Erstellt am 07. Juni 2016, 04:55

von Doris Hoefer

Witwe kämpft gegen Zigaretten-Schockfoto. Foto von verstorbenem Nichtraucher soll als Schockfoto auf Zigarettenpackungen gelandet sein. Ehefrau will Verwendung verbieten.

Johanna Wegerer mit ihrem Mann Franz Wegerer.  |  NOEN, privat

Franz Wegerer hat nie geraucht. Trotzdem soll ein Foto von ihm als Schockfoto auf Zigarettenschachteln gelandet sein. Zur Abschreckung für Raucher.

Das Foto soll Wegerer zeigen, wie er im Spitalsbett an Geräte angeschlossen liegt. „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das mein Mann ist. Es hat mir einen Schlag gegeben“, so Johanna Wegerer, Ehefrau von Franz Wegerer. Sogar eine Narbe ihres Mannes könne sie wiedererkennen (

).

Einstweilige Verfügung gegen Tageszeitung

Auch andere Personen aus Waidmannsfeld/Neusiedl bezeugen mit ihrer Unterschrift in einer Unterschriftenaktion, den Waidmannsfelder zu erkennen. „Sogar heute hat mich wieder jemand angerufen und gemeint, er hätte meinen Mann erkannt“, bestätigt Johanna Wegerer.

Franz Wegerer ist bereits 2015 verstorben. Vertreten wird Johanna Wegerer nun von der Wiener Anwaltskanzlei Böhmdorfer. Diese hat, stellvertretend für Medien, die das Foto abgedruckt hatten, bereits vor Wochen beim Handelsgericht eine einstweilige Verfügung gegen eine Tageszeitung beantragt. Die Zeitung hatte das besagte Foto gedruckt und zusätzlich behauptet, die gezeigte Person sei ein Schauspieler.

Mit der einstweiligen Verfügung soll die Unterlassung der Verbreitung der Fotos erwirkt werden. Anwalt Dieter Böhmdorfer, ehemaliger Justizminister betont: „Außerdem werden wir alles unternehmen, damit dieser Gerichtsakt dem Europäischen Gerichtshof vorgelegt wird.“

Verwandte haben den Verstorbenen erkannt

Auch Verwandte und Bekannte, die den Mann in diesem Zustand im AKH sahen, hätten ihn zweifellos auf den Schockfotos wiedererkannt.

Ein Sprecher der EU-Kommission versicherte allerdings, der Abgebildete wäre ein Schauspieler, der sich mit der Veröffentlichung einverstanden erklärt hätte. Dass das Foto die Angehörigen des niederösterreichischen Unternehmers aufwühle, tue ihm leid, sagte der Sprecher der EU: „Unglücklicherweise schauen sich manche Menschen ähnlich. Das kann man leider nicht verhindern.“

Aus Datenschutzgründen will die Kommission die Identität des Schauspielers nicht bekannt geben. Eine entsprechende Verständigung der EU habe Johanna Wegerer per Brief erhalten. „Die sind nicht einmal fähig mir einen Brief zu schreiben“, so Wegerer. Der Brief ging zuerst an Johanna Wegerer in „Germany“, bevor er seinen Weg nach Waidmannsfeld fand.

Foto nicht im AKH aufgenommen?

Auch das Wiener AKH hat ausgeschlossen, dass das Foto im AKH aufgenommen wurde. Die abgebildete Ausrüstung würde „mit Sicherheit nicht verwendet“, heißt es in einer Stellungnahme.

Falls die abgebildete Person aber tatsächlich der Unternehmer ist, könnte das gravierende Folgen haben. Eine Unterlassungsklage würde sich nicht nur gegen die mediale Verbreitung der Bilder, sondern auch gegen den Zigarettenhersteller und Trafikanten richten könnten, die die Packungen mit den gegenständlichen Fotos verkaufen, betonte der ebenfalls auf Medien- und Persönlichkeitsschutz spezialisierte Wiener Anwalt Michael Rami.

Sollte das gegenständliche Foto den Unternehmer zeigen, stufte Rami die Erfolgsaussichten einer Klage als „sehr gut“ ein. Ums Geld, meint Johanna Wegerer, ginge es ihr bei der Sache nicht, sie wolle lediglich, dass das Foto nicht weiterverwendet würde.