Waidhofen an der Ybbs

Erstellt am 16. Mai 2018, 05:23

von Lisa Hofbauer

Mehr Zecken: Eine lauernde Gefahr. Ärztevertreter konstatieren großes Zeckenaufkommen im heurigen Jahr und raten dringend zu einer Impfung.

Symbolbild  |  APA (dpa)

Der Frühling ist nun endgültig über das Land hereingebrochen. Die Tage werden immer länger und wärmer und viele Naturliebhaber zieht es nach draußen. Doch sobald die Temperaturen in die Höhe klettern, lauern auch wieder Zecken in Wiesen und Wäldern. Bereits ab Temperaturen von fünf bis sieben Grad Celsius werden die Zecken aktiv – immer auf der Suche nach einem Wirt, an den sie sich klammern können. „Die Zeckengefahr ist unsichtbar, aber ständig präsent“, sagt die Opponitzer Gemeindeärztin Doris Hofbauer-Freudenthaler.

Heuer seien außerordentlich viele Zecken unterwegs. „Zecken klammern sich sowohl an Tiere als auch an Menschen und stellen ein hohes Infektionsrisiko dar“, meint die Allgemeinmedizinerin.

Gegen FSME hilft nur vorbeugende Impfung

Sowohl Borreliose als auch Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) können durch einen Biss der Parasiten übertragen werden. Während Borreliose, die von Bakterien ausgelöst wird, mit Antibiotika behandelt werden kann, hilft gegen FSME nur eine vorbeugende Impfung. „Mit einem entsprechenden Impfschutz kann man einer Infektion mit dem FSME-Virus vorbeugen. Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, gibt es keine Behandlungsmethode“, sagt Hofbauer-Freudenthaler. FSME kann zu einer Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute sowie des Zentralnervensystems und im schlimmsten Fall auch zum Tod führen.

Nicht jede Zecke überträgt diesen Virus, es besteht jedoch keine Möglichkeit, im Vorfeld festzustellen, welches Tier tatsächlich infiziert ist. Ist der Wirt erst einmal mit dem FSME-Virus infiziert, besteht eine 30- bis 40- prozentige Chance, dass die Erkrankung tatsächlich ausbricht. „In Opponitz gab es bereits einmal einen derartigen Fall. Der Patient wurde von einer Zecke gebissen, erkrankte an FSME und verstarb dann“, berichtet die Gemeindeärztin.

"Aus medizinischer Sicht ist das Blödsinn"

Aufgrund dem vermehrten Auftreten von Zecken in diesem Jahr sei auch die Zahl der Impfungen heuer bislang höher als sonst. „Doch es gibt immer mehr Impfgegner, die sich nicht impfen lassen, da sie befürchten, dass eine Impfung sie krank mache“, sagt Hofbauer-Freudenthaler. „Aus medizinischer Sicht ist das aber Blödsinn. Durch Impfungen ist es gelungen, viele Krankheiten, die bislang ein Todesurteil darstellten, auszurotten. Hört man auf, Leute zu impfen, brechen diese Krankheiten wieder aus, wie man derzeit etwa bei den Masern sehen kann.“

Auch Bezirksärztesprecher Christian Eglseer berichtet von einem vermehrten Auftreten der Tiere: „Ob es ein ‚Zeckenjahr‘, also ein Jahr, in dem es besonders viele Zecken gibt, wird, hängt von den Temperaturen im Winter und in den ersten Wochen des Frühlings ab. Und heuer dürfte es wieder ein ‚Zeckenjahr‘ werden. Zumindest österreichweit verzeichnet man derzeit schon mehr Zeckenbisse als in Vergleichszeiträumen anderer Jahre.“ Dadurch lassen sich auch Leute vermehrt gegen das FSME-Virus impfen, berichtet Eglseer. „Bei den Impfmuffeln lässt sich bereits in den ersten Wochen der Zeckensaison eine zunehmende Bereitschaft zur Impfung erkennen.“

Ein Drittel noch immer nicht genug geschützt

Impfgegner werde man laut Eglseer jedoch auch mit den besten Argumenten nicht dazu bringen, sich impfen zu lassen. „Wer schon einmal einen an FSME schwer Erkrankten gesehen hat – und diese Erkrankung verläuft in der Regel schwer –, der überlegt nicht lange, ob er sich impfen lässt. So eine Impfung ist ein Muss“, meint der Bezirksärztesprecher. Obwohl die Österreicher Weltmeister seien, was die Zeckenimpfung betreffe, sei noch immer ein Drittel der Bevölkerung nicht ausreichend geschützt. „Wer Angst vor einer Überimpfung hat, kann seinen diesbezüglichen Immunstatus mit einer Blutabnahme feststellen lassen“, rät der Amstettner Arzt.

Auch die NÖ Gebietskrankenkasse (NÖGKK) rät zu einer Zeckenimpfung. „Selbstverständlich fördern wir die Zeckenimpfung bei Leuten, die diese durchführen wollen“, sagt Pressesprecherin Lisi Heinz von der NÖGKK. „Wenn es Ärzte empfehlen, stehen auch wir zu 100 Prozent dahinter.“