St. Georgen am Reith

Erstellt am 28. Juli 2016, 05:14

von Andreas Kössl

Schagerl: „Dorfcharakter ist gefragt“. St. Georgen/Reiths Bürgermeister Helmut Schagerl über den Ybbstalradweg, aktuelle Herausforderungen im Schul- und Kindergartenbereich, Wohnen und Flüchtlinge.

Bürgermeister Helmut Schagerl freut sich über das rege Vereinsleben St. Georgen/Reith und fordert im Flüchtlingswesen arbeitsrechtliche Reformen. Die Thematik werde aktuell bleiben, ist er überzeugt.  |  NOEN, Kössl

NÖN: Herr Bürgermeister, ein großes Projekt in der Gemeinde ist derzeit der Ybbstalradweg. Das Teilstück zwischen Lunz/See und St. Georgen/Reith wurde ja bereits eröffnet. Wie weit sind die restlichen Arbeiten im Gemeindegebiet?

Helmut Schagerl: Zwischen Kogelsbach und St. Georgen/Reith verläuft ein großer Teil der Strecke auf der bestehenden Landesstraße. Der Bereich zwischen der Kläranlage und der Gemeindegrenze zu Hollenstein verläuft dagegen auf kombinierten Rad- und Güterwegen oder wird als reiner Radweg errichtet. Hier ist der Unterbau abgeschlossen, die Asphaltierung ist für Anfang Oktober geplant.

Wie möchte man den Radweg in St. Georgen touristisch nutzen?

Schagerl: In der Gemeinde sind zwei Inszenierungsplätze geplant: einer beim Bahnhof St. Georgen/Reith und der zweite beim Bahnhof Kogelsbach.

Was ist da konkret geplant?

Schagerl: Im Bahnhof Kogelsbach wird derzeit ja ein Gastronomiebetrieb errichtet. Dieser ist in erster Linie auf den Radtourismus ausgelegt. Es wird einen Gastgarten und einen Spielplatz geben. Da erhoffen wir uns schon eine entsprechende Frequenz. Aber natürlich richtet sich dieser Gastronomiebetrieb auch an die Bevölkerung, da wir derzeit in Kogelsbach ein derartiges Angebot nicht haben.

Gibt es schon einen Pächter?

Schagerl: Wir werden die Pächtersuche im Herbst starten. Ziel ist es, nächstes Jahr im Juni den Gastronomiebetrieb zu starten.

Es gab hier ja auch Überlegungen, gemeinsam mit dem Gastronomiebetrieb einen Nahversorger zu installieren. Wird ein solches Angebot vom Pächter gefordert?

Schagerl: Nein, ein Einzelhandels- und ein Gastronomiebetrieb sind in diesem Objekt nicht optimal lösbar. Deshalb sind wir davon abgegangen, diese Forderung zu stellen. Wenn einer das freiwillig anbietet, kann er das natürlich gerne machen. Es ist aber kein Kriterium bei der Auswahl des Pächters.

Wie weit sind die Bauarbeiten beim Bahnhof Kogelsbach?

Schagerl: Derzeit ist der Innenausbau voll im Gange. Vom Bundesdenkmalamt haben wir die Genehmigung bekommen, die Fenster und die Außentüren neu zu errichten. Dadurch wird das Gebäude auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Außerdem haben wir Vorbereitungen für die Installation eines Breitbandinternets getroffen. Der Bahnhof wird zu einem Lokal mit kostenlosem WLAN-Zugang werden.

Was ist am zweiten Inszenierungspunkt geplant?

Schagerl: Beim Bahnhof St. Georgen/Reith werden die Radfahrer die Möglichkeit haben, zu rasten, ihre Trinkwasserflaschen wieder aufzufüllen oder in der Ybbs baden zu gehen.

Zusätzlichen Raum benötigen Kindergarten und Volksschule. Gibt es da schon eine Lösung?

Schagerl: Die Tendenz ist, den jetzigen Standort beizubehalten. Ein Planungsbüro erarbeitet hier gerade einen Vorschlag. Gleichzeitig wurde eine Arbeitsgruppe installiert, die sich mit dieser Thematik beschäftigt. Neben der Erweiterung muss das Gebäude ja auch generalsaniert werden. Erste Schätzkosten betragen an die 900.000 Euro. Das ist kein kleines Projekt.

Bedeutet der Platzbedarf bei Schule und Kindergarten, dass die Bevölkerungszahl steigt?

Schagerl: Im Schul- und Kindergartenbereich werden die Anforderungen immer größer – Stichwort Nachmittagsbetreuung. Auch wenn das in St. Georgen derzeit kein Thema ist, so wird es das in Zukunft werden. Sehr wohl ein Thema ist bei uns aber die Ferienbetreuung. Hier würde es auch Sinn machen, mit anderen Gemeinden zusammenzuarbeiten. Was die Bevölkerungsentwicklung betrifft, so hatten wir zuletzt kleine Einbrüche. Das hat damit zu tun, dass junge Leute ihre Ausbildung oft auswärts absolvieren und dadurch ihren Hauptwohnsitz verlegen. Am Wochenende kommen aber viele gerne nach Hause, weil wir hier gesellschaftlich sehr viel anbieten. Der dörfliche Charakter ist in der heutigen Zeit wieder gefragt.

Wie schaut es mit dem Wohnangebot in der Gemeinde aus?

Schagerl: Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir nun in Kogelsbach sieben Baugründe gegenüber dem Bahnhof anbieten können.

St. Georgen/Reith hat im Herbst 50 Flüchtlinge aufgenommen. Eine Arbeitsgruppe hat sich gebildet, die diese Menschen unterstützt. Wie läuft diese Initiative?

Schagerl: Hut ab vor den Freiwilligen, die sich hier einbringen. Das funktioniert wunderbar. Natürlich gibt es aber auch gewisse Abnützungserscheinungen, was auch daran liegt, dass man an Grenzen stößt. Manchmal möchte man mehr helfen, als dies aus gesetzlichen Gründen möglich ist, etwa wenn Asylwerber freiwillig Tätigkeiten wie Rasenmähen übernehmen möchten. Das ist zwar prinzipiell möglich, wenn man aber weiter ins Detail geht und fragt, wie das dann mit der Sozial- und der Krankenversicherung oder im Verletzungsfall aussieht, so ist da Handlungsbedarf gegeben. Faktum ist: Die Flüchtlinge werden uns in den nächsten Jahren weiterhin beschäftigen.

Wie ist derzeit die Zusammenarbeit im Gemeinderat?

Schagerl: Die Mehrheit der Beschlüsse im Gemeinderat erfolgt einstimmig, aber natürlich gibt es auch Auffassungsunterschiede zwischen der Opposition und der Mehrheitsfraktion. Im Grunde funktioniert die Zusammenarbeit aber gut und ich hoffe, dass das auch bis zu den nächsten Wahlen so bleibt.