Erstellt am 27. Dezember 2011, 00:00

Nach Hollensteins Nein droht Radweg-Aus. STREIT / Die sechs anderen Ybbstal-Gemeinden wollen Verband trotzdem gründen. Sobotka: „Nur Gesamtprojekt macht Sinn.“

„Totale Enttäuschung“ herrschte unter den Hollensteiner ÖVP-Gemeinderäten Thomas Krejci, Herbert Jagersberger, Martina Eschauer, Klaus Hirner und Andreas Schnabel (v.l.). Die geheime Abstimmung endete mit 11:8-Stimmen gegen den Beitritt zum Gemeindeverband Ybbstalradweg - was genau dem Stärkenverhältnis zwischen SPÖ und ÖVP entspricht.MARKUS HUEBMER  |  NOEN
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VON ST. HACKL UND M. HUEBMER

YBBSTAL / Da waren’s nur mehr sechs. Am Montag der Vorwoche fielen die Würfel: Der SPÖ-dominierte Hollensteiner Gemeinderat sprach sich in einer geheimen Abstimmung gegen den Beitritt zum Gemeindeverband Ybbstalradweg aus. Damit werden nur sechs der sieben Ybbstalgemeinden jenen Zusammenschluss bilden, der bis 2015 das Millionenprojekt zwischen Waidhofen-Gstadt und Lunz umsetzen soll.

Für die Hollensteiner hat das Nein erhebliche Konsequenzen: Der 2,5 Meter breite, teilweise auf der aufgelassenen Bahnstrecke verlaufende Radweg wird im Gemeindegebiet, so wie es jetzt aussieht, nicht gebaut werden. Das Streckenband der Ybbstalbahn und die Bahnhofsgebäude gehen aber sehr wohl an den Verband über. Will die Kommune dort etwas ändern, bleibt ihr nichts anderes übrig, als bei den Nachbarorten anzuklopfen.

SPÖ-Bürgermeister Franz Gratzer musste nach dem geheimen Votum, das mit 11:8-Stimmen genau das Kräfteverhältnis zwischen SPÖ und ÖVP widerspiegelte, harsche Kritik seiner Amtskollegen einstecken. Am schärfsten formulierte sein Ybbstaler Kollege im Landtag, Anton Kasser (VP): „In Wahrheit hat die Region eine Riesenwatsche von Franz Gratzer bekommen, um nicht zu sagen, das war Hochverrat.“ Hollenstein habe sich mit diesem Beschluss ins Out gestellt und die touristische Entwicklung im gesamten Tal massiv gestört. Kasser: „Dass man eine solche Chance verspielt, dafür fehlen mir die Worte.“

Am Stefanitag legte Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka im NÖN-Gespräch nach: „Wenn Hollenstein ausschert, dann wird es das Gesamtprojekt nicht geben“, kündigte der hochrangige VP-Politiker an.

Gratzer: „Für Luxus  derzeit nichts über“

Franz Gratzer wehrt sich gegen diese Vorwürfe. In Zeiten allgemeiner Budgetnot gelte es zunächst, wichtigere Projekte im Tal anzupacken und sich erst dann einem „Luxus“ wie dem Radweg zu widmen: „Wir müssten die Verkehrssicherheit im Ofenloch verbessern, es braucht Hochwasserschutzmaßnahmen. Solche Investitionen beleben die heimische Wirtschaft ebenfalls.“

Zudem fehle ein touristisches Konzept, wie viele Gäste der Radweg tatsächlich ins Tal bringen würde: „So wie der Radweg jetzt am Tisch liegt, ist er ein reines politisches Konzept, das zur Geldvernichtung dient.“ Die Tür will Gratzer aber nicht endgültig zuschlagen: „Es ist noch nicht aller Tage Abend.“

Auf einen Umdenkprozess hoffen auch die designierten Verbandssprecher, die Bürgermeister Martin Ploderer (Lunz, VP) und Helmut Schagerl (St. Georgen am Reith, SP): „Das Thema Ybbstalradweg ist für das Tal so wichtig, dass Parteipolitik hier keinen Platz haben sollte.“

Vorerst steht den sechs Radweg-Gemeinden Waidhofen, Ybbsitz, Opponitz, Göstling, St. Georgen am Reith und Lunz allerdings eine Ochsentour bevor: Ihre mehrheitlich gefassten Beschlüsse sind nun hinfällig, Hollenstein muss aus den Statuten gestrichen werden und der Text nochmals in den Gemeinderäten abgesegnet werden.

Trotz Gegenwinds wollen Ploderer und Schagerl aufs Tempo drücken. Am 9. Jänner wird der „Verband der Sechs“ gegründet. In der Folge will dieser die Bahnstrecke so schnell wie möglich von der Landesverkehrsorganisationsgesellschaft NÖVOG übernehmen. Der Baustart für den Radweg ist für Mitte 2012 geplant. Dass der „weiße Fleck“ Hollenstein bis dahin integriert ist, gilt als unwahrscheinlich.