Erstellt am 04. Februar 2016, 12:10

von Mathias Schranz

Wr. Neustadt: Hitzige Diskussion um Ostumfahrung. Gegner und Befürworter der Ostumfahrung lieferten sich bei einem Info-Abend einen heftigen Schlagabtausch.

Volles Haus: Über 100 Gäste sind ins Bildungshaus St. Bernhard in die Propstei gekommen.  |  NOEN, Schranz

Die Ostumfahrung polarisiert: Über 100 Zuhörer kamen zum Info-Abend, der von den Grünen, der Radlobby und der Plattform „Ostumfahrung - So nicht!“ organisiert wurde. Ihre Emotionen nahmen die Betroffenen (Lichtenwörther, Bürger aus dem Musikantenviertel sowie Anwohner der Nestroy- oder Grazer Straße) mit. Viele Gegner, aber auch einige Befürworter der geplanten Umfahrung meldeten sich zu Wort. Vor der Diskussion gab es von den Podiums-Teilnehmern Informationen – samt Kritik.

„Es gibt viel zu wenige Daten und Fakten zum Verkehr und wie sich eine Umfahrung auswirken würde. Ein 33 Millionen Euro Projekt darf nicht aufgrund eines Bauchgefühls entschieden werden“, meinte etwa Hannes Höller von der Radlobby. Sein „Rad-Kollege“ Karl Zauner ist der Überzeugung, dass die Ostumfahrung nicht die gewünschte Verkehrsentspannung bringen wird: „Alle, die glauben, durch die Ostumfahrung ein schöneres Leben zu haben, haben sich getäuscht.“

Michael Hnelozub von den Grünen meinte: „Die Bürger dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.“ Das passiere aber derzeit und zeige das politische Versagen in der Causa. Auch er kritisierte die vorliegenden Verkehrszahlen: „Der Wissensstand ist sehr bescheiden.“

Gemeindepolitiker nicht anwesend

Politiker anderer Parteien aus Wiener Neustadt waren an diesem Abend nicht gekommen, trotz hartnäckiger Einladungen, wie Hannes Höller betonte. Gekommen war hingegen Lichtenwörths SPÖ-Bürgermeister Harald Richter, der sich einmal mehr gegen die Ostumfahrung stellte – er befürchtet mehr Lärm, Feinstaub und Gestank durch den Verkehr für Lichtenwörth.

Anwesend waren auch Projektleiter Wolfgang Böck vom Land NÖ und Wiener Neustadts Baudirektor Manfred Korzil, beide wurden in Wortmeldungen für das Projekt Ostumfahrung kritisiert und hatten bei den Besuchern einen schweren Stand. Der Lichtenwörther Bäckerei-Unternehmer und Neustadts Unternehmervereins-Obmann Karl Linauer stellte am Ende des Abends die entscheidende Frage: „Was sind die Alternativen zur Ostumfahrung?“

Diese – kurz angesprochen würde etwa eine Beruhigung der Grazer Straße, Neudörfler Straße oder der Nestroystraße – wurden an dem Abend so gut wie gar nicht diskutiert. Für ÖVP-Klubobmann Philipp Gruber wären diese Maßnahmen kein Ersatz, denn: „Die Autos werden dadurch ja nicht weniger, der Verkehr muss ja irgendwo hin.“

Die von den Bürgern kritisierten fehlenden Infos zum Projekt sollen laut Gruber im Zuge von Info-Abenden folgen. Für ihn ist klar: „Experten bestätigen schon lange die Sinnhaftigkeit eines Lückenschlusses des Rings um Wiener Neustadt.“ Die Ostumfahrung würde im Wiener Neustädter Gemeinderat – außer bei den Grünen – auch auf breite Zustimmung stoßen.


Statements

„Ein 33-Millionen-Euro-Projekt darf nicht aufgrund eines Bauchgefühls entschieden werden. “
Hannes Höller, Radlobby

„Im Bereich Grünbeckgasse und „Am Kanal“ ist viel Pendlerverkehr aus dem Burgenland. Wie soll den betroffenen Leuten die Angst genommen werden, dass der Verkehr in den kleinen Gassen nicht noch schlimmer wird?
Ein Anrainer „Am Kanal“

„Zahlen und Fakten müssen her, dann muss das Problem mit den betroffenen Bürgern gelöst werden.“
Michael Hnelozub, Die Grünen

„Die Ostumfahrung wird für Lichtenwörth eine zusätzliche Belastung. Wir bekommen mehr Feinstaub, Kohlendioxid, Gestank und Lärm durch den Verkehr.“
Harald Richter, SPÖ-Bürgermeister von Lichtenwörth

„Jetzt schaue ich auf die Felder und höre die Vögel zwitschern. Wenn die Ostumfahrung da ist, schaue ich auf eine 10 Meter hohe Mauer.“
Ein Anrainer aus dem Musikantenviertel

„Obwohl eine Straße durch mein Grundstück gehen wird, lassen‘s mich bisher blöd sterben. Es gibt keine Informationen.“
Eine Grundstücksbesitzerin „Am Triangl“

„Die jetzige Grazer Straße ist ein giftiger Fluss, der die Stadt in zwei Teile spaltet. Wir Hauptplatz-Anrainer sind für eine Entlastung, deswegen stehe ich hinter dem Konzept der Ostumfahrung.“
Hauptplatz-Anrainer Irmfried Aringer

„Ich stehe heute für keine Diskussion zur Verfügung.“
Projektleiter Wolfgang Böck vom Land NÖ

„Ich finde die Umfahrung notwendig.“
Ein Anrainer der Neudörfler Straße und Pendler


Verkehrslage

Auf der Nestroystraße/Stadionstraße werden im Jahr 2030 pro Tag 15.300 KFZ prognostiziert – ohne Ostumfahrung. Mit wären es 14.400.

Auf der Grazer Straße werden im Jahr 2030 pro Tag 30.300 Fahrzeuge prognostiziert – ohne Ostumfahrung. Mit wären es 27.900.

Für die Radlobby ist diese Entlastung zu wenig.