Erstellt am 07. Dezember 2015, 02:38

Cerny: "Sonntagberg hat mich immer wieder begleitet". Heimo Cerny über seine ganzpersönliche Beziehung zum Sonntagberg.

Heimo Cerny  |  NOEN, zVg

"Mein erstes Sonntagberger Wallfahrtserlebnis hat sich unauslöschlich eingeprägt. Meine Großmutter, eine sehr fromme Frau, hat mich als Siebenjährigen erstmals zu einer Wallfahrt im Postautobus mitgenommen. Der Motor des völlig überladenen „Kraftwagens“ kam knapp vor dem Dredlhof (ehemaliges Gasthaus) zum Stehen. Trotz mehrfacher Versuche brachte der schwitzende Chauffeur den Bus nicht mehr zur Weiterfahrt und es hieß alles aussteigen!

Die Männer flüchteten an diesem heißen Sommertag sofort ins nahe Gasthaus, um sich für den bevorstehenden Fußmarsch zu stärken, während die Frauen und ich an Omas fester Hand Vaterunser betend den steilen Anstieg zur Kirche antraten. Das westliche Kirchentor stand weit offen – und ich erblickte zum ersten Mal einen Raum, der der kindlichen Vorstellung vom Himmel entsprach: die sonnendurchflutete Basilika mit den Fresken Daniel Grans, die Klangflut der Orgel, süß duftende Weihrauchschwaden und Pilger, die demütig auf Knien vom Portal bis zum Speisgitter rutschend aus der Hand des Priesters die heilige Kommunion empfingen.

"Sonntagberg zog mich in seinen Bann"

Immer wieder – und bis heute – hat mich der Sonntagberg in seinen Bann gezogen. Als Schüler wie später als Lehrer gehörte ein Wandertag oder ein Familienausflug auf den Sonntagberg zum Standardprogramm. Die Hochzeitsfeier mit meiner Gattin Ingrid fand – musikalisch umrahmt von lieben Freunden – in der Basilika statt.

Musik ist für mich überhaupt ein zutiefst emotionales Bindeglied zu diesem einzigartigen Sakralraum. Viele Jahrzehnte hindurch war es mir gegönnt, als Geiger mit dem Allhartsberger Kirchenchor alljährlich am Dreifaltigkeitssonntag die klassischen Hochämter mitgestalten zu dürfen – unvergessliche Erlebnisse!

Als Mitglied des historischen Arbeitskreises für Bezirksgeschichte war es mir eine große Freude, als ich im Archiv des Schlosses Seisenegg jenes Dokument aus dem Jahr 1484 ausfindig machen konnte, in dem erstmals der Name „Sumptagperg“ aufscheint. Diese Erkenntnis samt Abbildung des Originals fand dann auch als willkommene Bereicherung in die von Anton Pontesegger verfasste „Chronik des Marktes Sonntagberg“ (1988) Eingang.

So hat mich der Sonntagberg mein Leben lang als Lehrer, als Musiker und als Historiker immer wieder begleitet, beglückt und in spiriert: als Andachtsstätte, einzigartiger Klangraum, Ausflugsziel und Forschungsobjekt.