Erstellt am 17. November 2015, 23:08

von Leo Lugmayr

Herrlicher Klamauk in Waidhofen. Die Volksbühne hat die Inszenierung des Stücks "Das (perfekte) Desaster Dinner" gewagt. Gelungen ist ein Stück mit neuen Rollen und dem Ziel, sich über Affären zu belustigen.

Zu tief in die Suppe geblickt hat Ludwig Hauser. Er erwies sich als ideale Besetzung für den untreuen Gehörnten.  |  NOEN, Lugmayr

Mit Spannung war die Aufführung des „(perfekten) Desaster Dinners“ von Marc Camoletti nach Michael Niavarani in der Regie Uschi Nocchieri erwartet worden. Entsprechend gut verkauft war auch bereits die Premiere am Freitag. Immerhin hatte man sich die Latte mit einem Seitenblick auf Niavarani selber äußerst hochgelegt.

Und das Stück gelang aus zweierlei Gründen: Erstens hatte Nocchieri die Rollen recht clever umgeschrieben und für die Volksbühne-Mimen maßgeschneidert und zweitens brachten alle sechs Laienschauspieler unglaubliche Leistungen – auch was die Länge von zweieinhalb Stunden reine Spielzeit betrifft: Da arbeiten die Charaktere die generalstabsmäßig aufgebaute Pointenschlacht exakt durch und halten die sich stets wie ein Wirbelwind drehende Komödienhandlung exakt auf Kurs, wo jeder Sager auf das davor kommende Stichwort angewiesen ist.

Sie gehen auch nicht in die Falle der ulkigen Beliebigkeit, was bei einem Hin und Her zwischen Gehörntsein und Affäre bei stets gleicher Kulisse und stets gleichen Protagonisten vielleicht die größte Gefahr darstellt und höchste Konzentration verlangt. (Man versuche einmal, die Story nachzuerzählen ...)

Ludwig Hauser in seinem Element

Als Glücksbesetzung erwies sich Ludwig Hauser als Stefan: ein Charakter, wie ihn der Autor nicht besser hätte festlegen können. Der gehörnte Ehemann begibt sich tollpatschig in eine Affäre mit einem Model und ist die Drehscheibe der Handlung. Nicht minder vertrackt legt Alexandra Wagner seine fesche Gattin Jacqueline an.

Sie changiert zwischen durchtrieben und biederer Ehefrau, dass es eine Freude ist. Aber allein schon der Verdacht, ihr Liebhaber, des Gatten bester Kumpel, könnte eine Nebenbuhlerin unterhalten, stachelt sie zu feuriger Eifersucht auf. Eine Tussi – intelligent, aber durchaus mit Tiefgang – spielt Karin Komatz wunderbar in der Rolle des Models Susanna. Köchin Susi (Barbara Lueger) ist in der Inszenierung das Salz in der Suppe: clever, schrill und herzhaft derb.

Otmar Pils verkörpert als Robert einen begehrten jungen Mann, der zum Spielball der Frauen wird. Friedrich Rechberger stiefelt zuletzt in Motorradrocker-Manier ins Geschehen, um seine Susi schlagkräftig aus den Abgründen der verlogenen Bürgerwelt zu holen.

Die Regie – Uschi Nocchieri und Assistentin Marika Hauser – hat das Stück flott für die Volksbühne adaptiert und beachtlich in Szene gesetzt.