Ybbsitz

Erstellt am 11. August 2016, 05:21

von Leo Lugmayr

Ybbsitzer Bürgermeister: „Ort hoher Lebensqualität“. Der Ybbsitzer Bürgermeister Josef Hofmarcher sprach mit der NÖN über Flüchtlinge, Klima- und Hochwasserschutz, das Haus des Lebens sowie die Zentrumsbelebung.

Bürgermeister Josef Hofmarcher sieht die Marktgemeinde Ybbsitz auf dem Weg zur Wohngemeinde mit hoher Lebensqualität.  |  NOEN, Lugmayr

NÖN: Herr Bürgermeister, die Medien können heuer nicht über ein Sommerloch klagen: Präsidentschaftswahl, Syrien-Krise, Flüchtlinge, Türkei und vieles mehr halten Journalisten und Bevölkerung in Atem. Wie ist die Lage in der Marktgemeinde zurzeit?

Josef Hofmarcher: Die Themen, die die Bevölkerung auch bei uns stark beschäftigen, sind genau die, die Sie genannt haben. Ich als Kommunalpolitiker würde mir wünschen, dass bei den heißen Themen mehr Besonnenheit an den Tag gelegt würde und nicht zusätzlich Öl ins Feuer gegossen wird. Beim Thema Flüchtlinge sind wir in der glücklichen Lage, dass wir im Bereich der Pfarre rund um Monika Bramauer eine Gruppe an Aktivisten haben, die mit Umsicht und großem Verständnis in aller Ruhe und verantwortungsvoll Enormes leistet. Bezüglich der Präsidentschaftswahl werden wir mit großem Bedacht bei der Aufstellung der Wahlkommission vorgehen. Wichtig ist, dass die Menschen sehen, dass es sich mehr um eine Richtungswahl als um eine Persönlichkeitswahl handelt.

Wo liegen die derzeit Schwerpunkte der Gemeinde arbeit?

Hofmarcher: Das Thema Hochwasserschutz ist die Nummer eins auf der Prioritätenliste. Kein Experte zweifelt heute noch daran, dass der Klimawandel vom Menschen verursacht wird. Ebenso ist das Fichtensterben durch Käferbefall nicht mehr zu übersehen oder zu leugnen, wo fast 60 Prozent unseres Gemeindegebiets bewaldet sind. Das Wetter spielt vermehrt verrückt. Gerade deswegen müssen wir nach einem Schutz im Falle eines hundertjährigen Hochwassers streben.

Wie steht es um die Planungen der Retentionsbecken?

Hofmarcher: Jetzt geht es darum, den Bau der beiden Rückhaltebecken mit linearen Baumaßnahmen vor allem vom Nothberg bis zur Einmündung des Nothbachs in die Schwarze Ois zu verbinden. Unsere Herausforderung ist es, das Projekt mit dem Prollingbach noch heuer zur Einreichung zu bringen. Es liegt aber eine große Chance darin, die Baumaßnahmen mit einer Verbesserung und Erneuerung der Infrastruktur in Zusammenarbeit mit der Post, der EVN, der NÖ Straßenbauabteilung und der Breitbandverlegung bis in die Prolling hinein zu verbinden.

Wie gedeihen die Verhandlungen an der Schwarzen Ois?

Hofmarcher: Hier ist die Situation ungleich schwieriger, und die Verhandlungen mit den Anrainern müssen in den kommenden Monaten weiter intensiviert werden.

Was geschieht in Ybbsitz aktiv zum Klimaschutz?

Hofmarcher: Wir setzen auf verstärkte Nutzung erneuerbarer Energie. Zusätzlich zu den Fotovoltaikanlagen auf Kindergarten, Mittelschule, Altstoffzentrum und auf Freiflächen wird das Nahwärmenetz stetig erweitert. Zusammen mit dem Wasserkraftwerk Steinhauser wollen wir künftig möglichst alle Gemeindeeinrichtungen selber mit Strom versorgen. Weiters wollen wir im Ortszentrum eine öffentliche Elektrotankstelle errichten.

Das Haus des Lebens steht vor der Fertigstellung. Wann ist die Schlüsselübergabe?

Hofmarcher: Es sind 50 Prozent der Wohnungen fix vergeben, am 1. September werden die Schlüssel überreicht. Es ist schön, dass der Bau eine gelungene Durchfahrtsstraße von der Bäckerei Molterer zum Musikheim ergeben hat. Hier entstand ein neuer, zentrumsnaher Begegnungsort.

Wird damit auch der Platz zwischen dem Haus des Lebens und Musikheim neu gestaltet?

Hofmarcher: Dort wird noch an einem Konzept für die Einrichtung eines Behindertenparkplatzes und zusätzlicher Stellflächen für die Benützer des Musikheims gefeilt. Radabstellflächen für die Mittelschüler werden in diesem Bereich auch kommen. Spannend ist die Überlegung, ob nicht der Vorplatz zum Musikheim besser mit dem Kirchenplatz zu einem gemeinsamen Raum verbunden werden kann.

Wie sind Sie mit den Einrichtungen des öffentlichen Verkehrs zufrieden?

Hofmarcher: Die Anbindungen Richtung Waidhofen und Amstetten und Scheibbs funktionieren gut. Wir haben gerade eine weitere neue Haltestelle für die Mostviertellinie im Bereich Zehetmühle geschaffen.

Wo sehen Sie die Schwerpunkte der Gemeindearbeit aus der Sicht eines Bürgermeisters einer Abwanderungsgemeinde?

Hofmarcher: Ybbsitz entwickelt sich zur Wohngemeinde mit hoher Lebensqualität, dank innovativer Firmen mit guter Arbeitsplatzsituation, gediegenen Bildungsstätten und einer gesunden Vereinsstruktur. Für Hausbauinteressierte haben wir gerade wieder vier Bauparzellen in Gurhof baureif gemacht. Wichtig ist es aber auch, den Siedlungsraum zu verdichten und die anfallenden Leerstände zu nützen.