Waidhofen an der Ybbs

Erstellt am 28. Juli 2016, 05:02

von Doris Schleifer-Höderl

„Vom Rand abholen“ . Der ausgebildete Techniker Andreas Schauer ist nun seit 14 Jahren Leiter des Waidhofner Jugendzentrums Bagger.

Für Andreas Schauer ist die Leitung des Jugendzentrums mehr als ein Job.  |  noen, Schleifer-Höderl

„Ich habe die HTL in Waidhofen besucht und habe danach als technischer Zeichner gearbeitet“, berichtet Andreas Schauer. „Doch als ich meinen Zivildienst im Landespflegeheim Waidhofen absolvierte, merkte ich, dass mich eine Tätigkeit im Sozialbereich noch mehr interessieren würde.“ So sattelte der heute 43-Jährige um, besuchte die Sozialakademie St. Pölten und wurde Sozialarbeiter.

Nach Beschäftigungen im Jugendzentrum Großfeldsiedlung in Wien und einem halben Jahr als Streetworker in Frankfurt, zog es den gebürtigen Waidhofner letztlich wieder in seine Heimat, wo er 2002 die Leitung des Jugendzentrums Bagger übernahm und einen professionellen Jugendzentrumsbetrieb aufbaute.

Das Jugendzentrum Bagger ist eine Einrichtung der Stadt Waidhofen und ein betreuter Treffpunkt für Jugendliche im Alter von 13 bis 21 Jahren. Während der Öffnungszeiten findet der sogenannte offene Betrieb, ein frei zugängliches, betreutes Freizeitangebot, statt. Im Bagger gibt es laufend sportliche, kreative und pädagogische Programmpunkte. „In dieser Zeit stehen ich und meine Kollegin Katarina Schmidel aber auch für Sorgen, Probleme und Anliegen aller Art anonym und kostenlos zur Verfügung. Besonders die Themen Arbeitssuche, Schule, Lehre, Familie, Migration und Integration sowie Beziehungen und Wohnungssuche sind für die Jugendlichen sehr von Interesse.“

„Sollen Gesellschaft erleben dürfen“

Psychosoziale Problemstellungen werden in professionellen Beratungsgesprächen aufgegriffen und mit den Jugendlichen bearbeitet. Geschätzte 55 Prozent der Bagger-Besucher haben Migrationshintergrund und nur rund 14 Prozent der Besucher sind Mädchen. „Die stärkste Frequentierung haben wir am Freitag und Samstag“, sagt Schauer. Alleine im heurigen Jahr verzeichnete das Waidhofner Jugendzentrum bereits über 3.700 Besuche.

„Unsere Besucher kommen oft aus Randgruppen. Damit sie nicht länger am Rand stehen, versuchen wir, sie genau dort abzuholen und ihnen das Gefühl des Miteinanders zu geben“, erklärt Schauer. „Offene Jugendarbeit ist heikel und durchaus nicht unumstritten. Für viele unserer Besucher ist das Jugendzentrum der einzige Ort, wo sie hingehen, sich austauschen und Erfahrungen sammeln können. Wir möchten sie dabei begleiten und ihnen die Möglichkeit geben, Gesellschaft zu erleben. Es ist immer wieder spannend und gleichzeitig schön, mit Jugendlichen arbeiten zu dürfen.“

Öffnungszeiten

Jugendzentrum Bagger, Kapuzinerstraße 3, 3340 Waidhofen, Mittwoch und Donnerstag von 15.30 bis 20 Uhr sowie Freitag und Samstag von 15.30 bis 21 Uhr; ( 07442/54080; jugendzentrum@waidhofen.at