Erstellt am 17. September 2015, 05:57

von Andreas Kössl

Bene verringerte Verlust - Squeeze-out beschlossen. Investoren wollen Büromöbelhersteller von Börse nehmen. Hauptversammlung segnet Ausschluss der Kleinaktionäre ab. Anlegerschützer Rasinger stellt Klage in Raum.

Der Standort Waidhofen sei gesichert, hielten die beiden neuen Bene Eigentümer am Freitag gegenüber der APA fest.  |  NOEN, Kössl
Nach etwa vier Stunden gingen die Wogen bei der 11. ordentlichen Hauptversammlung der Bene AG im Waidhofner Schlosscenter vergangenen Donnerstag kurzzeitig hoch. „Das ändert doch nichts“ und man solle doch „keine Romane erzählen“, taten die Kleinaktionäre ihren Unmut lautstark kund, nachdem Wirtschaftsprüfer der Unternehmen BDO und KPMG ihre Berichte über den Waidhofner Büromöbelhersteller ausführlichst dargelegt hatten. Aufsichtsratsvorsitzender Michael Schur, der diese Funktion im Juni von Manfred Bene übernommen hat, musste zur Ruhe mahnen: „Wir wollen dieses Verfahren ordnungsgemäß abhandeln und uns keine Formalfehler leisten.“

Mit dem Verfahren war der Squeeze-out, also der Gesellschafterausschluss der Minderheitsaktionäre aus dem Unternehmen, der am Donnerstag auf der Tagesordnung stand, gemeint. Dieser kann vom Hauptgesellschafter ab einer Beteiligungsquote von 90 Prozent vorgenommen werden. Indem Ex-Wirtschaftsminister Martin Bar-tenstein und Sanierer Erhard Grossnigg über ihre Beteiligungsgesellschaft BGO seit Juni 90,24 Prozent an dem einstigen Familienbetrieb halten, lagen die Voraussetzungen dafür vor.

Der Squeeze-out wurde am Donnerstag mit einer Barabfindung von 1,03 Euro je Aktie für die Streubesitzaktionäre beschlossen. Von der BDO Austria GmbH wurde der Unternehmenswert von Bene mit 16.659.000 Euro berechnet, was einen Aktienwert von 0,84 Cent ergeben hätte. Bartenstein betonte aber, dass man an den zugesagten 2 Mio. Euro Gesamtabfindung festhalte und deshalb 1,03 Euro pro Aktie auszahlen werde – und zwar schon nach zwei Wochen und nicht wie gesetzlich vorgesehen erst nach zwei Monaten. Sowohl BDO als auch das Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG hielten fest, dass das Angebot angemessen sei.

Kleinaktionäre über Ausschluss enttäuscht

Die Streubesitzaktionäre sahen das anders. Sie verlieren zwischen 92 und 98 Prozent des eingesetzten Kapitals. „Ich habe vor Jahren Bene-Aktien um 5,50 Euro pro Stück gekauft. Jetzt verliere ich 26.000 Euro“, so ein Anleger enttäuscht. Die Mehrzahl der anwesenden Aktionäre und Aktionärsvertreter stimmten deshalb gegen den Squeeze-out. Da sie aber nur 41.514 der abzuschichtenden 19.947.788 Aktien besaßen, fiel das nicht ins Gewicht. Der Gesellschafterausschluss wurde mit 99,78 Prozent beschlossen.

Der Großteil der anwesenden Aktionäre gab ihren Widerspruch dagegen zu Protokoll. Anlegerschützer Wilhelm Rasinger beklagte, dass der Squeeze-out für die Kleinaktionäre zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt erfolge und forderte eine Verschiebung. Bedingung für einen Einstieg bei Bene sei stets gewesen, so rasch wie möglich von der Börse zu gehen, stellte Investor Grossnigg klar. Ein Verbleib sei nur sinnvoll, wenn Kapitalbedarf bestehe, dies sei aber nicht der Fall.

Anlegerschützer Rasinger kündigte nach der Hauptversammlung gegenüber der NÖN an, mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Klage gegen den Squeeze-out einbringen zu wollen. Den Hinweis von Aufsichtsratsvorsitzendem Schur, dass es im Falle einer Anfechtung zu einer Verschiebung der Barabfindung für alle Aktionäre komme, tat Rasinger ab: „Für jemanden, der bis zu 98 Prozent des eingesetzten Kapitals verliert, sind diese zwei Prozent auch schon egal.“

Als zweite Option sieht Rasinger die Einleitung eines Nachprüfungsverfahrens. Sollte dieses feststellen, dass die beschlossene Barabfindung zu niedrig sei, würden von einer Erhöhung alle Aktionäre profitieren.

Umsatzrückgang erwartet

Im ersten Halbjahr 2015/16 schrieb Bene weiter Verluste, das Minus vor Steuern konnte aber von 7,2 Mio. auf 3,5 Mio. Euro reduziert werden. Der Umsatz stieg um vier Prozent auf 76,6 Mio. Euro, wobei 12,8 Mio. Euro davon dem Großprojekt für die Abu Dhabi National Oil Company geschuldet ist.

Für das weitere Geschäftsjahr 2015/16 gab Finanzchef Rudolf Payer an, dass man, bei einem positiven operativen Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA), einen Umsatz deutlich unter jenem des Vorjahres erwarte. Der Mitarbeiterabbau geht indes weiter: Ende Juli beschäftigte das Unternehmen 920 Mitarbeiter, Ende Jänner waren es noch 1.048.