Erstellt am 12. April 2017, 09:00

von APA Red

BK Kern auf "Cobra-Mission" in Wr. Neustadt. Bundeskanzler gibt sich bei Besuch der Anti-Terror-Einheit beeindruckt und sieht Österreich gerüstet: "Sicherheitskräfte haben vorbildlichen Status" - Sicherheitskabinett "im Werden"

Hoch hinaus will der Kanzler nicht - zumindest abseits der Politik und mit Blick auf den 20 Meter hohen Turm, von dem sich gerade vier Cobra-Beamte filmreif abseilen. "Wenn ich da rauf schau, möcht' ich da nicht hin", blieb Christian Kern (SPÖ) beim Besuch des Hauptquartiers der Anti-Terror-Einheit Cobra lieber einmal bodenständig.

Für den Ernstfall sieht Kern Österreich gut gerüstet

"Wie viele verstauchte Knöchel braucht man, bis man da so elegant runter kommt wie Sie?", will der Kanzler am Trainingsgelände in Wiener Neustadt von den Kletterakrobaten wissen. "Zweieinhalb", antwortet einer verschmitzt. Kern gibt sich jedenfalls beeindruckt: "Es ist toll zu sehen, was Sie drauf haben. Ich kenne die Kollegen ja nur aus ruhigeren Situationen." Tatsächlich ist Kern die Welt der Sondereinheit nicht ganz fremd - übernimmt sie doch auch Personenschutzdienste. Vier Cobra-Beamte sind ständig an des Kanzlers Seite.

"Ich fühle mich in Österreich auch ohne die Beamten sicher", betont Kern, aber gelegentlich gebe es kleinere Vorfälle, wo es gut sei, dass die Polizisten dabei seien. "Ich verbringe viel Zeit mit ihnen. Sie sind echte Gentlemen und Gentlewomen."

Die Herren - und mittlerweile bald drei Damen - können aber auch ganz schön Radau machen: Schüsse knallen und Fensterglas klirrt, als mehrere schwer bewaffnete Cobra-Beamte vom Dach des mächtigen Rampenfahrzeugs MARS und aus dem oberen Stockwerk das Haus stürmen. Der simulierte Zugriff ist der Höhepunkt des Showprogramms für die Kanzlerdelegation.

Oft bemerkt man freilich gar nicht, dass die Anti-Terror-Kräfte da sind, beispielsweise, wenn sie im Rahmen des "Air Marshal"-Programms als Passagiere getarnt Flüge sichern. Das kommt bei Flügen in Gebiete mit hohem Sicherheitsrisiko vor, die Auswahl erfolgt teilweise aber auch nach dem Zufallsprinzip. Im Jahr 2016 führten Cobra-Mitarbeiter mehrere tausend Flugsicherungen durch.

Auch das Stürmen von Flugzeugen muss geübt werden: Während die Abläufe vor Ort in Schwechat trainiert werden, muss für das realitätsgetreue "Hardcore-Training" in der Kabine ein Modell am Cobra-Gelände herhalten - die AUA hätte mit den Resten der Farbmunition, die zum Üben verwendet wird, wohl keine rechte Freude.

"Gerade in diesen Tagen muss man sich vor Augen führen, wie wichtig es ist, sich vorzubereiten"

Wie schnell der Ernstfall eintreten kann, zeigte sich erst vor ein paar Tagen in Stockholm, wo bei einem Terroranschlag mit einem Lkw vier Menschen getötet und 15 verletzt worden sind. "Gerade in diesen Tagen muss man sich vor Augen führen, wie wichtig es ist, sich vorzubereiten", betonte Kern. "Unsere Sicherheitskräfte haben sowohl in der Prävention als auch im Einsatz wirklich einen vorbildlichen Status." Die Regierung habe auch für zusätzliche Polizisten-Planstellen und mehr Geld für die Ausrüstung gesorgt, erinnerte Kern.

Säumig ist die Koalition hingegen beim neuen Katastrophenmanagement: Das bereits im Herbst vorgestellte Sicherheitskabinett, das im Krisenfall zusammentreten und rasche Entscheidungen treffen soll, müsste laut Regierungsprogramm längst in der parlamentarischen Begutachtung sein.

Es handle sich eher um eine "juristische Frage", versuchte Kern den Verzug im Gespräch zu relativieren. Auf den Einwand, dass das Sicherheitskabinett eben auch für einen etwaigen Terrorfall geschaffen werden soll, entgegnete Kern, dass man schon derzeit gut vorbereitet sei. "Ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass das Krisenmanagement in Österreich nicht funktionieren würde, ganz im Gegenteil: Wir haben heute schon bestehende, ganz exzellente Strukturen in der Polizei und im Bundesheer, und die zu erweitern ist die Überlegung dahinter." Das Gesetz sei "im Werden", versicherte Kern, in der Koalition diskutiere man gerade den entsprechenden Entwurf.

Personal wird verstärkt rekrutiert

Eine Herausforderung steht der Cobra im Zuge des österreichischen EU-Ratsvorsitzes in der zweiten Jahreshälfte 2018 bevor, weshalb man derzeit verstärkt Personal rekrutiert. Pro Ausschreibung bewerben sich gut 150 Polizisten, 25 werden genommen. Neben einem psychologischen Test etwa zur Stress-Resistenz müssen die Polizisten ihre Schießfertigkeit ebenso unter Beweis stellen wie ihre ausgezeichnete Fitness bei einem Hindernisparcours.

Das alles bleibt Kern erspart, obwohl er als Souvenir sogar einen knallroten Cobra-Trainingsanzug abstaubt. Die Spezialeinheit als Plan B? Er sei "sehr sportlich" und vom Können der Cobra "massiv fasziniert", erklärt der Kanzler auf die Frage, ob er sich die Ausbildung selbst zugetraut hätte. Einschränkung: "Das mit dem Fallschirmspringen hätt' ich gern ausgelassen."