Erstellt am 05. Oktober 2015, 09:47

Martin Schobel: „Hatte Barock so noch nie erlebt“. Martin Schobel über seine ganz persönliche Beziehung zum Sonntagberg.

Martin Schobel  |  NOEN, zVg

Meine sehr persönliche Beziehung zum Sonntagberg begann im September 1959 paradoxerweise in Kürnberg, wo ich meine erste Anstellung als Volksschullehrer erhielt.

Ein schöner Herbst zeigte mir das Mostviertel in seiner vielfältigen Pracht. Mein Erkundungsweg führte auf den Plattenberg zur „Elisabeth-Warte“, von wo aus ich im Osten die Sonntagberger Basilika erblickte. Sie wurde mir bei meinen Kürnberger Wanderungen verlässliche Begleiterin und Orientierungspunkt.

Mein Traum vom Landschullehrerdasein währte nur zwei Jahre. Ich wurde nach Waidhofen versetzt. Mit schwerem Herzen nahm ich vom geliebten Kürnberg Abschied und fuhr mit meinem Motorroller nach Waidhofen. Bald lernte ich die Vorzüge der Kleinstadt am Fuße des Sonntagbergs schätzen. Meine erste Ausfahrt brachte mich auf den Sonntagberg.

Natürlich war ich vom Panorama sehr beeindruckt und fand auch mit einem wehmütigen Blick den Kürnberg mit seiner Warte. Ich betrat den Kirchenraum und war überwältigt, staunte – in dieser Form hatte ich Barock noch nie erlebt. Ich verweilte, bis mich die Kühle des Raums frösteln ließ. Mit einem etwas ruhigeren Herzen und versöhnt fuhr ich nach Waidhofen.

Mein neues Leben begann am Fuße des Sonntagbergs. Die Basilika wurde für mich Zeichen des Abschiednehmens und des Neubeginns. Bei der Theatergruppe der Stadtpfarre lernte ich ein fröhliches und sehr hübsches Mädchen kennen. Zwei Jahre später heirateten wir in der Basilika. Ebenso gedachten wir in ihr unserer „Goldenen“.

Seit meinem 50-iger bin ich Besitzer eines Bergrades. In diesen 26 Jahren war ich mit dem Mountainbike jährlich mindestens einmal auf dem Sonntagberg, meist verbunden mit einem Kurzbesuch in der Basilika.

Diese besonders herrliche, barocke Wallfahrtskirche und ihr Berg laden die Menschen zum Staunen, Schauen, Hören, Innehalten und Besinnung ein. Viele nehmen diese Einladung an, sie tragen pilgernd ihre Sorgen, Anliegen, Ängste, Zweifel, aber auch ihre Freuden, Hoffnungen und ihren Dank in die Sonntagberger Basilika.

Unser Sonntagberg, Wahrzeichen des Mostviertels, Symbol für christliche und kulturelle Entwicklung. braucht für seine Erhaltung, den weiteren Ausbau als Pilgerstätte und Bereitstellung von Schauräumen unser aller Unterstützung. Diese wollen wir großzügig leisten. „Mein Sonntagberg“, unsere Basilika, mahnt uns aber auch zur Solidarität jenen gegenüber, die, von Kriegswirren geflüchtet, gegen Westen „pilgern“, um eine neue Heimat, ein „ gelobtes Land“, zu finden.

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Nächster Termin

Am Samstag, 10. Oktober, geht es beim „Mystischen Wandern“ von Waidhofen auf den Sonntagberg.