Erstellt am 20. Oktober 2015, 08:57

von Josef Kleinrath

Bösendorfer erhält wieder Flügel. Wiener Neustädter Klaviermanufaktur steuert aus Tief und präsentiert neues Klavier.

Pianisten schätzen den Klang der Bösendorfer-Klaviere.  |  NOEN, Franz Baldauf

Bösendorfer steht für echtes österreichisches Handwerk. Auch wenn der Eigentümer seit 2008 in Japan sitzt und Yamaha heißt. In den vergangenen Jahren waren die Zahlen des Unternehmens – musikalisch gesprochen – eher dissonant. Die Verluste, ausgelöst vor allem durch die globale Finanzkrise, bereiteten Unternehmensführung und Eigentümern große Sorgenfalten. Jetzt klingen die Zahlen wieder besser. Mit einem Umsatz von elf Millionen Euro soll im Geschäftsjahr 2014/2015 wieder die Gewinnzone erreicht werden.

Neue Geschäftsführung und neues Klavier

Auch für 2016 ist die Unternehmensausrichtung gut gestimmt. Mit Sabine Grubmüller ist eine neue Geschäftsführerin bestellt worden, die für 2016 einen Umsatz von zwölf Millionen Euro anstrebt, damit die Gewinnzone ausbauen will –  was auch den Standort Österreich stärke, so Grubmüller. Yamaha lasse dabei den Österreichern völlig freie Hand und habe sich auch nicht in die Entwicklung des Unternehmens eingemischt. „Was die Organisation in der Fertigung der Klaviere betrifft, lernen wir viel von Yamaha“, sagt Grubmüller, die auch auf den Vorteil des weltweiten Marketings durch den Eigentümer verweist. Und Marketing ist noch nötig, schließlich hat Bösendorfer einen großen Rückstand in Sachen Marktanteil gegen den Mitbewerb.

An der Entwicklung des neuen Flügels – er heißt 280 VC Vienna Classic – hat das Unternehmen viele Jahre gearbeitet, erklärt Produkt-Designer Ferdinand Bräu, der 1978 bei Bösendorfer als Lehrling begonnen hat: „Neuartige Konzepte und Methoden im Klavierbau wurden speziell entwickelt und für diesen Konzertflügel maßgeschneidert.“ Damit sei das Ziel, einen Konzertflügel für das 21. Jahrhundert zu bauen, erreicht worden. Vor allem auch deshalb, weil die Entwicklung des Instruments in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen anerkannten Pianisten – etwa mit Paul Badura-Skoda – erfolgt ist.

Für einen derartigen Flügel werden rund 400 bis 500 Stunden Arbeitszeit benötigt, das Instrument wird in einer Rastenkonstruktion aus massivem Fichtenresonanzholz gebaut – was den einzigartigen Klangcharakter ermögliche, so Bräu. Ein 280VC ist um rund 160.000 Euro zu haben, 2016 will das Unternehmen etwa 25 neue Flügel verkaufen. Vorbestellungen gebe es, auch die Resonanz der Künstler ist gut. „Der neue 280 ist ein wahres Wunder“, meint etwa der bekannte Pianist Louis Lortie, der am 24. und 25. Oktober im Konzerthaus auf diesem Flügel spielen wird.


Über Bösendorfer

 

  • 1828 gründet Ignaz Bösendorfer das Unternehmen.

 

  • 1973 wird die Produktion nach Wiener Neustadt verlegt.

 

  • 2008 übernimmt Yamaha Bösendorfer und verpflichtet sich dem Wiener Klang und dazu, die Bösendorfer-Instrumente weiterhin ausschließlich in Wiener Neustadt zu fertigen.

 

  • Bösendorfer verkauft pro Jahr rund 300 Flügel und Pianos.

  • In Wiener Neustadt und an drei Standorten in Wien sind 120 Mitarbeiter beschäftigt, darunter ein bis drei Lehrlinge pro Jahr.