Erstellt am 11. Februar 2016, 05:18

von Andreas Kössl

Erich Abfalter: „Man verliert Angriffigkeit“. Grünen-Mandatar Erich Abfalter über seine Entscheidung, 2017 nicht mehr für den Gemeinderat zu kandidieren, seine bewegte politische Laufbahn und die Nachfolgefrage.

Erich Abfalter mit der letzten Ausgabe der »Brennessel«, dem langjährigen Sprachrohr der Waidhofner Grünen, die das Schlosshotel zum Thema hatte. Dort gab Abfalter nun seinen Rückzug aus der Politik bekannt.  |  NOEN, Foto: Kössl

NÖN: Herr Abfalter, Sie haben angekündigt, 2017 nicht mehr für den Gemeinderat kandidieren zu wollen. Warum?
Erich Abfalter: Ich bin nun sechs Perioden im Waidhofner Gemeinderat. 2017 werden das 30 Jahre. Das ist eine Schwelle für mich. Über die Jahre nutzt man sich in der Politik ab, man verliert seine Angriffigkeit.

Sie haben in den 80er-Jahren die Waidhofner Grünen ins Leben gerufen. Wie kam es dazu?
Ich war eigentlich nie ein politikinteressierter Mensch. 1978 hat mich aber die Volksabstimmung zu Zwentendorf sensibilisiert. Von da an begann ich mich für Sozial- und Umweltpolitik zu interessieren. Ich war damals noch ÖVP-Mitglied. Die Politik der ÖVP Anfang der 80er-Jahre hat mich aber enttäuscht und so bin ich ausgetreten. Ich habe nach einer neuen politischen Heimat gesucht und bin schließlich bei den Grünen gelandet. 1986 beschloss ich, eine grüne Liste zu gründen. Ein Jahr später kandidierte ich für den Gemeinderat und erreichte auf Anhieb ein Mandat.

Haben Sie dadurch Probleme im Job bekommen und wie ist man Ihnen im Rathaus begegnet?
Kurze Zeit hatte ich berufliche Probleme. Am Magistrat bin ich aber immer mit offenen Armen empfangen worden. Ich habe immer alle Informationen bekommen, die ich wollte. Die Zusammenarbeit war immer ausgezeichnet.

Wer waren Ihre wichtigsten politischen Weggefährten auf Gemeindeebene?
Als erstes natürlich meine Gemeinderatskollegen Wolfgang Voglauer und Gernot Schürer-Waldheim. Dann aber auch Bürgermeister Erich Vetter, der meine absolute Hochachtung genießt, ebenso wie der ehemalige Zeller Bürgermeister und spätere SPÖ-Stadtrat Josef Pöchhacker sowie Bürgermeister Wolfgang Mair für seine angenehme Amtsführung. Sehr geschätzt habe ich auch ÖVP-Stadträtin Franziska Starkl für ihre Sozialpolitik. Bei ihr hat man nie gemerkt, welcher Fraktion sie angehört. Auch Werner Krammer schätze ich sehr, er ist ein junger, dynamischer Bürgermeister. Kontrollausschussobmann Michael Elsner schätze ich für seine unheimlich hohe Fachkompetenz und Martin Dowalil für sein Engagement. Der ist meiner Meinung nach der fleißigste Gemeinderat derzeit.

Was waren Ihre schönsten politischen Erfolge?
Als kleine Fraktion sind Erfolge immer nur partiell möglich, man ist ja immer abhängig von anderen. Mein größter Erfolg war aber sicher schon 1987 die Verhinderung der geplanten Umgestaltung des Grabens. Ein weiterer großer Erfolg war auch, dass wir 1998 das geplante Einkaufszentrum am Kinoparkplatz verhindert haben. Das wäre mit Sicherheit der Todesstoß für die Innenstadt gewesen. Ein wichtiger Erfolg war auch, dass wir mit der Bürgerinitiative „Entscheide mit“, wo ich mich engagiert habe, 1994 die geplante Alu-Schmelzanlage der SMA in Kematen zu Fall gebracht haben.

Sie haben dem Budget 2016 zugestimmt. Wie beurteilen Sie die finanzielle Lage der Stadt?
Die Stadt wird unter ihrem Wert geschlagen. Wenn ich etwas schaffe, so habe ich auch einen Gegenwert und in Waidhofen wurde sehr viel Positives in den letzten Jahren geschaffen. Worunter die Stadt leidet, ist ein falscher Finanzschlüssel. Dass die Kommunalsteuer und die Ertragsanteile nach einem Bevölkerungsschlüssel vergeben werden, ärgert mich. Klar, dass die Gemeinden nach mehr Einwohnern und Firmenansiedelungen gieren. Aber Waidhofen hat keine Möglichkeiten, Industrieflächen und günstigen Wohnraum zu schaffen.

Sie engagieren sich sehr für die Flüchtlinge in der Gemeinde. Werden Sie das weiter tun?
Ich habe mich schon seit den 80er-Jahren in der Flüchtlingsfrage engagiert und möchte das nach meiner Arbeit im Gemeinderat noch viel stärker machen. Soziales Engagement liegt mir sehr am Herzen.

Wird es nach Ihrem Rückzug aus der Politik die Grünen weiterhin in Waidhofen geben?
Derzeit ist die Nachfolge noch ungeklärt. Vor einiger Zeit hätten sich noch zwei junge Damen dafür interessiert, leider sind sie abgesprungen. Obwohl ich mit Stammtischen und Filmabenden einiges probiert hätte, ist es nicht gelungen, Mitglieder zu gewinnen. Wenn sich jemand findet, bin ich aber gerne bereit zur Unterstützung.

Die letzten Wahlen zeigen, dass es durchaus grünes Wählerpotenzial in Waidhofen gäbe.
Es ist immer ein Unterschied zwischen Bundes- und Gemeinderatswahl. Eine Gemeinderatswahl ist immer auch eine Persönlichkeitswahl und wir hatten hier immer starke Bürgermeister. Zuletzt hat mir auch sicher die Liste FUFU das jugendliche Wählerpotenzial abgeschöpft.

Wen werden Sie wählen, wenn es keine Grünen mehr in Waidhofen gibt?
In der Wahlzelle ist jeder frei.

Anders gefragt, bei welchen Parteien orten Sie grüne Ideen?
Bei SPÖ und Liste FUFU sehe ich viele grüne Themen.

Und wen werden Sie bei der Bundespräsidentenwahl wählen?
Abfalter: Alexander Van der Bellen hat meine volle Unterstützung. Ich kenne ihn persönlich. Er hätte mit Sicherheit das nötige Gespür für diese Aufgabe.