Waidhofen an der Ybbs

Erstellt am 22. Juli 2016, 05:46

von Doris Schleifer-Höderl

36 Jahre im Parkbad. Nahezu vier Jahrzehnte ist Arnold Wagner Bademeister im Parkbad Waidhofen. Ein Tag ohne Wasser ist für ihn ein verlorener Tag.

Beinahe vier Jahrzehnte ist Arnold Wagner schon Bademeister im Parkbad Waidhofen. Für ihn ist sein Beruf Berufung.  |  NOEN, Schleifer-Höderl

„Ich bin nur einige hundert Meter Luftlinie vom Bad entfernt mitten im Sommer auf die Welt gekommen“, berichtet Bademeister Arnold Wagner lachend. „Wenn man so will, war mir mein beruflicher Weg also vorgegeben!“ Nicht ganz, denn der heute 61-jährige Waidhofner lernte zunächst das Schlosserhandwerk, bevor er 1980 der erste hauptberufliche Bademeister des Magistrats Waidhofen wurde.

Arnold Wagner ist zudem einer der wenigen Bademeister, der auch Sportbadewart ist. „Ich habe meine Ausbildung an der Universität in Innsbruck gemacht“, erklärt er. In früher Jugend begeisterter Turmspringer und daher auch leidenschaftlicher Parkbadbesucher, liebt Wagner das Element Wasser. „Ein Tag, ohne ins Wasser zu gehen, ist für mich ein verlorener Tag“, so der Bademeister. Wagner ist zudem Gründer der Wasserrettung Waidhofen, deren Abschnittsleiter sowie Pressesprecher der Wasserrettung NÖ. Er bildete fast alle derzeit aktiven Bademeister der Bezirke Amstetten und Scheibbs aus.

Von 1. Mai bis Ende August überblickt Wagner die 1.000-Quadratmeter-Wasserlandschaft des Parkbads wie kein anderer. „Jährlich dürfen wir zwischen 50.000 und 70.000 Badegäste begrüßen. Das ist eine sehr schöne, aber auch eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, geht es doch neben der Hygiene und dem Ambiente auch um die Sicherheit jedes einzelnen Badegasts“, meint der Bademeister.

Sowohl schöne als auch schlimme Ereignisse

In den beinahe vier Jahrzehnten, in denen Wagner seinen Beruf bereits ausübt, hat Waidhofens erklärter „Wassermann“ schon viel erlebt. „Schlimm war, als im Vorjahr ein Bub plötzlich regungslos auf der Wasseroberfläche trieb. Nur dadurch, dass zu diesem Zeitpunkt einige Ärzte im Bad anwesend waren, konnte das Leben des Kindes gerettet werden. Das war wohl einer der schlimmsten Momente in meiner Berufslaufbahn.“

Witzig war die Aktion, als im Jahr der Landesausstellung 2007 zwei junge Mädchen unbedingt im Parkbad schwimmen gehen wollten, obwohl es regnete. Die beiden hatten, da sie ja die Ausstellung besuchten, kein Badezeug dabei. So haben wir ihnen kurzerhand Bikinis geborgt“, so Wagner.

Es gibt kaum etwas, was den Routinier aus der Ruhe bringt. „Ich bin jemand, der immer das Gespräch sucht, und bis auf wenige Ausnahmen funktioniert das auch gut.“ Sorgen bereiten dem Bademeister derzeit jedoch Migranten, die auch gerne ins Parkbad kommen. „Leider kann der Großteil von ihnen nicht schwimmen, und so kommt es mehrmals in der Woche zu riskanten Situationen. Wenn ich dann versuche, ihnen zu erklären, dass sie sich selbst aber auch andere durch ihr Verhalten in Gefahr bringen, wird es dies von den meisten nicht ernst genommen.“ Wagner fordert gezielte Aufklärung durch Dolmetscher und das Aufstellen von Warnschildern.

Arnold Wagner möchte noch einige Jahre seinen Dienst als Bademeister ausüben. „Ein Leben ohne kann ich mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen.“