Kematen an der Ybbs

Erstellt am 05. August 2016, 05:18

von Andreas Kössl

Strohhäuser aus Kematen. Landwirt Martin Matzenberger hat mit Heu und Stroh eine Nische gefunden. Sein Unternehmen Sonnenklee produziert hochwertiges Tierfutter und Strohballen zum Bauen.

Landtagsabgeordneter Anton Kasser ist vom Innovationsgeist Martin Matzenbergers begeistert. Der Kematner setzt auf Stroh und Heu.  |  NOEN, Hudler

Mit Innovationsgeist begegnet Martin Matzenberger der derzeit schwierigen Situation in der Landwirtschaft. Mit seinem Unternehmen Sonnenklee besetzt der Kematner Landwirt eine Nische: Mit seinen fünf Mitarbeitern produziert er hochwertiges Tierfutter aus Wiesenheu, Luzerneheu und Stroh, aber auch Mischfutter.

Für sein Heugemisch hat Matzenberger gemeinsam mit dem Unternehmen SMK aus St. Leonhard/Walde eine eigene Anlage gebaut, mit der es möglich ist, Stroh zu reinigen und auf eine exakte Länge zu schneiden. Seinen Rohstoff bezieht der Kematner aus eigener Ernte ebenso wie aus fremden Betrieben. Was dabei wichtig ist: In seine Produkte kommen nur biologische Zutaten rein.

„Mein Anliegen ist die Erhaltung des Bodens“, sagt Matzenberger. „Der Boden ist unsere Lebensgrundlage und deshalb müssen wir sorgsam mit ihm umgehen.“ Zu den Kunden des Kematner Unternehmens zählen Jagden ebenso wie Tiergärten oder Pferdegestüte. Die Giraffen im Tiergarten Schönbrunn werden etwa mit Matzenbergers Luzerneheu gefüttert. Sein Wiesenheu mundet auch Pferden in Rio de Janeiro.

 

 

Baustroh frei von Pestiziden

Seit Kurzem hat die Firma Sonnenklee ein weiteres zukunftsträchtiges Standbein. Das Kematner Unternehmen hat die Baustroh-Produktion der deutschen Firma Waldland übernommen. Auch wenn der Markt derzeit noch klein ist, so ist Matzenberger davon überzeugt, dass Stroh ein Baustoff mit Zukunft ist. Geliefert wird das Baustroh in Ballen.

Eingesetzt werden kann es als Dämmmaterial für Häuser in Holzriegelbauweise ebenso wie als Ziegel für reine Strohhäuser. Fünf derartige Strohhäuser wurden bislang schon mit Sonnenklee-Strohziegeln gebaut. „Stroh ist eine echte Alternative, wenn es um qualitativ hochwertige und zudem nachhaltige Dämmung geht“, sagt Matzenberger. „Strohhäuser verfügen über ein tolles Raumklima und sind voll ökologisch.“

Wichtig bei der Baustrohproduktion ist dem Landwirt wie bei der Futtermittelproduktion, dass alles bio ist. „Unser Baustroh ist frei von Pestiziden und Herbiziden“, so Matzenberger. „Wir haben Bauern von denen wir unser Bio-Stroh bekommen. Dafür zahlen wir auch einen fairen Preis. Damit gewährleisten wir die höchste Qualität unseres Baustoffs.“

Innovationsgeist beeindruckt

Die Formate der Strohballen sollen in den kommenden Monaten ausgeweitet werden. Zu diesem Zweck tüftelt Matzenberger derzeit gemeinsam mit Matthias Korntheuer von der Firma SMK sowie Schülern der landwirtschaftlichen Fachschule St. Florian und dem Francisco Josephinum in Wieselburg an einer neuen Maschine, mit der das Stroh dann in unterschiedlichen Ballenstärken gepresst werden kann.

Die größte Herausforderung dabei: Das Gerät soll mobil sein, um es auch über die Landesgrenzen hinweg vor Ort einsetzen zu können. Schon im Herbst soll das Gerät in Betrieb gehen. Die Kosten beziffert Matzenberger mit rund 200.000 Euro. Gleichzeitig ist man dabei, ein Vertriebsnetz aufzubauen. Dazu sucht man noch Partner – Zimmereibetriebe ebenso wie Architekten.

Beeindruckt vom Innovationsgeist Matzenbergers zeigt sich Landtagsabgeordneter Anton Kasser: „Es braucht derartige Vorreiter, die die Zügel selbst in die Hand nehmen. Landwirtschaft ist Vielfalt. Man muss nur schauen, wo es Chancen gibt.“