Erstellt am 27. Februar 2016, 13:36

von APA/Red

Nach "Shitstorm" - Gericht nennt Richter nicht mehr. Weil nach einem Vergewaltigungsurteil in Wiener Neustadt über die zuständige Richterin ein "Shitstorm" hereingebrochen ist, nennt das Landesgericht die jeweiligen Prozess-Vorsitzenden nicht mehr.

 |  NOEN, Erwin Wodicka (Erwin Wodicka)
Die Juristin habe wegen konkreter Drohungen sogar unter Polizeischutz gestellt werden müssen. Das Landesgericht Wiener Neustadt habe daraufhin alle Namen der Richter von den öffentlich zugänglichen Verhandlungsplänen entfernen lassen. Dies werde auch so beibehalten, schrieb die Tageszeitung.

Im Wiener Neustädter Verhandlungsspiegel, der an Medien ergeht, scheinen seit der Kalenderwoche 7 die Vorsitzenden ebenfalls nicht mehr auf. Dem haben sich die anderen niederösterreichischen Landesgerichte (St. Pölten, Korneuburg, Krems) noch nicht angeschlossen.

Mit dem Umbringen bedroht

Ende Jänner war ein junger Asylwerber (18) in Wiener Neustadt rechtskräftig zu 20 Monaten Haft und zur Zahlung von 5.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt worden, nachdem er am 1. September vergangenen Jahres bei Traiskirchen (Bezirk Baden) eine 72-jährige Frau vergewaltigt hatte. Daraufhin gingen laut "Kurier" die Wogen hoch. Die Richterin sei "beschimpft, verunglimpft und via E-Mail massiv mit dem Umbringen bedroht" worden. "Am Gericht läuteten die Alarmglocken, die Polizei wurde sofort eingeschaltet."

"So etwas ist natürlich extrem Besorgnis erregend. Der Grund für die Strafe liegt in der Schuld des Täters. Es macht keinen Unterschied, welche Nationalität oder Religion jemand hat", hieß es der Zeitung zufolge seitens des Gerichts. Außerdem sei das Urteil kein Alleingang der Richterin gewesen, sondern gemeinsam mit den Schöffen festgelegt worden. Auch die Staatsanwaltschaft habe nicht dagegen berufen.