Erstellt am 22. Juni 2016, 12:00

von Andreas Kössl

„Chance im Tourismus“. Hollensteins Bürgermeisterin Manuela Zebenholzer (SPÖ) über die Mure Gallenzen, den Amtshaus-Umbau, Ybbstalradweg, Königsberg, Abwanderung und Flüchtlinge.

Seit einem Monat ist Manuela Zebenholzer Ortschefin von Hollenstein. Langweilig wird ihr nicht, scharren doch mehrere größere Projekte in den Startlöchern oder befinden sich bereits in der Umsetzung.  |  NOEN, Foto: Huebmer

NÖN: Frau Bürgermeister, Sie haben das Amt vor gut einem Monat übernommen. Wie ist es Ihnen in diesem Monat dabei ergangen?

Bürgermeisterin Manuela Zebenholzer: Mir geht es sehr gut mit dem Amt und der Verantwortung, die man damit übertragen bekommt. Anfangs war es ein bisschen hektisch, weil viele Themen bearbeitet werden müssen. Aber die Stimmen aus der Bevölkerung und aus dem Gemeindeamt sind positiv. Da kann man mit frischem Wind vieles in Bewegung setzen.

Welche Themen beschäftigen Hollenstein derzeit?
Zebenholzer: Da ist die Mure Gallenzen. Die Sofortmaßnahmen sind abgeschlossen, jetzt geht es um eine endgültige Lösung, damit diese Mure zum Stillstand kommt.

Wann sollen die Definitivmaßnahmen umgesetzt werden?
Zebenholzer: Je schneller, desto besser. Da geht es noch um die Zustimmung eines Grundeigentümers. Wir hoffen aber, dass wir das so bald wie möglich hinbringen.

Als weiteres großes Projekt steht die Sanierung des Amtshauses an. Gibt es da schon konkrete Pläne, was da passieren soll?
Zebenholzer: Wir sind gerade dabei, abzuklären, was umgesetzt werden soll. Da steht noch ein Gutachten vom Denkmalschutz aus. Die Gemeindebücherei und das Archiv sollen weiter im Gebäude bleiben. Die Räume der ehemaligen Ordination von Doktor Höllmüller, die wir im Amtshaus hatten, könnte man für einen Saal nutzen. Einen Dachboden haben wir auch, den wir ausbauen könnten.

Wann soll das in die Umsetzungsphase gehen?
Zebenholzer: Im Sommer nächsten Jahres, würde ich jetzt mal gefühlsmäßig sagen.

Welche weiteren großen Projekte stehen noch an?
Zebenholzer: Da haben wir natürlich noch den Ybbstalradweg, der 2017 eröffnet werden soll. Da haben wir zwischen dem Bauernhaus Hofstatt und Seeburg den nächsten Bauabschnitt. Da werden wir wahrscheinlich im Herbst beginnen.

Wie wird man den Ybbstalradweg in Hollenstein touristisch nutzen?
Zebenholzer: Wir haben ein Tourismuskonzept, in das auch der Ybbstalradweg eingeflossen ist. In Hollenstein wird es verschiedene Inszenierungsplätze des Radwegs geben. Einer davon wird beim ehemaligen Bahnhof liegen. Da wollen wir zeigen, was es in Hollenstein alles gibt.

Bleiben wir beim Radfahren: Auch am Königsberg tut sich was.
Zebenholzer: Ja, wir haben die erste Phase des Mountainbike-Parks abgeschlossen. Die Kinderstrecke, der Pumptrack und der erste Teil der Freeride-Strecke mit der Drop-Line sind fertig. Im Juli beginnen wir mit dem Umbau des Liftes und gleich im Anschluss geht es an die Fertigstellung der Freeride- und Downhillstrecke. Die Eröffnung ist für September geplant.

Tourismus ist also ein großes Thema in Hollenstein.
Zebenholzer: Ich glaube, unsere Chance liegt im Tourismus. Sicher, wir haben viele Wirtschafts- und Gewerbebetriebe, die wir auch entsprechend fördern und unterstützen, aber ich glaube, am schnellsten geht es im Tourismus, dass man da Arbeitsplätze sichert und die Wertschöpfung im Ort belässt.

Zum Thema Arbeitsplätze: Gibt es in Hollenstein Möglichkeiten für Betriebe, sich anzusiedeln?
Zebenholzer: Flächen wären genug da. Wir haben etwa in der Wieden noch Gründe frei. Aber auch im Wirtschaftspark Ybbstal sind wir stark vertreten. Da sieht man auch den Rücklauf.

Wie schaut es in Sachen Wohnen aus. Hat Hollenstein mit Abwanderung zu kämpfen?
Zebenholzer: Das hält sich zum Glück im Rahmen. Viele Junge wollen dableiben. Deswegen sind wir jetzt dran, wieder Bauland zu generieren. Die Gemeinde muss die Möglichkeiten schaffen, damit die Bevölkerung auch die Chance hat dazubleiben. Zwei Wohnhäuser sollen auch noch bei der Ortseinfahrt gebaut werden. Eines davon wird wahrscheinlich im Herbst in Angriff genommen.

Zum Thema Flüchtlinge: Hollenstein hat ja auch welche aufgenommen. Wie funktioniert die Integration?
Zebenholzer: Grundsätzlich recht gut. Vor allem die Kinder lernen sehr schnell Deutsch, das ist sensationell. Wir haben mit Willi Bissenberger auch einen eigenen Flüchtlingskoordinator, der Personen um sich hat, die sich um unsere Flüchtlinge kümmern, Deutschunterricht geben oder ein Kennenlern-Café organisieren. Derzeit haben wir 23 Flüchtlinge aufgenommen.

Gibt es noch Potenzial, weitere Flüchtlinge aufzunehmen?
Zebenholzer: Wir haben ausgemacht, dass wir bis zu 34 Personen aufnehmen würden. Wir haben gesagt, das können wir mit unserem Gewissen vereinbaren. Es gibt da ja immer eine kontroverse Sicht auf das Thema, aber wir schauen, dass wir das so gut wie möglich lösen.

Wie ist das Verhältnis zum politischen Mitbewerb? Seitens der ÖVP gab es vor Ihrer Wahl zur Bürgermeisterin ja Vorschusslorbeeren.
Zebenholzer: Im Moment ist die Zusammenarbeit sehr gut. Seit dieser Periode sind viele Junge im Gemeinderat und da ist die Grundstimmung eine ganz andere. Ich glaube, wir wissen alle, dass es nur gemeinsam gehen kann, vor allem in so einem kleinen Ort, und dass man diese politischen Themen besser hinten anstellt. Ich hoffe, dass wir das so weiterführen können.