Hollenstein an der Ybbs

Erstellt am 13. Februar 2017, 09:23

von Doris Schleifer-Höderl

Die Magie des Natürlichen. Die Hollensteiner Künstlerin Susanne Steinbacher arbeitet in präziser altmeisterlicher Öl-Eitempera-Technik und fängt die Natur akribisch in ihren einmaligen Bildern ein.

Susanne Steinbachers Malstil ordnet sich dem Magischen Realismus zu. „Mit meinen Bildern möchte ich den Menschen die Natur näherbringen“, so die Künstlerin.  |  NOEN, Steinbacher

„Ich bin im Sägewerk meines Großvaters aufgewachsen, wo auch mein Vater arbeitete. In der Kanzlei hat es so schöne Bleistifte gegeben und manchmal durfte ich damit zeichnen“, berichtet Susanne Steinbacher. „Damals, im Alter von drei oder vier Jahren, entwickelte sich schon meine Leidenschaft für das Bildnerische.“

Diese setzte sich in der Schule fort, wo die gebürtige Waidhofnerin von den Lehrern dafür nur Lob erntete. „Ansonsten war ich ja keine gute Schülerin, aber das Malen und Zeichnen habe ich beherrscht“, so Steinbacher. Eine familiäre „Vorbelastung“ gab es durchaus dafür, denn der Cousin von Susanne Steinbachers Großvater mütterlicherseits war Oskar Kokoschka. „Und auch meine Mutter hatte die Gabe fürs Zeichnen. Vermutlich ist das auf mich übergegangen.“

Laufbahn war nicht geplant

Ihr Talent zum Beruf zu machen war jedoch zunächst nicht geplant. „Meine Eltern wollten, dass ich Lehrerin werde, ich eigentlich nicht. So äußerte ich den Wunsch, Grafikerin zu werden. Mein Onkel las dann, dass der bekannte Maler Ernst Fuchs Seminare abhalte und so kam Eines zum Anderen. Fuchs sprach mir zu und setzte sich mit meinen Eltern in Verbindung. Mein Vater war zwar nicht so begeistert, aber meine Mutter als kunstaffine Frau machte sich für mich stark. So studierte ich schließlich an der Akademie der Bildenden Künste in Wien Malerei bei Rudolf Hausner, dem bedeutenden Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, wo ich 1977 diplomierte“, erzählt die Künstlerin.

Zunächst beschränkte sich Susanne Steinbacher auf Porträtmalerei, fand später zum Stillleben und schließlich zur Natur- und Landschaftsmalerei. Ihre Werke, gemalt in präziser altmeisterlicher Öl-Eitempera-Lasurtechnik, die rund elf Arbeitsschritte beinhaltet, demonstrieren Steinbachers Liebe zur Natur und ihren genauen Blick auf die dargestellten Dinge. „Obwohl ich im Leben eher chaotisch bin, bin ich in der Malerei hingegen extrem akribisch. Bevor ich meine Stillleben skizziere, werden diese im Atelier aufgebaut. Da kann es oft Tage dauern, bis ich die Falten des Tuchs und die Gegenstände gruppiert habe. Erst dann beginnt die malerische Arbeit“, so Steinbacher.

„Ein Kunstwerk soll Positives ausdrücken“

Bei Natur- und Landschaftsbildern begibt sich die Künstlerin immer hinaus und fotografiert das zu Malende, bevor sie ans Werk geht. „Ich möchte alles so naturgetreu wie möglich einfangen und für den Betrachter wiedergeben. Mir geht es in meinen Werken auch darum, den Blick der Menschen wieder für die Natur und ihre unendliche Schönheit zu schärfen“, meint die Künstlerin. Für die Ybbstalerin, die Mitglied der Künstlergruppe „Die Nationalparkparkmaler“ ist, ist es essenziell, dass ein Kunstwerk Positives ausdrücken muss. „Bedrückendes und Angstmachendes in der Kunst lehne ich ab, weil es das Negative thematisiert und belastet.“

Täglich zu malen ist für Susanne Steinbacher selbstverständlich. Als Morgenmensch steht sie bereits um 9 Uhr im Atelier und arbeitet bis 13 Uhr. Nach einer Pause geht es dann von 14 bis 16 Uhr weiter. „Danach gehe ich eine Stunde spazieren und lasse mich inspirieren.“ Für ein Gemälde benötigt sie von zwei Wochen bis zu drei Monaten. „Ein paar hundert Werke werden es schon sein, die ich im Laufe der Jahre gemalt habe“, meint die Künstlerin.

Die Schönheit der Natur erfassen

Pro Jahr organisiert Steinbacher eine Einzelausstellung und nimmt an ein bis drei Gemeinschaftsschauen im In- und Ausland teil. Neben ihrer Tätigkeit als Malerin gibt sie ihr Wissen über die „Techniken der alten Meister“ als Leiterin von Malkursen in Schloss Goldegg, an der Leonardo-Kunstakademie Schloss Mattsee und an der Internationalen Sommerakademie Hortus Niger in Halbenrain weiter. „Mein künstlerisches Anliegen ist es, die allzu oft achtlos hingenommene, für entbehrlich gehaltene Schönheit der Natur in ihrer Struktur zu erfassen und den Menschen facettenreich vor Augen zu führen“, so Steinbacher.