Erstellt am 19. Oktober 2015, 16:32

von NÖN Redaktion

Internationaler Test für Rotkreuz-Suchhunde. Vom 16. bis 18. Oktober stellten zehn Rotkreuz-Suchhunde-Teams aus Salzburg, der Steiermark und Tirol ihre Fähigkeiten unter erschwerten Bedingungen und nach internationalen Richtlinien unter Beweis.

 |  NOEN, Rotes Kreuz
Auf dem Übungsgelände des Bundesheers bei Wiener Neustadt – dem „Tritolwerk“, wurden im Zuge des „Mission Readiness Tests“ die Hundeführer/innen und ihre Vierbeiner unter realitätsnahen Bedingungen für den Einsatz im ausländischen Katastrophengebiet geprüft, vier Teams schafften die umfangreichen Tests.
 
Die Suchhundestaffeln des Roten Kreuzes werden gerufen, wenn ein Mensch vermisst wird und eine erste Suche erfolglos blieb. Die auch unter erschwerten Bedingungen hohe Erfolgsrate führen die Rotkreuz-SuchhundeführerInnen u.a. auf Ihre gut ausgebildeten Tiere zurück – denn dank dem ausgeprägten Geruchssinn der vierbeinigen Kollegen konnte schon vielen Menschen rechtzeitig geholfen werden. Weltweit sind Suchhunde vor allem bei Katastrophen wie Erdbeben oder Gebäudeeinstürzen, in Österreich in erster Linie bei Lawinen oder zur Suche von vermissten Personen im Einsatz. Um für diese körperlich und psychisch anspruchsvollen Einsätze auch tatsächlich gerüstet zu sein, gehört zu der intensiven Ausbildung der Suchhunde-Teams auch der umfangreiche „Mission Readiness Test“, ein internationaler Einsatztauglichkeitstest. Bei erfolgreichem Absolvieren der Einsatzprüfung qualifizieren sich die Teams für Auslandseinsätze.

Ausbildung dauert zwei bis drei Jahre

„Intensives Training ist der Schlüssel zur Teilnahme an Einsätzen, doch bis dahin ist es ein langer Weg. Rund zwei bis drei Jahre dauert die Ausbildung eines jungen Hundes“, erklärt Hugo Karner, Rotes Kreuz Niederösterreich. „Ist das Team einsatzbereit, geht es dennoch mit kontinuierlichem Training weiter – regelmäßig zwei bis drei Mal pro Woche. Diese Prüfung heute ist eine der schwierigsten überhaupt, denn damit Qualifizieren sich Rotkreuz-Mitarbeiter/in und Hund für den Auslandseinsatz.“ Von den zehn angetretenen Teams schafften vier den Mission Readiness Test. „Wir hatten heuer sehr viele junge Teilnehmer/innen“, erläutert Karner. „Hier war sehr viel Potenzial zu sehen, die Einsatzprüfung für das Ausland ist aber die schwierigste Prüfung und entspricht internationalen Standards. Wir freuen uns, dass vier Teams – aus Salzburg, Tirol und zwei aus der Steiermark – diese Prüfung bestanden haben.“
 
Insgesamt mussten die Teilnehmer/innen mit ihren Tieren zwölf Stationen absolvieren und wurden dabei nicht nur von österreichischen sondern auch von Bewerter/innen aus der Schweiz, der Tschechischen Republik und Deutschland beurteilt. Neben dem Suchen von Personen standen unter anderem auch ein Leistungsmarsch, Erste Hilfe und Abseilübungen auf dem umfangreichen Prüfungsprogramm. Werden all diese Aufgaben gemeistert erhalten die Hundeführer/innen und ihre Partner mit der kalten Schnauze die Freigabe, bei Auslandsmissionen teilzunehmen und im Sinne des Rotkreuzgrundsatzes der Menschlichkeit jenen Hilfe zukommen zu lassen, die sie gerade am meisten benötigen. 

Teams aus dem Ausland angereist

 „Wir sind stolz darauf, dass wir hier in Niederösterreich die Einsatzprüfung für ganz Österreich durchführen und sogar einige Teams aus dem Ausland angereist sind“, erklärt Karner weiter. Insgesamt verfügt das Rote Kreuz in Niederösterreich derzeit über zehn Staffeln mit ca. 80 Hundeführerinnen und Hundeführer mit 15 jedenfalls in Österreich einsatzfähigen Hunden. Stationiert sind die Suchhundestaffeln in Wiener Neustadt, Neunkirchen, Purkersdorf, Gänserndorf, Haag, Hainburg, St. Ägyd, Tulln, Poysdorf und Weitra.
 
National werden die Suchhunde am Häufigsten für die Flächensuche eingesetzt. Dabei werden meist Menschen gesucht, die aufgrund von Krankheiten oder Unfällen nicht nach Hause gekommen sind – oder auch ältere Personen, die nicht mehr zurückfinden. Aber auch für die Trümmersuche wird trainiert, beispielsweise zur Suche nach vermissten Personen nach Gebäudeeinstürzen, Gasexplosionen oder international nach Erdbeben. Auf dem anspruchsvollen Übungsgelände im 1916 errichteten und im Krieg zerstörten „Tritolwerk“ finden sich zahlreiche Trümmerfelder. Diese Anlage des Bundesheeres, die dankenswerter Weise dem Roten Kreuz immer wieder zu Übungen und Ausbildungszwecken zur Verfügung gestellt wird, eignet sich daher besonders als Übungsgelände für Katastrophenhilfseinheiten.
 
Weitere Informationen über die Suchhundestaffel des Roten Kreuzes Niederösterreich unter suchhunde.n.roteskreuz.at