Kematen an der Ybbs

Erstellt am 03. August 2016, 05:07

von Andreas Kössl

Juliana Günther: „Ideen gehören verwirklicht“. Kematens Bürgermeisterin Juliana Günther über Wohnen und Arbeitsplätze, den Umbau der Volksschule, Ortskernbelebung, Straßenbaumaßnahmen und Flüchtlinge.

Langweilig wird Bürgermeisterin Juliana Günther nicht. Das elfte Jahr ist Kematens Ortschefin nun im Amt. Für ihre Gemeinde hat sie noch viele Visionen. So soll etwa ein Schmankerlmarkt den Ort beleben.  |  NOEN, Gemeinde

NÖN: Frau Bürgermeister, mit Schulschluss haben die Umbauarbeiten bei der Volksschule Kematen begonnen. Was wird da umgesetzt?
Bürgermeisterin Juliana Günther: Kematen ist eine Wachstumsgemeinde und dafür müssen wir die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Es werden beim Schulumbau zwei zusätzliche Klassenräume errichtet und das Gebäude selbst wird barrierefrei gemacht. Außerdem haben wir hier seit 30 Jahren ungenützte Kellerräumlichkeiten, die zu einem Mehrzweck- und Bewegungsraum für unsere Vereine umgebaut werden. Das derzeitige Angebot mit nur einem Turnsaal stößt vor allem in der Winterzeit an seine Grenzen. Die Kematner bewegen sich gerne, daher ist es nötig und richtig, diesen Schritt zu setzten.

Wie sieht der Zeitplan für dieses Projekt aus?
Günther: Im ersten Teilabschnitt wird heuer der Kellerbereich saniert und das Foyer aufgestockt. Nächstes Jahr wird der vordere alte Teil des Gebäudes weggerissen und ein Neubau errichtet, da die Sanierung hier weitaus mehr Geld gekostet hätte. Der Neubau wird dann auch einen Lift beinhalten, um die notwendige Barrierefreiheit zu gewährleisten. Darüber hinaus investieren wir in eine neue Schulküche, da viele Kinder speziell in der Nachmittagsbetreuung versorgt werden müssen. 2019 soll der Um- und Ausbau dann abgeschlossen sein.

Bleiben wir bei der Jugend: In Kematen ist soeben mit großem Erfolg die Spiel- und Sportwoche zu Ende gegangen. Ihr Fazit?
Günther: Wir haben heuer wieder 160 Kinder eine Woche lang betreut und verpflegt. Das Angebot ist ja extrem vielfältig, weshalb wir eigentlich jedes Jahr einen neuen Teilnehmerrekord verzeichnen. Mit der Sportwoche bieten wir den Kindern eine Möglichkeit, abseits von Handy und Computerspielen die Freizeit sinnvoll mit Spiel, Spaß und Sport zu verbringen.

Sie haben es schon erwähnt: Kematen hat Zuzug. In welchem Bereich bewegt sich dieser Zuzug?
Günther: Zwischen drei und vier Prozent jährlich. Zum einen haben wir ein Arbeitsplatzangebot, das seinesgleichen in der Umgebung sucht. Zum anderen bietet unsere Infrastruktur alles für eine gute Lebensqualität.

Wie schaut es in dem Zusammenhang mit dem Wohnangebot aus?
Günther: Wir schaffen ständig neuen Wohnraum. Mehrere erst kürzlich errichtete Wohnungen sind nun beziehbar. Daneben haben wir in den letzten Jahren immer wieder in unser betreutes Wohnen investiert und entsprechend vorgesorgt, vor allem für ältere Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Um auch für die Zukunft gerüstet zu sein, haben wir im Ortszentrum 20 neue Baugründe geschaffen.

Über die letzten Jahre haben sich in Kematen mehrere, teils sehr große Firmen angesiedelt. Gibt es noch Betriebsflächen?
Günther: Wir haben es in den letzten Jahren geschafft, ca. 500 zusätzliche Arbeitsplätze nach Kematen zu holen. Das sind Rekordausmaße, an denen man aber auch permanent weiterarbeiten muss. Wir haben aber noch Betriebsgebiete, wo sich jemand ansiedeln könnte. Gegenüber der Firma Stöckl z.B. gibt es noch freie Flächen.

Kürzlich gab es in Kematen eine Infoveranstaltung zur Ortskernbelebung. Gibt es da schon konkrete Projekte, die umgesetzt werden sollen?
Günther: Ja, ab nächstem Frühjahr soll es einen Schmankerlmarkt geben, wo einmal wöchentlich regionale Produkte angeboten werden sollen.

Welche weiteren Ideen zur Ortskernbelebung gibt es?
Günther: Wir haben leider einige leer stehende Objekte, die wir natürlich gerne wieder belebt haben möchten. Ein neuer Drogeriemarkt in der ehemaligen Schlecker-Filiale wäre da ein großer Wunsch, aber auch ein Café wäre für das Ortszentrum sehr interessant. Daneben gibt es einige Ideen zur Ortskernbelebung, die aber einerseits finanzierbar sein müssen und andererseits wirklich den nötigen Impuls bringen sollten.

Demnächst wird mit dem Kreisverkehr auf der B 121 ein großes Projekt abgeschlossen.
Günther: Die B 121 ist eine sehr stark befahrene Straße, daher brauchen wir hier einen dementsprechend groß angelegten Kreisverkehr, um den Verkehrsfluss bestmöglich bewältigen zu können. Für diesen Kreisverkehr waren sehr lange und zum Teil schwierige Vorarbeiten notwendig.

Ist der vierspurige Ausbau der B 121 bis zu diesem Kreisverkehr noch immer ein Thema?
Günther: Aus heutiger Sicht wird das sicher noch Jahre dauern. Wir haben hier ein Natura-2000-Gebiet und deshalb ist das natürlich eine heikle Sache. Gespräche gibt es da und dort, aber es liegen gegenwärtig noch keine konkreten Planungen vor.

Zum Thema Flüchtlinge: Auch in Kematen sind Menschen auf der Flucht untergekommen. Unterstützung für sie gibt es mit dem Integrationsprojekt „Willkommen Mensch“. Wie läuft das?
Günther: Ein großes Danke sage ich allen Freiwilligen, die sich hier unterstützend einbringen. Es ist ganz wichtig, diese Menschen miteinzubeziehen, um sie schnellst- und bestmöglich zu integrieren. Der Erfolg einer Integration hängt von beiden Seiten ab. Wir können als Gemeinde helfen, dass diese Menschen einen geeigneten Wohnraum und Arbeit finden. Auf der anderen Seite unterstützt die Initiative „Willkommen Mensch“ die Flüchtlinge, um hier ein geordnetes Leben aufbauen zu können. Dazu gehört natürlich, die Sprache zu lernen, Arbeit zu finden und nach unseren Gesetzen zu leben. Ich hoffe sehr, dass uns das gemeinsam gelingen wird.