Wiener Neustadt

Erstellt am 17. August 2016, 06:01

von NÖN Redaktion

Untersuchungen abgeschlossen: Einzigartige Kasematten. Die Ergebnisse zeigen, dass es sich mit der Kasemattenanlage in Wiener Neustadt um ein wohl österreichweit einzigartiges Architekturdenkmal handelt.

Ein Blick in die Kasematten unter dem Wiener Neustädter Stadtpark. Das Architekturdenkmal wird in den nächsten Jahren renoviert.  |  Franz Baldauf

Die Kasematten werden ein zentraler Bestandteil der Landesausstellung in Wiener Neustadt und der Region im Jahr 2019. Zur Zeit laufen die Vorbereitungen zur Sanierung und Revitalisierung des historisch wertvollen Bauwerks unter dem Stadtpark. Ein Architektenwettbewerb ist am Laufen. Gleichzeitig wurden in den letzten Wochen bauhistorische Untersuchungen an der Wehr- und Befestigungsanlage durchgeführt, die zum Teil sensationelle Ergebnisse brachten.

In enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt, vertreten durch Landeskonservator Hermann Fuchsberger und seinem Team, wurden in den letzten Monaten bauhistorische und archäologische Untersuchungen der Kasematten und des Umfeldes durchgeführt.

Entstehungsgeschichte wird veranschaulicht

Drei Elemente bestimmen das Baugefüge: Die aus der Zeit der Stadtgründung im späten 12. Jahrhundert stammende Stadtmauer mit einem der vier Ecktürme ist im behandelten Bereich sowohl in ihrer ursprünglichen Substanz als auch mit den Aufzonungen aus dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts, aus dem späten 15. sowie aus der Mitte des 16. Jahrhunderts erhalten. Damit zeigt die Stadtmauer in diesem Abschnitt auf engstem Raum ihre komplexe Entstehungsgeschichte.

Einzigartig ist aber vor allem die Tatsache, dass vor der südwestlichen Stadtmauer auch noch die Zwingermauer mit Zinnenabschluss aus dem frühen 13. Jahrhundert steht – ein bedeutendes Dokument einer der frühesten Zwingerbefestigungen im deutschsprachigen Raum. Die hochmittelalterliche Fortifikation Wiener Neustadts ist damit an dieser Stelle besonders authentisch erhalten geblieben. Die räumliche Beengtheit eines Zwingers wäre durch die Freistellung der Anlage gut zu veranschaulichen.

1551 entstanden die heute noch vorhandenen Reste der vor die Stadtmauer gestellten Bastion, bestehend aus einem Geschützhof zum Bestreichen der Mauer, aus der geböschten Flankenmauer der Bastion und dem Ansatz der geböschten Face. In der Stadtmauer sind die vermauerten Portale auf die Bastei und in den Geschützhof erhalten. Durch die Freistellung dieser Bauelemente könnte das renaissancezeitliche Bastionärsystem, das in Wiener Neustadt nach dem Vorbild Wiens konzipiert wurde, von dem in Wien jedoch keine derartigen Bauteile mehr erhalten sind, österreichweit einzigartig erleb- und nachvollziehbar gemacht werden.

In Kombination mit der dahinter befindlichen Strada Coperta und den drei Röhren der Kasematten kann für den Besucher die Funktionsweise einer Bastion vollständig veranschaulicht werden.