Wiener Neustadt

Erstellt am 27. Januar 2018, 07:44

von Philipp Hacker-Walton

SPÖ-Wahlkampf-Finale im Stadttheater.

Im Publikumsraum des voll gefüllten Wiener Neustädter Stadttheaters sitzt am Freitagabend, zwei Tage vor der Wahl, aktuelle und ehemalige, lokale, regionale und nationale sozialdemokratische Prominenz: SP-Frauenvorsitzende, Ex-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek, Burgenlands Landesrat, Ex-Verteidigungsminster Hans-Peter Doskozil, die Altbürgermeister Traude Dierdorf und Bernhard Müller, Langzeit-Nationalrat „Noldi“ Grabner, und und und …

Auf der Bühne, überlebensgroß: Franz Schnabl, Landesparteichef und SP-Spitzenkandidat bei dieser Landtagswahl. Auf der Video-Leinwand sind Fotos und Wahlkampf-Sujets zu sehen: Schnabl  alleine, mit Bürgermeistern, selten besonders ernst, zumeist in spaßiger Pose.

„Für mich ist es ein besonders schöner Abend, ich darf mich zum letzten Mal für die Kampagne rechtfertigen“

Landesgeschäftsführer Reinhard Hundsmüller kommt, kaum hat er die Bühne betreten, auch nicht umhin, die Plakate anzusprechen: „Für mich ist es ein besonders schöner Abend, ich darf mich zum letzten Mal für die Kampagne rechtfertigen“, sagt Hundsmüller. Da Schnabl erst letzten April als Spitzenkandidat auserkoren wurde und dann auch noch die vorgezogene Nationalratswahl dazwischen kam, „haben wir praktisch erst ab Mitte Oktober Zeit gehabt, ihn bekannt zu machen. Da haben wir entschieden, wir trauen uns etwas.“

Philipp Hacker-Walton

Hundsmüller gibt sich kämpferisch und erinnert die Genossen, dass nach der Wahl vor der Wahl ist: „Wir beginnen nächste Woche sofort mit den Vorbereitungen auf die Gemeinderatswahl 2020. Wir wollen unser Wiener Neustadt zurück haben, dafür kämpfen wir!“

„Es geht bei dieser Wahl darum, ein System aufzubrechen"

Noch deutlichere Worte findet SP-Bezirkschef Peter Wittmann: „Es geht bei dieser Wahl darum, ein System aufzubrechen. Niederösterreich ist verfilzt und geht unter in Freunderl- und Vetternwirtschaft.“ Nationalratsmandatar Wittmann kritisiert, dass „in schwarzen Gemeinden lieber das Geld rausgehaut wird, bevor man etwas Sinnvolles in einer roten Gemeinde macht“. Als konkretes Beispiel nennt er die Verzögerungen beim Bau des Ortszentrums im „schwarzen“ Lanzenkirchen – während im „roten“ Lichtenwörth nicht einmal Landes-Geld für die Straßenbeleuchtung fließe. Einen Seitenhieb auf die FPÖ hat Wittmann auch parat: „Die Neustädter Sängerknaben sollen mir erklären, wie man aus geschwärzten Liederbüchern singt. Hallo? Für wie blöd halten die die Leute?“

Spitzenkandidat Franz Schnabl wird bei seiner Rede noch deutlicher: „Dieses Land muss aus der Kralle ÖVP, die das Land als Selbstbedienungsladen versteht, befreit werden. Blau-Gelb gehört allen.“ Er erhält viel Applaus für seine Forderungen nach kostenlosen Nachmittagsbetreuung im Kindergarten, einem „klaren Bekenntnis“ zum öffentlichen Verkehr – und mehr Transparenz. Sein Appell an die Genossen: „Das Wichtigste ist, wenn wir heute nach Hause gehen, dass wir noch einmal unsere Füße in die Hand nehmen und darum kämpfen, dass die Sozialdemokratie gestärkt wird und die absolute Mehrheit der ÖVP wirklich Geschichte ist!“