Erstellt am 04. März 2016, 05:04

von Sabine Hummer

Luster strahlt nun wieder. Schüler der HTL Waidhofen brachten den Kronleuchter in der Pfarrkirche St. Peter/Au in über 100 Arbeitsstunden wieder zum Leuchten.

Die Elektrifizierung des Kronleuchters wurde instand gesetzt. Initiator Daniel Brandstetter (l.) und sein Kollege Alois Bauer (4.v.l.) konnten dabei auf die Hilfe ihrer Schüler Stefan Pechhacker, Jakob Söllner, Raphael Niederberger, Simon Schörghuber, Lukas Mensing, Marco Blamauer, Markus Häusler und Florian Naderer (nicht am Bild) bauen.  |  NOEN, Hummer

Am Samstag der Vorwoche herrschte reges Treiben in der Pfarrkirche. Ein Gerüst war im Mittelgang aufgebaut worden, am Prachtluster schraubte, putzte und werkte eine Gruppe von Schülern der HTL Waidhofen. Unter fachkundiger Anleitung von ihrem Werkstätten-Lehrer Alois Bauer nutzten die acht Burschen den schulfreien Tag, um sich einem besonderen Vorhaben zu widmen: Nach 50 Jahren sollte der Luster endlich wieder leuchten.

Die Idee dazu hatte Daniel Brandstetter, Lehrer an der HTL, Gemeindearchivar in St. Peter und begeisterter Organist. „Vor etwa einem Jahr bin ich beim Orgeln in der Kirche gesessen, es wurde finster und nur die unterste Kugel am Kronleuchter hat geleuchtet. Da habe ich mir gedacht, es wäre schön, wenn er zur Gänze strahlen würde“, erzählt Brandstetter.

Im Jahr 1908 machte Pfarrer Michael Hofstätter diesen Kronleuchter der Pfarre zum Geschenk. „Damals hatte er zwei Kerzenreihen. Ende der 1920er-Jahre wurde er auf Elektro-Betrieb umgearbeitet und mit weißen Glaskugeln bestückt. Geleuchtet hat der Luster dann bis Anfang der 1960er-Jahre, seitdem nicht mehr. Warum, weiß aber niemand“, so Brandstetter.

Nach eingehender Prüfung der Sachlage und Einholen von Fachmeinungen stand fest, dass eine Sanierung des Lusters kompliziert, aufwendig und kostspielig sein würde. Denn die gesamte Elektrik samt Fassungen war in den 1960ern entfernt worden, lediglich ein Kabel für die Gehbeleuchtung war installiert. „Die gab es in der ursprünglichen Form gar nicht“, weiß der Hobby-Historiker aus alten Archivaufnahmen. Zudem ist die Leuchten-Halterung an einem Dachbalken befestigt, eine Demontage kam also nicht in Frage.

Schüler investierten 110 Arbeitsstunden

Doch so schnell wollte sich Brandstetter nicht geschlagen geben. Er kam auf die Idee, die Sanierung des Kronleuchters in Form eines Schulprojekts der HTL durchzuführen. Mit seinem Kollegen aus der Elektrotechnik-Schulwerkstätte, Alois Bauer, fand er einen engagierten Mitstreiter. „Da wir den Kronleuchter nicht abbauen konnten, beschlossen wir, die Sanierung vor Ort durchzuführen“, so der HTL-Lehrer.

Die Glaskugeln und Ausleger der Leuchte wurden abmontiert und gereinigt. Anschließend wurden sie mit neuen Fassungen, Kabeln und Glühbirnen installiert. „Die Schüler mussten dabei sehr vorsichtig vorgehen, denn natürlich gab es keine Ersatzteile. Aber sie haben es geschafft. Um 18.30 Uhr hat der Luster nach 50 Jahren wieder geleuchtet. Am Sonntag wurde er vor der Messe dann feierlich ‚illuminiert‘“, so Brandstetter stolz. Seine Schützlinge investierten insgesamt 110 freiwillige Arbeitsstunden in dieses besondere Schulprojekt.