Erstellt am 16. Dezember 2015, 04:23

von Andreas Kössl

Bene geht von Börse: Kleinanleger empört. Squeeze-out / Im September beschlossener Gesellschafterausschluss nun umgesetzt. Aktionäre verlieren zwischen 90 und 98 Prozent. WAIDHOFEN / Die Firma Bene zieht sich von der Wiener Börse zurück, nachdem am Freitag der Squeeze-out – der Ausschluss

Die Firma Bene ist nicht mehr an der Wiener Börse notiert. Die Aktien wurden vom Handel ausgesetzt, eine Rückkehr zeichnet sich nicht ab.  |  NOEN, Foto: Kössl

Die Firma Bene zieht sich von der Wiener Börse zurück, nachdem am Freitag der Squeeze-out – der Ausschluss der Minderheitsaktionäre – gerichtlich eingetragen wurde. Beschlossen wurde der Squeeze-out in der letzten Hauptversammlung des Unternehmens im September im Waidhofner Schlosscenter.
Mit der Umsetzung des Gesellschafterausschlusses gibt es bei der Bene AG keinen Streubesitz mehr, wodurch die Zulassungsvoraussetzung für die Börse entfällt. Die Wiener Börse hat zunächst die Aktien vom Handel ausgesetzt, eine Rückkehr zeichnet sich aber nicht ab.

Der 1740 gegründete Familienbetrieb wurde 2006 nach dem Einstieg des Finanzinvestors Unternehmens Invest AG (UIAG) zwei Jahre zuvor in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und an die Börse gebracht. Am 3. November 2006 notierte Bene erstmals an der Wiener Börse, 52,7 Prozent lagen damals im Streubesitz.
Zuletzt hatte Bene 9,76 Prozent Streubesitz. Den Kleinaktionären wurden in der Hauptversammlung im September 1,03 Euro je Aktie als Abfindung angeboten.

Streubesitz verliere 90 bis 98 Prozent

Der Interessensverband für Anleger (IVA) hatte dagegen allerdings beim Landesgericht St. Pölten eine Anfechtungsklage eingebracht. Damit wollten die Anlegerschützer die Nichtigerklärung des Beschlusses zum Ausschluss der Minderheitsaktionäre erreichen. 40 Aktionäre mit 41.514 Stimmen stimmten bei der Hauptversammlung mit Nein, sieben Aktionäre mit 18.844.712 Stimmen mit Ja. Damit wurde der Gesellschafterausschluss mit 99,78 Prozent abgesegnet. Der Ausschluss des Streubesitzes erfolge aber zum „ungünstigsten Zeitpunkt“, so Anlegerschützer Wilhelm Rasinger damals. Er solle fairerweise erst dann über die Bühne gehen, wenn die Sanierung des Unternehmens erfolgt sei.

Nach Bekanntwerden der Umsetzung des Gesellschafterausschlusses meldete sich Rasinger am Freitag wieder zu Wort. „Für den Streubesitz gibt es nicht einmal ein Trostpflaster, sondern nur eine homöopathische Abfindung“, so der Anlegerschützer zur APA. „Jetzt sind Fakten geschaffen.“ Ein im Zuge der Anfechtung ursprünglich für 15. Februar 2016 angesetzter Verhandlungstermin falle nun aus. „Bei einem Squeeze-out nach einer Sanierung in zwei, drei Jahren hätte es die Chance für den Streubesitz gegeben, eine angemessene und faire Abgeltung zu bekommen“, gibt sich Rasinger verärgert.

Nun aber verliere der Streubesitz 90 bis 98 Prozent, bezogen auf den Emissionskurs von 5,50 Euro. Den Kleinanlegern bleibe nun nur noch die Einleitung eines Überprüfungsverfahrens zum Unternehmenswert. Doch dabei hätte der Streubesitz nicht die besten Karten, so Rasinger. Dieses werde nämlich auf Basis der letzten Hauptversammlung vom September durchgeführt – zum ungünstigsten Zeitpunkt. Von der BDO Austria GmbH wurde der Unternehmenswert von Bene zuletzt mit 16.659.000 Euro berechnet, was einen Aktienwert von 0,84 Cent zur Folge hätte.

Quartalszahlen wurden nicht veröffentlicht

Der Abgang Benes von der Börse ist eine Folge der Übernahme der Firma durch Sanierer Erhard Grossnigg und Ex-ÖVP-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein im Juni. Bedingung für einen Einstieg sei stets gewesen, so rasch wie möglich von der Börse zu gehen, so Grossnigg bei der letzten Hauptversammlung. Erst kürzlich hatte der Hälfteeigentümer angekündigt, dass weitere personelle Einschnitte bei Bene bevorstehen.

Am Donnerstag der Vorwoche war Bene noch an der Wiener Börse notiert. Da wollte der Büromöbelhersteller eigentlich die Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2015/16 veröffentlichen. Dem kam Bene aber nicht nach. Gerechtfertigt wird dies mit einer Änderung im Börsengesetz.