Erstellt am 03. Juli 2017, 14:00

von Doris Schleifer-Höderl

„Marken erzählen viele Geschichten“. Seit seinem 23. Lebensjahr ist Horst Steindl begeisterter Briefmarkensammler. Mittlerweile besitzt er mehr als 100 Alben.

Seine Leidenschaft für Briefmarken entdeckte Horst Steindl vor 50 Jahren. 1971 gründete er den ersten Österreichischen Arbeiter-Briefmarken-Sammler-Verein Sektion Hilm-Kematen. Doris Schleifer-Höderl  |  Doris Schleifer-Höderl

Briefmarken üben auf viele Menschen eine große Faszination aus. Sie sind kleine Kunstwerke, unverfälschte Zeitdokumente der Geschichte, fremder Länder und Epochen. Die Philatelie hat ihre Anfänge kurz nach der Ausgabe der ersten Briefmarke der Welt. Dabei handelt es sich um die sogenannte „One Penny Black“, die am 6. Mai 1840 in Großbritannien ausgegeben wurde.

„Bei mir war es eher ein Zufall, dass ich zum Philatelisten wurde“, berichtet Kematens Archivar Horst Steindl. „Meine Schwester hat von ihrer Freundin ein Briefmarkenalbum bekommen, konnte damit aber nichts anfangen. So gab sie es an mich weiter und ich war gleich fasziniert. Das war vor 50 Jahren.“

Das Album beinhaltete damals an die 30 Briefmarken. Mittlerweile nennt Horst Steindl mehr als 100 Alben sein Eigen. „Ich habe zum Zählen der einzelnen Marken aufgehört. Momentan werde ich einige tausend haben.“ Vor allem Marken und Sonderstempel aus Österreich sowie Motivmarken aus Paris sammelt der heute 73-jährige pensionierte Mondi-Mitarbeiter. „Ich habe auch meine Gattin Hannelore mit dem Briefmarkensammler-Virus angesteckt. Ihr haben es Marken mit Porzellanmotiven angetan.“

Sammlerverein im Jahr 1971 gegründet

Ganz am Beginn seiner Sammlerleidenschaft schloss sich Steindl 1968 dem Briefmarken-Sammler-Verein Amstetten an. „Doch weil wir dann schon sechs Interessierte aus Kematen waren, gründete ich im April 1971 den ersten Österreichischen Arbeiter-Briefmarken-Sammler-Verein Sektion Hilm-Kematen. Am Anfang waren wir zwölf Mitglieder, heute zählen wir 44.“ Der Altersschnitt der Kematener Philatelisten beträgt 65 Jahre. Daher ist man auch auf der Suche nach Briefmarkensammler-Nachwuchs. „Es würde uns freuen, wenn wir unsere Sammlerleidenschaft auch mit jüngeren Leuten teilen könnten“, so Steindl.

Jeden ersten und dritten Sonntag im Monat trifft sich ein harter Kern von rund 15 Mitgliedern im Zentrum kem.A[r]T zum Fachsimpeln und Plauschen. „Wir sind auch beim Verband Österreichischer Philatelistenvereine dabei und haben Kontakt zu Briefmarkensammlern in Waidhofen und Wien“, so Steindl. „Im Lauf der Jahrzehnte haben wir schon 42 Sonderstempel herausgegeben. Und viele von uns sammeln nicht nur Briefmarken, sondern etwa auch Heiligenbilder, Ansichtskarten oder Bierdeckeln.“

Horst Steindl geht es nicht um den materiellen Wert der Marken, viel mehr begeistert ihn das eigentliche Sammeln und die Gestaltung jeder einzelnen Marke. „Außerdem fasziniert mich die Geschichte zu den Marken. Da gibt es immer viel Wissenswertes zu entdecken.“

Älteste Briefmarke aus den Jahren vor 1850

Die älteste Briefmarke, die im Besitz von Horst Steindl ist, ist eine Marke aus Großbritannien aus den Jahren vor 1850. Seine älteste heimische Marke stammt exakt aus dem Jahr 1850. „Am 1. Juni 1850 erlangten mit der Wappenausgabe die ersten Briefmarken im Kaiserreich Österreich ihre Gültigkeit.“

Jemals mit dem Briefmarkensammeln aufzuhören, kann sich Horst Steindl nicht vorstellen. „Ich mache unermüdlich weiter, würde mich aber freuen, wenn sich in den nächsten paar Jahren jemand finden würde, der meine Vereinsobmannschaft einmal übernehmen könnte.“

Der Arbeiter-Briefmarken-Sammler-Verein Sektion Hilm-Kematen trifft sich jeden ersten und dritten Sonntag im Monat im Zentrum kem.A[r]T.

Infos: Obmann Horst Steindl, 0664/5142433.