Erstellt am 23. Mai 2016, 09:02

von Doris Schleifer-Höderl

Die Frauen, die trauen. Ulrike Becksteiner und Doris Käferbeck trauen als Standesbeamtinnen des Magistrats Waidhofen jährlich bis zu 90 Pärchen. Besondere Erlebnisse gibt es dabei viele.

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„Natürlich sind wir beide verheiratet! Bei unserem Job müssen wir doch wissen, wovon wir sprechen“, meinen Ulrike Becksteiner (53) und Doris Käferbeck (39) lachend. Diese Kompetenz kann man den beiden Waidhofner Standesbeamtinnen wahrlich nicht absprechen.

An Samstagen, übrigens der beliebteste Trauungstag der Woche, kann es schon vorkommen, dass gleich mehrere Hochzeiten zu halten sind. „Im Schnitt trauen wir täglich zwei bis drei Mal“, berichten die beien. Und dies beinahe das gesamte Jahr über. Denn schon längst ist nicht mehr der Mai der erklärte Heiratsmonat. „Von April bis Oktober sind die meisten Trauungen.

Ich habe aber sogar schon eine Trauung am 5. Dezember, dem Krampustag, gehalten und meine Kollegin zu Silvester“, so Doris Käferbeck, die seit dem Vorjahr Standesbeamtin ist. „Nur am Heiligen Abend wird definitiv nicht getraut. Doch auch dafür hat es vor Jahren eine Anfrage gegeben, der wir allerdings nicht nachgekommen sind“, berichtet Becksteiner, die seit 1998 als Standesbeamtin tätig ist.

Reine Frauensache in Waidhofen

Wenn Standesamtsleiter Johann Frühwirth mit 1. August seinen wohlverdienten Ruhestand antritt, sind in Waidhofen Trauungen reine Frauensache. Damit nimmt die Stadt der Türme eine gewisse Vorreiterrolle ein. „Vor Jahren war das noch anders, da waren weibliche Standesbeamten noch eher Exoten. Mittlerweile sind bei den Kursen zur Standesbeamtenprüfung schon mehr Frauen als Männer“, berichtet Becksteiner.

Als Hochzeitslocation ist bei den Brautpaaren in Waidhofen besonders das Rothschildschloss mit dem Trauungssaal sowie dem Kristallsaal beliebt. „Wir trauen aber auch im Schlosshof, auf der Plattform oder im Kubus. Zudem sind Trauungen auch im Großen Sitzungssaal des Rathauses möglich“, erklären die beiden Damen.

„Es ist der schönste Beruf der Welt!“

Sowohl Becksteiner als auch Käferbeck finden, dass ihr Beruf der schönste der Welt sei. „Es ist ein erfreuliches Ereignis und für das Brautpaar ein unvergesslicher Tag.“ Taschentücherpackungen gehören für die beiden zur Grundausstattung eines Standesbeamten. „Da könnten wir schon fast eine eigene Fabrik aufmachen“, meint Doris Käferbeck schmunzelnd.

Selbstverständlich gibt es viele nette Erlebnisse, die Ulrike Becksteiner und Doris Käferbeck zu berichten wissen. „Ich hatte einmal ein kleines Mädchen, dass sich nach dem Brautpaar und den Trauzeugen auch zur Unterschrift anstellte“, berichtet Becksteiner. „Das war sehr herzig.“

Unerwartete Gäste tauchten auf

Doch auch für die Standesbeamtin kann es mitunter überraschend werden. „Bei einer Trauung kam der gesamte Blumenschmuck aus dem Garten der Brautmutter. Es war herrlich, ein wahres Blütenmeer. Als ich dann mit einer Trauungsansprache begann, bemerkte ich immer mehr Ameisen, die über den Tisch krabbelten.

Scheinbar waren nicht nur sämtliche Blumen, sondern auch alle Ameisen aus Brautmutters Garten im Saal anwesend. Es war irgendwie witzig und schließlich lachte die ganze Hochzeitsgesellschaft über die ‚nicht geladenen Gäste.“

Würden die beiden Frauen wieder Standesbeamtinnen werden? „Sofort! Schließlich sind Frauen ja Romantikerinnen und wir beide im Besonderen!“