Erstellt am 17. November 2015, 07:02

von Fritz Hauke, Mathias Schranz, Kim Thomann und Victoria Schmidt

Wiener Neustädter erlebten Terror in Paris. Clemens Jungmair verließ nach dem Drama mit dem Zug die Stadt. Julia Schrammel bleibt im Land.

Clemens Jungmair erlebte die Horror-Nacht in Paris. Studentin Julia Schrammel bleibt in Frankreich.  |  NOEN, Foto: privat

Die Terror-Anschläge in Paris haben in der Vorwoche die ganze Welt erschüttert. Der Wiener Neustäter Clemens Jungmair, Stiefsohn von BG Zehnergasse-Direktor Werner Schwarz, befand sich zur Zeit der Anschläge in Paris –  beim Essen in einem Restaurant. „Freunde haben mir Nachrichten geschickt, weil sie Fußball geschaut haben“, erzählt er. Zuerst habe er das aber gar nicht ernst genommen, denn in den Medien habe es erst eine Stunde nach den Detonationen Berichte gegeben.

Doch dann kam die SMS eines Freundes, dass er das Lokal verlassen solle. „Eine halbe Stunde nachdem ich davon erfahren habe, haben die Pariser erst mitbekommen, was los ist“, erzählt er. Jungmair schildert ein Paris im völligen Chaos: „Alle wollten nach Hause, keiner hielt sich mehr an Verkehrsregeln.“ Am nächsten Tag verließ er die Stadt mit dem Zug Richtung Deutschland, wo er studiert.

Patricia Friedrich, BG Babenbergerring-Absolventin, studiert seit einem Jahr in Paris an der Ecole du Louvre: „Gegen Mitternacht musste ich vom Hôtel de Ville bis Notre Dame nach Hause gehen. Dann bekam ich die Nachricht, dass es einen Anschlag bei Les Halles gab, ich wollte nur so schnell wie möglich weg.“

Ausnahmezustand in der Stadt

Friedrich berichtet vom Ausnahmezustand in der Stadt: „Polizeiautos und Krankenwagen rasten quer durch die Stadt, alle Cafés und Restaurants sperrten zu. Die Métro war blockiert, sodass viele Menschen gar nicht nach Hause konnten. Man hatte das Gefühl, die Anschläge hätten überall passieren können, nichts machte Sinn. Niemand weiß, wie es weitergehen wird. Im Moment stehen wir alle sehr unter Schock. Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen.“

Die Wiener Neustädter Studentin Julia Schrammel ist derzeit in der Universitätsstadt „Aix en Provence“ im südlichen Frankreich: „Nach den Anschlägen ist mein Handy mit Nachrichten aus Österreich übergegangen.“ Sie hätte in der tragischen Nacht in Paris ihren 20. Geburtstag feiern wollen, „daraus ist dann aber zum Glück nichts geworden. Wir wollten dann nach Cannes, aber davon ist uns nach den Anschlägen abgeraten worden, weil Täter in diese Richtung geflüchtet sein könnten.“

„Zum Glück sind sie alle sicher heimgekommen“

In ihrer Stadt versammelten sich am Tag nach den Anschlägen viele Menschen und sangen die Nationalhymne, dazu wurden Bodenbemalungen angefertigt und Friedenslichter angezündet. „Ich selbst fühle mich aber nicht unwohl. Mir geht‘s gut, nächste Woche bekomme ich Besuch aus Österreich.“

Mit großer Sorge blickte auch die Neustädterin Christina Pruschak nach Paris, wo sie in den letzten Jahren viel Zeit verbrachte: „Ich war vor drei Wochen ganz in der Nähe der Gegend, wo die Anschläge in den Restaurants waren.“ Noch in der Anschlagsnacht sprach sie mit ihren Freundinnen in Paris, „Zum Glück sind sie alle sicher heimgekommen.“