Erstellt am 16. September 2015, 05:17

von Christa Hochpöchler

Mann mit der Lederhose. Authentisch und vor Ideen sprühend präsentierte Johannes Gutmann, der Gründer der Firma Sonnentor, im voll besetzten Kristallsaal seinen Werdegang.

Johannes Gutmann erzählte über seine Firmengeschichte.  |  NOEN, Christa Hochpöchler

Als ersten Gast in diesem Jahr in der Vortragsreihe „Wirtschaft 2050“ durfte das Projektteam, bestehend aus Jürgen Tatzreiter, Jakob Stockinger, Raphael Kößl und Anton Pichler, den Gründer und Inhaber der Firma Sonnentor, Johannes Gutmann, begrüßen.

Johannes Gutmann ist nicht zu übersehen. Mit seiner markanten Lederhose – „die habe ich bei uns am Bauernhof am Dachboden gefunden“ –, den roten Schuhen, der roten Brille und dem T-Shirt mit der Sonne ist er selbst zum Markenzeichen geworden.

Gutmann kam als jüngster Sohn einer Bauernfamilie in der Nähe von Zwettl zur Welt. Nach der Matura begann er das Studium der Handelswissenschaften, das er nach nur 14 Tagen wieder beendete. Erste Berufserfahrungen machte er bei der Brauerei Zwettl und als landwirtschaftlicher Koordinator bei der Firma Waldland. Als 1988 sein Arbeitsvertrag auslief, machte sich Gutmann zum Leidwesen seiner Eltern selbstständig und gründete die Firma Sonnentor. „Mein Vater war Aufsichtsrat bei der Raiffeisenbank in Zwettl und hat versucht, mir dort einen guten Posten zu verschaffen. Ich wollte aber kein Buchhalter oder Beamter werden. Ich habe das ausprobiert und es ist mir immer schlecht dabei gegangen.“

„Menschen sind mein wichtigstes Potenzial“

Trotz der Warnung seiner Eltern – „Du bist nichts, du kannst nichts und du hast nichts!“ – startete Gutmann seinen Einmannbetrieb. Im Waldviertel begann man 1986 mit dem Anbau von Sonderkulturen wie Mohn und Kräutern. Bei der Vermarktung gab es jedoch Probleme. Gutmann kaufte die Kräuter auf und startete mit ganz kleinen Absatzmengen. „Die Supermärkte wollten meine Kräuter nicht, für die Apotheken fehlte mir die Arzneimittelprüfung – nur die damals 15 Bioläden in Österreich verkauften meine Produkte. 1990 war ich auf einer Biofachmesse in Düsseldorf. Dort waren schon 300 Biospinner, ich drehte eine Runde und hatte zwei Kunden in Deutschland“, erzählte er über die Anfänge.

Sein wichtigstes Potenzial seien die Menschen. „Authentische Leute, ältere Menschen, Bauern am Feld – das sind meine Mitarbeiter, deren Fotos nicht nur am Werksgelände zu sehen sind, sondern auch auf der Homepage und in Marketingunterlagen. Ältere Menschen können noch beim Verpacken mithelfen, die Pension tut sowieso keinem gut“, ist Gutmann überzeugt. Heute beschäftigt er 200 Mitarbeiter, viele davon waren zuvor arbeitslos.

Zu den Kräutern und Gewürzen kommt nun ein Tourismuskonzept, das Sonnentor-Erlebnis in Sprögnitz. Auf dem Kräuterwanderweg kann man die Kräutervielfalt entdecken und in „Hildegards Kräuteroase“ dem „Klostergeist“ nachspüren. „Vergesst die Kinder nicht, sie sind unsere Zukunft“, sagt Gutmann und verweist auf seine zahlreichen Kinderserien und den Kindergarten, den er in Sprögnitz eingerichtet hat. „Ich bin kein Sozialromantiker, aber ein Vorbild. Wenn ich jemand grüße, wird zurückgegrüßt. Wenn ich ein Papierl aufhebe, machen es die anderen auch. Wir dürfen nicht müde werden, das tausendste Papierl aufzuheben. Und trefft eure Entscheidungen aus dem Bauch und dem Herzem. Ich habe meinen Kopf nur, damit es mir nicht ins Herz regnet“, lachte Gutmann.