Erstellt am 16. Juni 2016, 05:00

von Andreas Kössl

Ninika Schrey über ihr Auslandssemester. Die Waidhofner HAK-Schülerin Ninika Schrey über ihre Erlebnisse und Eindrücke von ihrem Auslandssemester in den USA.

Seit Jänner ist Ninika Schrey nun in den USA. In ihrem Blog auf ybbstal.nön.at berichtet sie wöchentlich von ihrem Aufenthalt.  |  NOEN, Schrey

Seit Jänner befindet sich die Waidhofner HAK-Schülerin Ninika Schrey in Helena im US-Bundesstaat Montana, um ein Auslandssemester an einer amerikanischen High School zu absolvieren.

Auf ybbstal.nön.at berichtet die 16-Jährige wöchentlich von ihren Erlebnissen und Eindrücken. Mittlerweile ist das Semester in Helena zu Ende und Ninika wird bald wieder die Heimreise antreten.

Im Gespräch mit der NÖN erzählt sie von ihrem halben Jahr in den Vereinigten Staaten.

NÖN: Wie gefällt es dir in den USA? Ist es so, wie du es dir vorgestellt hast?

Ninika Schrey:
Da ich schon vorher dreimal in den Vereinigten Staaten war, war es mein großer Wunsch für ein halbes Jahr hierher zu kommen. Mir gefällt es sehr gut, was ich mir auch schon im Vorhinein gedacht habe.

Ich kann es manchmal trotzdem noch nicht realisieren, dass ich hier bin. Ich habe mir aber vorher keine Vorstellungen gemacht, weil ich befürchtet habe, dass es dann nicht so wie in meinen Vorstellungen sein könnte.
 

Du lebst in Helena, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat-Montana? Wie sieht es dort aus. Gibt es Gemeinsamkeiten mit Waidhofen?

Ninika:
Helena ist eine kleine Stadt. Es gibt hier ungefähr 30.000 Einwohner. Die Straßen in der Nachbarschaft sind alle gleich angeordnet. Vergleichbar mit Waidhofen sind die Dörfer in der Umgebung. Auch hier gibt es Dörfer, die zu Helena gehören, wie etwa Montana City, Glancy oder East Helena.

Aber eigentlich ist alles sehr viel anders als in Österreich. Das Gras ist hier sehr ausgetrocknet und sieht wie Heu aus. Die Straßenschilder und die Ampeln sind auch nicht so wie in Österreich. Auch die Häuser sind sehr unterschiedlich. Manche Häuser sind ganz aus Stein, andere sehen aus wie kleine Burgen und Schlösser – und dann gibt es noch Häuser, die wie chinesische Tempel aussehen oder wie riesige Anwesen.

Obwohl die Landschaft mit Bergen, Wäldern und Wiesen sehr stark an Österreich erinnert, ist alles sehr viel größer. Und doch leben viel weniger Menschen hier. Die Geschichte von Helena beginnt 1864 mit der Besiedelung zu Zeiten des Goldrauschs. Waidhofen hingegen wurde bereits vor ungefähr 1.000 Jahren als besiedelt erwähnt.
 

Du hast in Helena die High School besucht. Wie hat da dein Schulalltag ausgeshen? Kann man sich das wie in den US-High-School-Filmen vorstellen?

Ninika:
Ja, es sieht, was die Hallen und Räumlichkeiten betrifft, so ziemlich wie in den Filmen aus. Ich habe einen eigenen Locker – Schließfach – und in allen Klassenräumen sind Stars-and-Stripes-Flaggen zu sehen. Aber die Leute sind anders als in den typisch amerikanischen High-School-Filmen.

Die Teenager hier sind sehr freundlich, hilfsbereit und ziemlich chillig. Jeder zieht sich so an, wie er es möchte. Mich hat am Morgen immer mein Gastbruder in die Schule gebracht, der dann mit meiner Gastschwester immer weiter in deren Schule gefahren ist. In de Schule bin ich zuerst gehe ich zuerst zu meinem Locker gegangen und habe einige Sachen in der Bibliothek erledigt oder ich bin mit meiner Freundin durch die Hallways gegangen.

Um 8.20 Uhr startet hier der Unterricht. Nach 50 Minuten ist die Stunde vorbei und man hat fünf Minuten, um den Raum zu wechseln. Wir haben hier sozusagen eine bewegte Schule, weil man immer zu einem anderen Raum gehen muss.

Nach der vierten Stunde gibt es eine 30-Minuten-Mittagspause – den Lunch.dabei können die Schüler ihre Zeit dort verbringen, wo sie wollen. Man darf den Schulcampus hier auch verlassen, was ziemlich praktisch ist, weil die meisten Schüler eigene Autos haben.
 

Wie ging es dir am Anfang mit dem Englisch-Sprechen bzw. dem Verstehen im Unterricht?

Ninika:
Ich habe gleich am Anfang alles sehr gut verstanden. Meine Befürchtung war, dass Amerikaner sehr schnell sprechen, was aber gar nicht stimmt. Am Anfang musste ich auch noch alles mitmachen, etwa Tests, die sich noch auf das erste Semester bezogen oder mündliche Präsentationen.

Später lief mein Unterricht aber genauso ab, wie bei allen anderen. Meiner Meinung nach ist mein Englisch okay. Ich habe zwar noch immer einen Akzent, aber einige Freunde haben mir gesagt, dass ich fließend Englisch sprechen würde.
 

Hast du gleich Freunde gefunden?

Ninika:
Gleich am zweiten Tag nach meiner Ankunft habe ich durch meine damaligen Gasteltern meine Nachbarn kennengelernt. Die Kinder gingen in meine Schule und sind gute Freunde von mir geworden. Auch in der Schule habe ich am ersten Tag schon viele Schüler kennengelernt, mit denen ich mich sehr gut verstanden habe und von denen ich mich mit einigen auch außerhalb der Schule getroffen habe.

Es kommen aber immer wieder neue Leute dazu, die zu meinen Freunden werden. Viele haben mich auch schon öfters zu ihren Familien eingeladen. Es ist schön, dass ich hier sehr schnell sehr viele nette Menschen kennengelernt habe.
 

Was wussten deine neuen Freunde über Österreich? Waren sie gut informiert?

Ninika:
Die meisten Amerikaner verbinden mit Österreich das Musical „Sound of Music“. Andere Leute, die ich getroffen habe, haben Österreich mit Australien verwechselt und wieder andere haben gedacht, dass Österreich ein Teil von Deutschland sei. Aber ich habe auch schon Amerikaner kennengelernt, die selbst schon nach Österreich gereist waren.

Manche Amerikaner wissen gar nichts von Österreich – zum Vergleich: Österreich ist von der Fläche her so groß wie der Lake Superior, ein See in den USA. Meistens sage ich dann, dass ich aus Deutschland und Österreich komme, was auch stimmt und besser zur Orientierung ist.
 

Sind Themen die Österreich zuletzt beschäftigt haben – wie etwa die Bundespräsidentenwahl – ein Thema in deinem Umfeld? Und wie präsent ist die amerikanische Präsidentschaftswahl?

Ninika:
Über Österreich läuft hier nichts in den Nachrichten. Ich habe im Jänner meinen 16. Geburtstag gefeiert und daher die Gelegenheit für meine erste österreichische Präsidentschaftswahl via Briefwahl genutzt. In meiner ‚American History‘-Gruppe habe ich außerdem in einem Referat das österreichische System der Wahlen zum Bundespräsidenten vorgestellt.

In den USA hat der Präsident viel mehr zu entscheiden und zu verantworten. Obwohl man hier erst ab 18 Jahren wählen darf, wissen die Teenager einiges über die amerikanische Präsidentenwahl.
 

Du hast nach einiger Zeit die Gastfamilie gewechselt. Ging dieser Wechsel problemlos über die Bühne und wie geht es dir in deiner neuen Gastfamilie?

Ninika:
Mir geht es sehr gut, es kann mir gar nicht besser gehen. Meine vorherige Gastmutter war oft nicht zufrieden und ich hab mich nicht wie ein Mitglied der Familie gefühlt.

Ich habe nach einigen Überlegungen und nachdem mir auch meine Familie und Freunde geraten hatten, zu wechseln, diesen Schritt gemacht. Ja, es ging alles von einer Minute auf die andere und dann war ich plötzlich in einer neuen Familie, und es war die richtige Entscheidung.
 

Wie schlimm war das Heimweh und was fehlt dir in Amerika ganz besonders?

Ninika:
Ich habe noch kein Heimweh gehabt. Dafür ist auch keine Zeit hier, weil ich einen sehr ausgefüllten Tag habe. Meine Familie und meine Freundinnen vermisse ich schon manchmal, aber es sind ja nur sechs Monate und wir sind auch über Handy und Skype in regelmäßigem Kontakt. Ansonsten fühle ich mich sehr wohl.
 

Woran könntest du dich gewöhnen – was es so bei uns in Österreich bzw. in Waidhofen nicht gibt?

Ninika:
Gwöhnen könnte ich mich an die Schule hier, die wirklich großartig ist. Man hat verschiedene Klassen mit verschiedenen Leuten, so kann man viel mehr Menschen kennenlernen. Außerdem könnte ich mich an die großen Fahrzeuge und das Fast Food gewöhnen.
 

Bist du schon viel herumgekommen und hast du schon viele Sehenswürdigkeiten gesehen? Was waren dabei die Highlights?

Ninika:
Sehenswürdigkeiten in Helena sind zum Beispiel das Civic Center, das Art Museum, die Kathedrale – welche übrigens nach dem Vorbild der Wiener Votivkirche gebaut wurde – und die gesamte Innenstadt. Mit meinen früheren Gasteltern besuchte ich im Winter den faszinierenden Yellowstone-Nationalpark.

In den Frühlingsferien sind wir nach Seattle, Forks und LaPush Beach – die Drehorte der berühmten ‚Twilight-Saga‘ –, Vancouver und Idaho gefahren. Meine Highlights waren auf jeden Fall Seattle und Vancouver. Nach dem Schulende ist nun noch der Grand Canyon dran.
 

Würdest du wieder ein Auslandssemester machen?

Ninika:
Ja, auf jeden Fall. Es bringt wirklich wahnsinnig viel. Ich weiß nicht, ob ich sehr viel besser in Englisch geworden bin, aber die Erfahrung und ein zweites Leben hier zu leben ist einfach unbeschreiblich.


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