St. Georgen am Reith

Erstellt am 31. Januar 2018, 05:00

von Sabine Hummer, Hermann Knapp und Andreas Kössl

SPÖ-Ergebnis: Debakel in St. Georgen/Reith. SPÖ-Ergebnis Partei legt dank Suchan-Mayr im Westen stark zu. Teilweise massive Verluste im Oberen Ybbstal.

Jubelstimmung im Volksheim in St. Valentin. Spitzenkandidatin Kerstin Suchan-Mayr wurde von ihren Genossen aus dem Westwinkel gefeiert.  |  Sabine Hummer

Mit großem Applaus wurde die SPÖ-Spitzenkandidatin des Bezirks, Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr, am Sonntagabend im Volksheim ihrer Heimatstadt St. Valentin von Parteifunktionären aus dem ganzen Westwinkel empfangen.

„Super – für unsere ganze Region ist das Ergebnis ein Riesenerfolg“, jubelte etwa Vizebürgermeister Ferdinand Bogenreiter über den Zugewinn der Sozialdemokratie im Bezirk. „Vor allem in den umliegenden Gemeinden hatte Kerstin einen massiven Einfluss auf das Ergebnis. In St. Valentin konnten wir um 8,45 Prozent zulegen, in Ennsdorf waren es sogar 11,42 Prozent“, freut sich Bogenreiter und betont: „Es war wichtig, dass wir eine junge Spitzenkandidatin aufgestellt haben.“

Glücklich über den Wahlerfolg ist natürlich auch Suchan-Mayr selbst. „Die letzten Wochen waren sehr intensiv. Ich bin viel rumgekommen. Im Gespräch mit den Menschen habe ich schon den Zuspruch, den ich bekomme, gespürt“, sagt die SP-Politikerin. Mit der etwas unkonventionellen Wahlkampagne habe die SPÖ ihrer Meinung nach für Gesprächsstoff gesorgt. „Wenn ich mich als die Dame mit Bart vorgestellt habe, meinten viele, sie hätten mich eh schon gesehen.

So waren wir im Fokus der Wähler, konnten uns gut positionieren und unsere Themen mit interessanten Botschaften deponieren“, bilanziert sie. Großen Dank zollt sie ihrem Team. „Es war ein wichtiger Motor, warum ich mich überhaupt für dieses Amt beworben habe. Ich wusste, dass alle hinter mir stehen.“

Wahlkampagne hat sich bewährt

Voll des Lobs für die Funktionäre im Bezirk ist auch Bezirksparteiobfrau Ulrike Königsberger-Ludwig. „Sie sind wirklich alle für die Partei gerannt. Und unsere fröhliche Kampagne hat auch für gute Stimmung in den eigenen Reihen gesorgt.“ Dabei, so gesteht die Nationalrätin, sei sie selbst anfangs skeptisch gewesen. „Aber wir haben es geschafft, unseren Spitzenkandidaten bekannt zu machen, und auch trotz der ÖVP-Übermacht mit unseren Themen wahrgenommen zu werden.“ 2,77 Prozent Zugewinn im Bezirk sei ein Ergebnis, mit dem man durchaus zufrieden sein könne und „das wir natürlich auch unserer Spitzenkandidatin verdanken.“ Mit Mirza Buljubasic könnte übrigens auch noch der Landesvorsitzende der Sozialistischen Jugend aus Wolfsbach ein Landtagsmandat erhalten. „Wir matchen uns da mit den NEOS. Vor Dienstag wird man das nicht sagen können“, sagt er selbst.

Gute Stimmung bei der SPÖ im Happy 9 in Amstetten: Helmut Novak, Ulrike Königsberger-Ludwig und Edmund Maier freuten sich mit ihren Genossen über das Wahlergebnis.  |  Hermann Knapp

Ein Debakel erlebten die Sozialdemokraten in St. Georgen/Reith. In der Heimatgemeinde des scheidenden SPÖ-Landtagsabgeordneten Helmut Schagerl verloren die Genossen 23,49 Prozentpunkte. Während in der kleinen Ybbstalgemeinde vor fünf Jahren von den damals 510 Wahlberechtigten noch 178 der Partei ihres Bürgermeisters die Stimme gaben und die SPÖ so auf 42,79 Prozent hochschnellte, waren es am Sonntag nur noch 66 Wähler (457 Wahlberechtigte). Die SPÖ erreichte so nur 19,30 Prozent der Stimmen und verzeichnete in St. Georgen/Reith die landesweit höchsten Einbußen. 2013 konnte man hier noch mit der höchsten Steigerung aufwarten.

Schagerl: „St. Georgen/Reith ist ein Gallisches Dorf“

zVg

„St. Georgen/Reith ist ein Gallisches Dorf“, sagt Bürgermeister Schagerl dazu. Als ausschlaggebend für den enormen Verlust der SPÖ in seiner Gemeinde ortet er zum einen das gute Ergebnis vor fünf Jahren und zum anderen, dass er selbst nun nicht mehr kandidiert hatte. Zur Erinnerung: Schagerl musste sich in der parteiinternen Abstimmung über SPÖ-Listenplatz eins im Bezirk seiner Herausforderin Suchan-Mayr geschlagen geben und zog daraufhin seine Kandidatur zurück.

„Wenn auch nicht in dieser Dimension, so habe ich doch gewusst, dass das so kommen wird“, hält Schagerl fest. „Als Bürgermeister habe ich immerhin das Ohr bei der Bevölkerung.“ Seiner Partei wirft der scheidende SPÖ-Landtagsabgeordnete vor, auf den ländlichen Raum vergessen zu haben. „Im Wahlprogramm der SPÖ für den Bezirk kommt der ländliche Raum nicht vor. Das zeigt sich hier im Ergebnis.“ Schagerl verweist darauf, dass die SPÖ im Oberen Ybbstal auch in Hollenstein (-4,76 Prozent), Göstling (-3,64 Prozent) und Opponitz (-0,30 Prozent) Verluste hinnehmen musste. Auch Ulrike Königsberger-Ludwig sieht den enormen Verlust der SPÖ in St. Georgen/Reith darin, dass Schagerl nicht mehr der Spitzenkandidat war. „Er hat die SPÖ auch nicht mehr unterstützt“, hält die SPÖ-Bezirksparteiobfrau fest.