mitgliedern. Das ist nur durch ein ausgeklügeltes Bereitschaftssystem und die Motivation der Mitglieder möglich. Durch Beschwerden wie „Ihr seid zu langsam!“, „Müsst ihr so laut rufen?“, „Müssen die Funkgeräte so laut sein?“, „Was soll die unnötige Absperrung?“, „Könnt ihr den Motor vom Einsatzfahrzeug nicht abdrehen?“ oder „So viele Leute wegen dem kleinen Einsatz?“ wird eben diese Motivation untergraben.

„Man muss sich verteidigen, warum man in der Nacht unbezahlt aufsteht, um zu helfen. Das nervt“, bringt es Bugnar auf den Punkt, „man versucht Berufsleben, Freizeit und Familie mit der Feuerwehr unter einen Hut zu bekommen, steckt unzählige Urlaubstage in die Ausbildung oder opfert Wochenenden, die man mit der Familie verbringen könnte, für Einsätze oder Übungen und anstatt eines „Danke“ wird man schief angeredet.“ Sich mit Beschwerden wegen Lärm, Geschwindigkeit oder sonstiger unhaltbarer Vorwürfe herumschlagen zu müssen, sei für jedes Mitglied frustrierend.

Die Feuerwehr bittet deshalb um Verständnis – und um Unterstützung. Sei es in Form einer freiwilligen Mitarbeit oder in Form einer Spende, um die Gerätschaft auf dem neusten Stand halten zu können.