Wiener Neustadt

Erstellt am 09. August 2016, 03:53

von Josef Kleinrath

Sorge um Standort: Wohnprojekt macht Bösendorfer Angst. Großes Wohnbauprojekt am ehemaligen Volksbad-Areal beeinsprucht.

Thomas Broukal, Technischer Direktor von Bösendorfer, sieht den Standort von Bösendorfer und dadurch auch die rund 120 Arbeitsplätze durch den Wohnbau zumindest gefährdet.  |  Franz Baldauf

132 frei finanzierte Wohnungen will die Wiener Haring-Group am Areal des ehemaligen Volksbades im ersten Abschnitt errichten – 28 davon sind laut Homepage des Unternehmens bereits verkauft. Ein wenig länger als geplant hat die Bewilligungsphase des Bauprojektes gedauert. 2012 hat das Unternehmen das Areal gekauft, für zwei Bauteile liegt die Baubewilligung nach Abweisung der Einwendungen durch das Landesverwaltungsgericht vor. Beim dritten Bauteil ist die Entscheidung noch offen.

Einspruch kam von Bösendorfer, dem traditionsreichen Klavierbauer. Der technische Direktor Thomas Broukal erklärt: „Wir sind ein produzierender Betrieb, da gibt es eine Lärmbelastung.“ Diese sei bei Nachbarn wie einer Schlosserei oder einem Lebensmittelmarkt kein Problem, allerdings für Menschen, die sich eine teure, ruhige Wohnung kaufen, schon, fürchtet Broukal: „Wir haben Angst, dass da jemand kommt, der uns massiv bekämpft.“ Was zu einem existenziellen Problem für Bösendorfer werden könne. Etwa, wenn es um künftige Erweiterungen des Unternehmens gehe: „Mit Gewerbebetrieben als Nachbarn geht das, mit so vielen Anrainern in Wohnungen nicht.“

Und Broukal gibt zu bedenken, dass das Unternehmen einen Investitionsbedarf habe: „Die vergangenen 12 Jahre sind nicht so gut gelaufen. Wir haben einen enormen Bedarf an Investitionen.“ Für Bösendorfer ist wichtig: „Wir wollen weiter produzieren können und Klarheit darüber haben, dass wir keine Probleme bekommen werden und nicht einen permanenten Abwehrkampf mit den neuen Nachbarn betreiben müssen.“ Dann habe auch Bösendorfer kein Problem mit dem Wohnbau: „Aber eine zusätzliche Belastung können wir nicht brauchen.“ Eine Übersiedelung, wie das etwa die benachbarte Firma Benda macht, sei für Bösendorfer undenkbar: „Bei 8.500 Quadratmetern Produktionsfläche ist das schwierig.“

Haring-Group hat keine Bedenken

Der Bauträger, die Wiener Haring-Group, sieht keine Nachbarschaftsprobleme auf Bösendorfer und Co. zukommen. Zwar habe es eben Bedenken eines Anrainers wegen seiner Schallemissionen gegeben, diese würden allerdings, so Projektleiter Peter Doleschal von der Haring-Group, „deutlich innerhalb der zulässigen Grenzen für die gegenständliche Flächenwidmung“ liegen. Die Lage des Wohnprojektes bezeichnet Doleschal trotz der Lage zwischen den Betrieben Wirtschaftshof der Stadt, Eisen Schelnast, Schlosserei Benda und Bösendorfer als gut, weil „umliegend bereits Wohnungen vorhanden sind, eine gute Verkehrsanbindung und Nähe zum Zentrum besteht“.

Seitens der Stadt bestätigt Magistratsdirektor Markus Biffl, dass Baubewilligungen aufgrund der Widmungen und anhand des Projektes erteilt wurden, allerdings noch keine Baubeginnanzeigen vorliegen würden. ÖVP-Baustadtrat Franz Dinhobl jedenfalls teilt die Sorgen von Bösendorfer: „Von der Widmung her ist es dort eine Katastrophe, mit den vielen Wohnungen kann das ein Riesen-Problem werden.“

Ein tolles Wohnbauprojekt will die Haring-Group am ehemaligen Volksbad-Areal errichten. 132 Wohnungen entstehen am Bauteil 2, der als erster errichtet wird. Dieser soll ab Ende 2016/Anfang 2017 gebaut und bis Ende 2018 fertiggestellt sein.  |  Haring Group

Auch hinsichtlich Verkehr seien weitere Probleme zu befürchten: „Die SPÖ hat das Volksbad aufgegeben, aber damit dort neue Probleme geschaffen. Fehler aus der Vergangenheit holen uns jetzt ein.“ Für ihn ist klar: Künftig werde die bunte Regierung bei Widmungen genau darauf schauen, dass es klare Trennungen gebe: „Industrie haben wir jetzt mit ecoplus im Föhrenwald abgedeckt.“ Sonst werde darauf geachtet, dass die Flächenwidmung auch darauf abziele, künftige Konflikte schon im Vorfeld zu verhindern.

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