Erstellt am 19. August 2016, 02:59

von Daniela Führer

Anton Kasser: „Erwartung übertroffen“. Allhartsbergs Bürgermeister Anton Kasser über das 900-Jahr-Jubiläum, das starke Wachstum seiner Gemeinde, die Zusammenarbeit mit der SPÖ und neue Projekte.

„Ich hatte in meinen ganzen 21 Jahren als Bürgermeister immer das Glück, ein politisches Vis-à-vis gehabt zu haben, das wie ich konsensorientiert gearbeitet hat“, sagt ÖVP-Bürgermeister Anton Kasser zur Zusammenarbeit im Gemeinderat mit der SPÖ.  |  Daniela Schlemmer

NÖN: Allhartsberg steht heuer ganz im Zeichen des 900-Jahr-Jubiläums. Welches Resümee ziehen Sie nach dem ersten Halbjahr?

Anton Kasser: Wir sind bislang sehr zufrieden. Das Eröffnungskonzert am 23. Jänner war ein würdiger Einstieg und jetzt hat unser Theater „Das Heidemädchen“ noch einmal alle Erwartungen übertroffen. Die Resonanz im ganzen Bezirk war sehr gut. An die 100 Allhartsberger haben mitgearbeitet, alles Laien. Mit Anton Steingruber hatten wir ein richtiges Zugpferd, er ist ein Profi und hat das Gespür, wie man etwas auf die Bühne bringt. Er hat die Darsteller perfekt hingeführt in ihre Rollen. Wir haben jetzt alle eine große Freude und sind schon ein wenig stolz, was uns da gelungen ist, auch wenn es uns ganz schön gefordert hat. Das haben wir am Anfang nicht geglaubt. In den letzten Wochen gab’s fast nichts anderes mehr als das Heidemädchen. Aber das Schöne ist, am Ende sagten alle, vom 14- bis zum 70-Jährigen: Danke, dass wir dabei sein durften.

Wie viele Besucher hattet ihr bei den Theateraufführungen?

Kasser: 3.400. Wir waren immer ausverkauft, auch bei den Zusatzvorstellungen. Bei der letzten Veranstaltung waren 450 Leute da und es sind zur Pause noch einmal 100 Menschen gekommen, die bei der einzigen verregneten Vorstellung die zweite Hälfte verpasst hatten. Das war ein würdiger Abschluss.

Wie geht es weiter im Jubeljahr?

Kasser: Wir stecken nun intensiv in den Vorbereitungen zum „Kim hoam Fest“ und dem Marktfest Ende August. 600 Einladungen wurden für das „Kim hoam Fest“ schon verschickt, an alle, die aus Allhartsberg weggezogen sind. Am Samstag, 27. August, werden wir den Heimkehrern präsentieren, was alles in den letzten Jahren in der Gemeinde passiert ist. Außerdem haben drei Musikgruppen eine CD produziert, die sie in diesem Rahmen präsentieren. Am Sonntag, 28. August, findet das Marktfest statt. Außerdem schreibt Gerhard Granzer gerade an einer neuen Allhartsberger Chronik – von 2005 bis zum Marktfest 2016. Vor Weihnachten wird die Präsentation stattfinden, damit unter jedem Christbaum eine Chronik liegt.

Kulturell tut sich ja viel in der Gemeinde, aber auch baulich herrscht Hochbetrieb ...

Kasser: Ja, in Kröllendorf ist nun die Ortsdurchfahrt fertig. Die Straße wurde verbreitert und ein durchgehender Gehsteig im Baustellenbereich geschaffen. Dafür wurde eine Stützmauer zurückversetzt. Wir haben hier auch die Zahl der Kanaldeckel stark reduziert, das macht den Verkehr insgesamt in diesem Bereich ruhiger. Es wurden gute Lösungen mit den Anrainern gefunden, einige Zufahrten wurden neu gemacht. Es war eine runde Geschichte und die Straßenmeisterei hat drei Monate wirklich top gearbeitet. In der neuen Siedlung in Hiesbach sind wir jetzt auch so weit, dass in Kürze der Kanal- und Wasserleitungsbau anfängt. Zwölf Parzellen des ersten Bauteils sind schon vergeben, vier, fünf haben wir noch frei. Außerdem sind wir in Hiesbach gerade in der Detailplanung für den neuen Spielplatz. Nächstes Frühjahr soll dieser fertig sein. Und bei allen Baustellen in der Gemeinde legen wir seit drei Jahren immer Breitbandleerverrohrungen mit. Da bin ich sehr dahinter.

In Allhartsberg ist der Zuzug auch ungebrochen. Was macht die Gemeinde so beliebt?

Kasser: Es ist einerseits der Zuzug und andererseits die nicht stattfindende Abwanderung, warum Allhartsberg so stark wächst. In Hiesbach zum Beispiel sind es fast nur Hiesbacher, die die neuen Baugründe gekauft haben. Da muss man als Gemeinde schauen, das Angebot zu haben, um die Jungen zu halten. Das gelingt bei uns sehr gut. Wir bauen jetzt auch eine Tagesbetreuungseinrichtung, die als sechste Kindergartengruppe verwendbar wäre. Heuer sind wir mit den fünf Gruppen nämlich so richtig voll. Ich will nicht einmal sagen müssen, wir können keine Kinder mehr aufnehmen. Doch der Bedarf steigt: Im Oktober übergeben wir wieder acht Reihenhäuser und die nächsten acht sind auch schon wieder in Vorbereitung.

Welche Projekte stehen noch an?

Kasser: Wir werden in Kürze eine E-Tankstelle beim Spar-Markt bekommen, eine mit 22 kW, eine richtig schnelle. Außerdem starten wir im Herbst mit einem E-Car-Sharing-Projekt. Wenn die Tankstelle da ist, bekommen wir einen BMW i3 über das Land von der EVN.

Wie läuft in Allhartsberg die politische Zusammenarbeit mit der SPÖ im Gemeinderat?

Kasser: Ich hatte in meinen ganzen 21 Jahren als Bürgermeister immer das Glück, ein politisches Vis- -vis gehabt zu haben, das wie ich konsensorientiert gearbeitet hat. Das ist auch heute noch so, die Zusammenarbeit funktioniert gut. Wir verschwenden da null Energie mit dummen Flugblättern oder Zeitungsgeschichten.

In Allhartsberg gibt es eine Wohnung für Asylwerber. Wie funktioniert das Zusammenleben?

Kasser: Seit wenigen Wochen haben wir die mittlerweile dritte Familie bei uns, eine Mutter mit sieben Kindern. Es ist immer unterschiedlich. Die erste Familie war sehr gebildet und da hat die Kommunikation gut funktioniert. Die zweiten waren Analphabeten, da war es wiederum schwierig. Wir haben aber zum Glück bei uns seit vielen Jahren eine syrische Familie, die im Bedarfsfall übersetzt. Die Familie, die jetzt bei uns wohnt, kann schon Deutsch, sie kam aus Traiskirchen. Sie sind auch ex-trem ehrgeizig, die Sprache zu lernen. Generell haben wir keine schlechten Erfahrungen gemacht und im Ort gab es auch nie ein Problem.