Erstellt am 03. März 2016, 05:54

von Andreas Kössl

„Miteinander anpacken“. Bürgermeister Werner Krammer über Kritik an Budget und Personalkosten, die Kulturdebatte, die Schaffung von Wohnraum und Arbeitsplätzen und die Wahl 2017.

Für Stadtchef Werner Krammer (WVP) ist die Gemeinderatswahl derzeit noch kein Thema, die Arbeit für Waidhofen sei für ihn vorrangig.  |  NOEN, Foto: Kössl

NÖN: Herr Bürgermeister, Sie haben das Miteinander als Jahresmotto ausgegeben. Zuletzt spiegelte sich dieses im Faschingsumzug eindrucksvoll wider. Wird es ein Dacapo geben?
Bürgermeister Werner Krammer: Der Faschingsumzug war wirklich ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen. Für mich hat das auch die Sehnsucht widergespiegelt, dass man wieder etwas gemeinsam macht und zusammengeht. Wir wollen das aber nicht überstrapazieren und jedes Jahr machen, ein längerer Zyklus steht im Raum.

Trotz Ihres Appells zum Miteinander gab es zuletzt vonseiten der Opposition – auch in Gesprächen mit der NÖN – viel Kritik an der WVP und Ihrer Person.
Krammer: Ich bin durchaus offen für Kritik, aber eines muss klar sein: Nur dagegen zu sein ist zu wenig. Man muss miteinander anpacken, denn nur so gewinnt letztendlich Waidhofen. Ich habe gelesen, was gewisse Parteiobmänner so sagen. Die denken zuallererst an das, was für ihre Partei gut ist und dabei nehmen sie es – salopp gesagt – mit der Wahrheit nicht so genau. Als Bürgermeister ist es meine Aufgabe, dass ich die Menschen zusammenführe und zur Gemeinsamkeit ermutige.

Die Kritik entzündete sich vor allem am Budget für 2016.
Krammer: Wir haben im Jahr 2009 unser 10-Punkte-Programm beschlossen mit dem zentralen Ziel, 500.000 Euro an Schulden pro Jahr abzubauen – natürlich im Schnitt. Die Jahre 2015 und 2016 waren in der mittelfristigen Finanzplanung immer als große Investitionsjahre geplant. Da sind so große Brocken wie die Wiener Straße, die Zeller Hochbrücke und der Steg drinnen. Wir bekennen uns aber auch ganz klar dazu, dass ab 2017 der Schuldenabbau wieder fortgesetzt werden muss. Die ersten Maßnahmen diesbezüglich haben wir bereits ins Budget für 2016 eingearbeitet.

Konkret bekrittelt wurden die Personalkosten – vor allem die Ausgaben im Bürgermeisterbüro.
Krammer: Wenn man die Wahrheit betrachtet, haben wir durch die Zusammenlegung der Sekretariate von Bürgermeister und Magistratsdirektor gegenüber 2014 0,25 Dienstposten eingespart und gegenüber 2010 0,75. Außerdem haben wir von 2010 bis 2015 den Dienstpostenplan immer einstimmig beschlossen. 2016 hat nur die Liste FUFU dagegen gestimmt. Da scheint mir doch ein etwas anderes Motiv hinter der Kritik zu stehen.

Auch die Ausgaben der Stadt im Kulturbereich waren zuletzt Gegenstand heftiger Debatten.
Krammer: Aufgabe der Kultur war es nie und wird es nie sein, dass man kurzfristig Profit damit erzielt. Eine lebendige Kulturszene, die über die Region hinaus strahlt, stärkt den Tourismus und erhöht die Lebensqualität für die Bürger. Das Angebot, das Waidhofen hier hat, ist ein ganz breites. Dieses abzudecken, gehört in einer Stadt wie Waidhofen einfach dazu.

Und was sagen Sie zur Kritik an der Aufschließung der Schatzöd-Gründe in Konradsheim?
Krammer: Der Gemeinderat hat sich im Stadterneuerungsleitbild einstimmig zu einer Vorwärtsstrategie bekannt und ein Ziel dieser Strategie ist Wachstum. Mir geht es darum, dass wir das nicht nur in einem Konzept niederschreiben, sondern auch umsetzen. Wenn wir aber wachsen wollen, dann brauchen wir ein Angebot – sowohl in der Stadt als auch am Land. Zu diesem Angebot gehören auch die Schatzöd-Gründe.

Neben dem Wachstum ist auch die Schaffung von Arbeitsplätzen ein zentrales Ziel dieses Stadterneuerungsleitbildes. Wie möchte man Unternehmen dazu bringen, sich in Waidhofen anzusiedeln?
Krammer: Ein Modell sind die Coworking-Spaces auf der Zell. Daneben sind wir beim Bahnhofsareal dran, etwas zu schaffen. Und auch das Areal bei der Firma Bene wäre für Betriebsgrundstücke geeignet, auch da führen wir laufend Gespräche.

Zur Flüchtlingssituation: In Waidhofen wurde viel in Sachen Inte-gration umgesetzt. Wird die Stadt weiter an dieser Willkommmenskultur festhalten?
Krammer: Es braucht eine Lösung für die Flüchtlingsproblematik, die weit über die Gemeindeebene hinausreicht. Aber die Leute, die bei uns sind, denen muss man helfen, das ist ein Gebot der Menschlichkeit. Ich sehe das aber auch als Chance. Wenn jemand einen positiven Asylbescheid hat und bei uns bleiben darf, dann ist es unbedingt notwendig, dass der so bald wie möglich in den Arbeitsprozess eingegliedert wird. Da erarbeiten wir gerade mit Unternehmen und dem AMS Modelle, wie man das machen kann.

Wie weit ist für Sie die Gemeinderatswahl 2017 schon Thema?
Krammer: Für mich ist derzeit die Arbeit für Waidhofen vorrangig. Es wäre übertrieben, wenn man sich jetzt schon auf die Wahl konzentriert.

Wahlziel der WVP ist die Rückeroberung der absoluten Mehrheit?
Krammer: Ich werde das erste Mal als Spitzenkandidat antreten. Da muss jeder Wähler erstmals gewonnen und überzeugt werden. Ich hoffe, mir und meinem Team gelingt das so gut, dass wir den gemeinsamen Kurs für Waidhofen auch nach der Wahl fortsetzen können.

Wem geben Sie bei der Bundespräsidentenwahl Ihre Stimme?
Krammer: Für dieses Amt braucht es einen Experten im Bereich der Sicherheit, der Außenpolitik und in Fragen der Verfassung. Da ist Andreas Khol ein ausgezeichneter Kandidat.