Waidhofen an der Ybbs

Erstellt am 20. Juli 2016, 05:45

von Andreas Kössl

Waidhofner hatte Schutzengel. Philip Hofmacher (25) befand sich nur wenige Meter entfernt, als Bus Todesfahrt aufnahm.

Die Promenade des Anglais am Freitagnachmittag: Das Polizeiaufkommen ist enorm, überall befinden sich Absperrungen. Dazwischen wurden im Gedenken an die Opfer Blumen niedergelegt.  |  Hofmacher

Einen riesigen Schutzengel hatte Philip Hofmacher am Donnerstagabend. Der 25-jährige Waidhofner absolviert gerade ein Sommerprogramm an der European Innovation Academy (EIA) in Nizza. Seit etwa zwei Wochen befindet sich der Student der Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien gemeinsam mit einer etwa 80 bis 90 Personen umfassenden internationalen Studentengruppe in der südfranzösischen Stadt.

Als am Donnerstagabend bei den Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag der verheerende Anschlag auf der Promenade des Anglais in Nizza mindestens 84 Menschen das Leben kostete, befand sich Hofmacher gemeinsam mit anderen Studenten nur wenige Meter davon entfernt in einer Querstraße.

„Wir haben uns am Donnerstag natürlich auch das große Feuerwerk an der Promenade angeschaut. Schon während der Festlichkeiten zum Nationalfeiertag war viel Polizei und auch die Garde der Armee auf der Promenade unterwegs“, berichtete der 25-jährige Waidhofner am Freitag gegenüber der NÖN.

In Querstraße als Anschlag passierte

„Als es vorbei war, haben wir uns auf den Weg zurückgemacht. Da sich so viele Leute auf der Strandpromenade befanden und es uns zu langsam ging, sind wir in eine Querstraße abgebogen. Plötzlich haben wir Schreie und auch Schüsse gehört. Als wir zurück sind, herrschte Chaos. Wir haben geschaut, ob wir wo helfen können, aber es war schon überall die Rettung im Einsatz. Den weißen Lastwagen haben wir nicht mehr gesehen, aber die Leute liefen in Panik herum, Mütter mit Kinderwagen standen schreiend auf der Straße.“ Das ganze Ausmaß der Katas

trophe erfuhren Hofmacher und seine Studienkollegen erst später, als sie zurück im Quartier waren, aus den TV-Nachrichten: von dem weißen Lastwagen, der in Schlangenlinien durch die feiernde Menge raste, von den Schusssalven und den mindestens 84 Toten und den zahlreichen Schwerverletzten.

„Es herrschte Chaos. Die Leute liefen in Panik herum, Mütter mit Kinderwagen standen schreiend auf der Straße.“ Philip Hofmacher

Auch ein paar Studenten der European Innovation Academy dürften sich unter den Schwerverletzten befinden. Wie viele, das wollte Philip Hofmacher nicht sagen. Die Studenten seien gebeten worden, sich nicht dazu zu äußern. Von den rund zehn österreichischen Teilnehmern des internationalen außeruniversitären Sommerprogramms dürfte aber niemand darunter sein.

„Die Stimmung an der Academy ist natürlich gedrückt“, sagt der 25-jährige Waidhofner. „Mir geht es aber gut, andere Studenten sind emotional jedoch schon schwer angeschlagen.“

Der Waidhofner Philip Hofmacher (3.v.l. hinten) absolviert gerade ein internationales außeruniversitäres Sommerprogramm in Nizza. Als der verheerende Anschlag am Donnerstag passierte, war er nur wenige Meter entfernt.  |  Hofmacher

Das Programm an der European Innovation Academy wurde für die nächsten Tage ausgesetzt. „Uns wurde nahegelegt, in unserer Herberge zu bleiben“, berichtete Hofmacher. „Generell wurde dazu geraten, nicht in die Innenstadt oder zur Promenade zu gehen.“

Doch viele Menschen seien bereits am Freitag wieder unterwegs gewesen. Von den verheerenden Anschlägen sei an der Promenade des Anglais fast nichts mehr zu sehen gewesen. „An der Promenade befinden sich derzeit aber überall Blumen, die für die Opfer niedergelegt worden sind“, sagte Hofmacher. Den Studenten der EIA wurden Flüge nach Hause angeboten. Hofmacher möchte aber noch bis zum Ende der Woche in Nizza bleiben und das Programm fertig absolvieren. Sorgen mache er sich keine.

Zuhause im Ybbstal ist man erleichtert. Hofmacher ist der Stiefsohn von Amstettens Wirtschaftskammerobmann Reinhard Mösl. „Zum Glück ist ihm nichts passiert“, so Mösl gegenüber der NÖN.

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