Erstellt am 18. November 2015, 05:58

von Andreas Kössl

 „Einbindung von.  NÖN-Gespräch / Waidhofens Bürgermeister Werner Krammer über das NÖN: Herr Bürgermeister, Sie sind nun ein Jahr im Amt. Wie sieht Ihr Resümee für dieses erste Jahr aus?

Ein offenes Ohr für Anliegen ist für Stadtchef Werner Krammer zentral. Es gelte, Impulse anzustoßen, aber auch Dinge zuzulassen.  |  NOEN, Foto: Kössl

NÖN: Herr Bürgermeister, Sie sind nun ein Jahr im Amt. Wie sieht Ihr Resümee für dieses erste Jahr aus?
Bürgermeister Werner Krammer: Ich habe das Amt vor einem Jahr sehr gerne übernommen und habe auch immer wieder betont, dass das für mich eine große Ehre ist. Ich habe diese Stadt wirklich mit all ihren Facetten schätzen und lieben gelernt. Da bringt man sich dann auch sehr gerne ein. Gleich zu Beginn meiner Amtszeit konnte ich mir in vielen Gesprächen ein Bild machen, was sich die Waidhofner von dieser Stadt erwarten. Letztendlich sind viele Aktivitäten, die im letzten Jahr gelaufen sind oder in Zukunft laufen werden, Dinge, die von den Waidhofnern direkt an mich herangetragen wurden. Es ist wichtig, dass man ein offenes Ohr hat, dass man Impulse anstößt, aber auch, dass man Dinge zulässt.

In dem einen Jahr ist doch einiges passiert. Gibt es für Sie dabei ein zentrales Projekt?
Ich bin sehr froh, dass es uns gelungen ist, im Gemeinderat einstimmig die Entwicklung des Bene-Areals auf die Reihe zu bringen. Wir sind dort einen Weg gegangen, der wirklich beispielgebend ist. Wir haben dort von Anfang an die Bürger eingebunden und ihre Meinungen, Anliegen und Anregungen dazu geholt. Das freut mich wirklich, dass das in dieser Art und Weise geglückt ist, weil das eine Jahrhundertchance für die Stadt ist. Dieses Projekt spiegelt das Leben voller Möglichkeiten in Waidhofen wider und auch die Art und Weise, wie ich Politik verstehe – nämlich als Einbindung von Anfang an.

Mit dem Stadterneuerungsleitbild hat man nun einen Plan für die Stadt bis zum Jahr 2030 zu Papier gebracht.
Es ist wesentlich für eine Stadt, dass eine langfristige Planung vorliegt. Dieses Leitbild für Waidhofen geht quer über alles drüber und ist für mich wirklich ein Handlungsleitfaden für die nächsten Jahre. In diesem Stadterneuerungsleitbild wurde festgelegt, wo diese Stadt steht, was ihre Position ist und wo wir Zukunftschancen haben.

Ein großes Projekt, das kürzlich fertiggestellt worden ist, ist der neue Schlosssteg. Wie sind Sie damit zufrieden und wie ist das Feedback?
Man hat in der Zeit, in der der Steg nicht begehbar war, wieder gemerkt, dass das eine ganz wesentliche Verbindung für die Stadt ist. Die Rückmeldungen sind sehr positiv. Der Steg gefällt auch mir persönlich sehr, sehr gut. Ich finde ihn absolut gelungen und natürlich ist es sehr positiv, dass er mit seiner Breite jetzt auch radfahrtauglich ist. Und dass er darüber hinaus mit seiner Beleuchtung auch am Abend sehr schön ist, kommt noch dazu.

Mit Ihrer Amtsübernahme ging auch eine Umgestaltung im Stadtsenat einher. Wie hat sich die neue Ressortverteilung bewährt?
Ich denke,sie hat sich sehr stark bewährt. So ist es uns mit der Neubesetzung des Finanzressorts durch Peter Pfannenstill wirklich gelungen, einen jungen Wirtschaftstreibenden, der über sehr hohe Kompetenzen in dem Bereich verfügt, zu gewinnen. Das kommende Budget bzw. die Investitionsplanung für die nächsten fünf Jahre tragen schon ganz deutlich seine Handschrift. Die zweite wichtige Umgestaltung betrifft sicher, dass wir dem Thema Integration ein eigenes Ressort gegeben haben. Wir haben frühzeitig erkannt, dass es notwendig sein wird, das Ganze positiv zu steuern, anstatt nur zu reagieren. Da ist auch eine eigene Integrationsstelle am Magistrat dazu gekommen, die als Drehscheibe funktioniert und wo es darum geht, den vielen Ehrenamtlichen, die sich hier einbringen, koordinierend zur Seite zu stehen. Die Arbeit, die dort geleistet wird, ist ganz hervorragend. Ob das der Verein Mit-Menschen oder das Rote Kreuz ist, es ist notwendig, dass man hier Doppelgleisigkeiten vermeidet. Als Drittes haben wir auch dem Wohnen ein eigenes Ressort gegeben. Hier müssen wir in Waidhofen wirklich schauen, dass wir als Zentralort für alle Schichten wirklich auch ein Angebot haben.

„Wir haben in eineinhalb Jahren
Gemeinderatswahl. Man spürt bereits,
dass sich die Parteien profilieren wollen.“

Das Kulturressort haben Sie behalten. Ein Herzensressort?
Ja, aufgrund meiner früheren beruflichen Tätigkeit im Musikwesen ist es etwas, dass mir sehr, sehr wichtig ist und wo ich denke, dass ich mich auch nach wie vor sehr gut einbringen kann.

Bleibt Ihnen als Bürgermeister noch genügend Zeit, Ihr kulturelles Bedürfnis zu stillen?
Ich würde mir wünschen, die Veranstaltungsreihe Im FLUZ öfter besuchen zu können. Hier werden wirklich ganz hervorragende Künstler nach Waidhofen gebracht. Ansonsten genieße ich das Angebot der Stadt. Ich war auf dem großen Konzert der Trachtenmusikkapelle St. Georgen/Klaus und freue mich schon auf Günther Groißböck, der im November zwei Konzerte geben wird. Das ist ein schöner Ausgleich zur Arbeit.

Zum Politischen: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den anderen Parteien derzeit? Zuletzt gab es ja im Gemeinderat wieder heftige Diskussionen.
Wir haben in eineinhalb Jahren Gemeinderatswahl. Man spürt bereits, dass sich die Parteien profilieren wollen. Vonseiten der WVP hat sich die Bereitschaft zur Zusammenarbeit aber in keinster Weise geändert. Man merkt das ja auch an dem ganzen Transparenzpaket. Die Hand der WVP ist aber nach wie vor ausgestreckt, man muss sie aber auch annehmen. Da tut es mir persönlich sehr leid, dass in letzter Zeit von verschiedenen Fraktionen diese Hand nicht angenommen wird, sondern man im Gegenteil den Eindruck hat, dass schon Wahlkampf betrieben wird, um sich zu positionieren und abzugrenzen. Da würde ich mir nur erwarten, dass ein gewisser Respekt, eine gewisse Höflichkeit und eine gewisse Umgangsform einfach gewahrt bleiben.

Wie schaut es bei der eigenen Partei in Sachen Wahlkampf aus?
Angesichts dessen, was wir als Waidhofner Volkspartei seit der letzten Gemeinderatswahl gemacht haben, brauchen wir keinen speziellen Wahlkampf. Wir legen unser Verständnis, wie man in Waidhofen miteinander umgeht, auf vielerlei Art und Weise dar. Wir gehen auf die Menschen zu, sind in den Ortsteilen und in den Grätzln unterwegs, haben ein offenes Ohr und setzen Dinge um. Wir arbeiten konsequent unsere hundert kleinen Ziele ab. Wir erledigen Anstehendes – die Menschen können sich auf uns verlassen.

Abschließend zum Bürgergarten – vormals Bürgermeistergarten. Den haben Sie mehr oder weniger an die Bevölkerung „zurückgegeben“.
Man muss bewusst machen, dass Plätze oder Dinge nicht der Stadt oder der Gemeinde gehören, sondern letztendlich uns Waidhofnern. Der Bürgergarten ist ein Symbol für Entwicklungsmöglichkeiten, wo es kein fertiges, endgültiges Konzept gibt. Der wird wachsen in der Art und Weise, wie er benutzt wird. Diese Vielfalt an Möglichkeiten ist es, was mir daran so gefällt.