Wiener Neustadt

Erstellt am 05. August 2016, 18:22

von Josef Kleinrath

Sitz muss Posten im Stadtheim abgeben. Mit Oktober übernehmen Führungskräfte des „Haus der Barmherzigkeit“ die Leitung des Traude Dierdorf-Stadtheimes in Wiener Neustadt.

Margarete Sitz muss den Posten als Pflegedienstleiterin im Stadtheim nach knapp fünf Jahren räumen.  |  NOEN

Mit 1. Jänner 2011 hat SPÖ-Stadträtin Margarete Sitz die Pflegedienstleitung im Traude-Dierdorf-Stadtheim übernommen. Mit 1. Oktober 2016 kehrt sie als Verwaltungsbedienstete im Gesundheitsamt in die Verwaltung der Stadt zurück. „Der Herr Bürgermeister hat mir gesagt, dass ich im Stadtheim nicht mehr benötigt werde“, schildert Sitz.

SPÖ-Vize Karas findet es „dubios“

Für SPÖ-Vize Horst Karas ist es „dubios, dass auf das Know-how von Margarete Sitz nicht weiter zurückgegriffen wird“. Dazu Matthias Zauner, Sprecher von ÖVP-Bürgermeister Klaus Schneeberger: „Das war Bedingung des Hauses der Barmherzigkeit, dass sie die Führungskräfte selbst aussuchen können – vor dem Hintergrund, dass das Haus der Barmherzigkeit eine eigene Führungsphilosophie hat. Das war überhaupt nicht parteipolitisch motiviert.“

Bei der Übergabe des Traude Dierdorf-Stadtheims scheiden sich in der Neustädter Kommunalpolitik die Geister.  |  NOEN, Baldauf

Karas kritisiert in der Sache auch den Managementvertrag, der ab Oktober wirksam werde, Monate bevor das Haus übernommen werde. Dazu erklärt Zauner: Beim Managementvertrag handle es sich nicht um einen Managementvertrag im klassischen Sinn, sondern das Haus der Barmherzigkeit habe schon ab dem Gemeinderatsbeschluss ihre Führungskräfte im Haus haben wollen. Jetzt gehe es nur noch darum, dass die Stadt dem Haus der Barmherzigkeit Kosten für die Führungskräfte von Oktober bis zur Übernahme des Hauses refundiere.

Angemerkt wird von Karas auch, dass das Land dem Haus der Barmherzigkeit eine zusätzliche Förderung in der Höhe von einer Million Euro zugesagt hätte, damit die Stadt das Stadtheim zu den ursprünglichen Bedingungen hergeben könne. Dem entgegnet die ÖVP-Stadtführung: „Das ist nicht korrekt, es gibt lediglich die Zusage vom Land Niederösterreich, den Neubau zu fördern.“

Zauner: „Natürlich gibt es Verunsicherung“

Karas und Sitz kritisieren weiters, dass das Haus derzeit verkomme, die Mitarbeiter seien frustriert und verunsichert, Leute würden vom Stadtheim abgezogen, der Betrieb werde ausgedünnt und Versetzungen ins Landesklinikum stünden im Raum.

Dazu meint Zauner: „Natürlich gibt es Verunsicherung, das ist gar keine Frage bei einem derartigen Einschnitt wie das ein Trägerwechsel eben ist. Aber es stimmt nicht, dass jemand ins Landesklinikum wechseln muss. Wir versuchen, dieser Verunsicherung durch laufende Informationen entgegenzuwirken. Und ab Ende Sommer wird begonnen, in Gruppen- und Einzelgesprächen jedem einzelnen Mitarbeiter zu sagen, was dieser Wechsel jetzt für ihn persönlich bedeutet – und zwar mit Personalvertretung, Personalstelle des Rathauses, mit der Arbeiterkammer und mit unseren Rechtsvertretern.“

Darüber hinaus erklärt Zauner: „Es ist schon verwunderlich, dass Herr Karas kein einziges Mal das Gespräch mit dem Herrn Bürgermeister gesucht hat in dieser gesamten Phase – und das geht immerhin schon ein Jahr. Soviel nur zum Interesse des Herrn Karas für das Stadtheim und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Bewohnerinnen und Bewohner dort.“