Erstellt am 08. Januar 2016, 05:43

von Leo Lugmayr

Nahversorger bei Bildung. Die Bildungsdiskussion wird den Schulen im ländlichen Bereich nicht gerecht, kritisieren Lehrervertreter Martin Traxler und Dietmar Nahringbauer im NÖN-Gespräch.

Martin Traxler (Zentralausschuss der Landeslehrer) und Personalvertreter Dietmar Nahringbauer (v.l.).  |  NOEN, Foto: NÖN

NÖN: Der angekündigte große Wurf bei der Schulreform vom 17. 11. ist ausgeblieben. Die Reformpapiere sind studiert: Wie beurteilen Sie die Reform aus Sicht regionaler Personalvertretung für Pflichtschullehrer?
Martin Traxler: Wenn über Schulpolitik, Schulentwicklung oder Schulreform gesprochen wird, dann meinen die Politiker und selbst ernannten Reformer stets die Schulen in den Städten und Ballungszentren. Was man stets übersieht, ist, dass unsere Rahmenbedingungen und unser Bildungsauftrag am Land ein differenziert
anderer ist.

Darauf ist die Schulreform überhaupt nicht eingegangen.
Dietmar Nahringbauer: Die meisten Schulen für Zehn- bis Fünfzehnjährige sind in den Städten angesiedelt, wo früher die Hauptschulen und nun die Neuen Mittelschulen oft zu Restschulen verkommen sind. Im Gegensatz dazu verstehen sich die Neuen Mittelschulen am Land als Bildungsnahversorger für alle Schüler einer Gemeinde, die für Schüler aller Begabten-niveaus und aller Leistungsspektren passende Förderangebote bieten und Lernen auf hohem Niveau möglich machen.

Was erwarten die Lehrer von ihrer Personalvertretung?
Traxler: Dass wir neben den gesetzlichen Aufgaben der Personalvertretung die Lehrer gegen unberechtigte Anfeindungen und Schlechtreden verteidigen. Und das tut hier not. Wer sehen will, was Neue Mittelschulen leisten, konnte sich bei den Tagen der offenen Tür vor Weihnachten davon überzeugen: Unsere Schulen im Mostviertel sind durch die Bank Top-Leistungsinstitute.

Was bringt also die Schulreform den Schulen im ländlichen Raum?
Traxler: Die Reform verschafft AHS wie Pflichtschulen mehr Spielraum, mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Bei meinen täglichen Besuchen an den Mittelschulstandorten im Mostviertel stelle ich fest: Hier wird mit großem Einsatz, Engagement und Zeitaufwand für eine zukunftsorientierte Bildung der Kinder gearbeitet. Ein Heer von engagierten Leuten arbeitet an den Pflichtschulen zum Wohle der Kinder bestens abgestimmt mit den Gemeinden und den Eltern. Also lassen wir uns doch dieses gute Bildungsangebot nicht kaputtreden!