Wiener Neustadt

Erstellt am 11. April 2017, 05:12

von Fritz Hauke

Wut, aber keine Angst.... Die Studentin Lea Kerschbaumer und der Student Marian Schwinner berichten über ihre Eindrücke vor Ort, unmittelbar nach dem Terror-Anschlag.

Die Wiener Neustädterin Lea Kerschbaumer studiert aktuell in Stockholm –  |  privat

Drama in Stockholm. Ein 39-jähriger Usbeke verübte in der Vorwoche einen Anschlag auf eine belebte Einkaufsstraße, raste dabei in die Menschenmenge. Die traurige Bilanz: vier Tote, zwölf Verletzte. Europa ist erschüttert. Nach London und St. Petersburg der dritte Anschlag in drei Wochen.

Zwei Wiener Neustädter Studenten absolvieren gerade Auslandssemester in der schwedischen Hauptstadt. Lea Kerschbaumer war zum Unglückszeitpunkt zum Glück nicht direkt vor Ort – sofort nach dem Anschlag wurden die „Öffis“ eingestellt, das habe dazu geführt, „dass die Leute zu Fuß irgendwie heimkommen mussten. Für die Bewohner in meinem Studentenheim war das ziemlich unangenehm, weil wir auf einer Insel, kurz außerhalb vom Stadtkern leben, wohin es zu Fuß ziemlich weit ist.“

"Wir Stockholmer machen weiter und lassen uns nicht einschüchtern"

Panik in der Bevölkerung sieht Kerschbaumer nicht: „Ich hab das Gefühl, dass die meisten meiner schwedischen Bekannten recht entspannt sind. Einige wollen das Zentrum momentan eher meiden, aber andere fahren sogar bewusst hin. Viele machen Aussagen wie ,Wir Stockholmer machen weiter und lassen uns nicht einschüchtern‘.“

Sie selbst beschreibt ihre Situation so: „Mir gehts gut, ich hab weder Angst noch fühle ich mich irgendwie unsicher, ich bin nur wütend, dass es Menschen gibt, die solchen Schaden anrichten wollen und mache mir Sorgen, wie das rechte Politiker für ihre Belange instrumentalisieren werden.“

„Oft am Weg auf die Uni die Straße entlang“

Auch Marian Schwinner, Student und Top-Volleyballer vom VCU Wiener Neustadt, studiert in Stockholm. Zum Zeitpunkt des Anschlags war auch er zum Glück nicht vor Ort. Er kommt im Alltag oft an der Stelle vorbei: „Auf meinem täglichen Weg auf die Uni bin ich genau diese Straße entlanggegangen.“

Er beschreibt chaotische Zustände nach dem Anschlag: „Meine Universität ist ca. fünf Gehminuten von der Einkaufsstraße entfernt und ein beliebter Platz für Studenten am Nachmittag. Dementsprechend panisch war die Lage an der Uni: Studenten sind von den Programmleitern kontaktiert worden und die Universität wurde kurzfristig zu einem Flüchtlingsort – es wusste niemand, ob es nicht vielleicht weiter Anschläge geben wird oder wie groß die Katastrophe war.“ Schwinner weiter: „

Eine Tragödie, da Schweden ein sehr wichtiger Actor in der Flüchtlingskrise war und ungemein vielen Menschen geholfen hat, und eine absolute Schande wäre es, wenn die Flüchtlingsrouten für diesen Zweck ausgenutzt wurden.“