Waidhofen an der Ybbs

Erstellt am 20. Juli 2016, 05:09

von Andreas Kössl

„Menschen sind größtes Kapital einer Stadt“. Waidhofens Bürgermeister Werner Krammer über laufende und anstehende Projekte, neue Preise und die Gemeinderatswahl 2017.

Insgesamt zehn neue Reihenhäuser sollen hier im Ortsteil Zell in der Ferdinand-Andri Straße errichtet werden. Der erste Block wird sechs, der zweite vier Reihenhäuser enthalten. Der Stadt ist es gelungen, diesbezügliche Verhandlungen mit einer Wohnbaugesellschaft positiv abzuschließen.  |  NOEN, Kössl

NÖN: Herr Bürgermeister, mit dem KinderUNIversum ging in Waidhofen soeben ein neues Ferienangebot für Kinder über die Bühne. Wie wurde dieses Angebot angenommen?

Bürgermeister Werner Krammer: Ich bin sehr zufrieden. Wir hatten 175 Kinder, die in zirka 50 Kursen zwei Tage lang in den unterschiedlichsten Bereichen die Möglichkeit hatten, sich Wissen ein bisschen anders anzueignen – und das in der ersten Ferienwoche. Manche Kinder haben gemeint: „Schade, dass es schon vorbei ist.“ Das bestärkt uns darin, dass wir dieses Projekt auf mindestens drei Jahre aufgesetzt haben. Außerdem wollen wir das Projekt nächstes Jahr auf drei Tage ausdehnen.

Bleiben wir bei den Kindern: Ab nächstem Schuljahr beginnt der Unterricht an allen Waidhofner Volksschulen um 8 Uhr. Soll der Unterrichtsbeginn auch an allen anderen Waidhofner Schulen nach hinten verschoben werden?

Krammer: Wir haben vor etwa einem Jahr damit begonnen, dieses Thema zu diskutieren, weil klar war, dass es vor allem bei den Volksschulkindern Sinn macht, den Schulbeginn auf 8 Uhr zurückzuverlegen. Das hat mit Leistungskurven zu tun und damit, dass die Kinder bei uns oftmals einen weiten Anreiseweg haben. Wir haben aber auch klargestellt, dass jede Schule das für sich entscheiden muss. Bei den höheren Schulen ist sicher, die haben Autonomie. Bei den Neuen Mittelschulen und dem Polytechnikum haben wir das ganz offen diskutiert und akzeptiert, dass sie noch nicht mitmachen wollen. Ich denke, wir werden in diesem Jahr Erfahrungen sammeln, und uns dann nochmals zusammensetzen und anschauen, ob es nicht generell sinnvoll wäre, das entsprechend anzupassen.

Insgesamt zehn neue Reihenhäuser sollen hier im Ortsteil Zell in der Ferdinand-Andri Straße errichtet werden. Der erste Block wird sechs, der zweite vier Reihenhäuser enthalten. Der Stadt ist es gelungen, diesbezügliche Verhandlungen mit einer Wohnbau gesellschaft positiv abzuschließen.  |  NOEN, Kössl

Im Frühjahr wird der Waidhofner Gemeinderat neu gewählt. Wie sehr zeichnet sich das schon in der fraktionellen Zusammenarbeit ab? Zuletzt gab es im Gemeinderat zum Rechnungsabschluss 2015 ja wieder eine heftig geführte Diskussion.

Krammer: Der Rechnungsabschluss ist für mich nur die Darstellung dessen, wie wir das Budget 2015 vollzogen haben. Da sieht man, dass – wenn man die eine Million an Grundstücksverkäufen weggibt – wir das Budget durch Minderausgaben und Mehreinnahmen um etwa 600.000 Euro verbessern konnten. Das allein ist schon mal eine erfreuliche Sache. Es hat gezeigt, dass, wenn man einen Haushalt konsequent kon trolliert, Verbesserungen möglich sind. Dass die Opposition diese Gelegenheit wahrnimmt, und wieder auf dieselben Punkte hinweist wie bei der Budgeterstellung, war voraus zu sehen. Diejenigen aber, die das Budget beschlossen haben, tragen auch den Rechnungsabschluss mit. Wenn man da eine andere Sichtweise an den Tag legt, mag das legitim sein. Mir ist wichtig, dass man bei aller Nervosität oder bei allem Herumschielen auf einen Gemeinderatswahltermin 2017 trotzdem die Sachlichkeit nicht aus den Augen lässt.

Wie sehr ist die Gemeinderatswahl für die WVP schon Thema?

Krammer: Wenn man sich das Programm, das wir im Frühjahr abgearbeitet haben, und jenes, dass wir im Herbst noch vor uns haben, anschaut, dann zeigt sich deutlich, dass die Sacharbeit im Vordergrund steht. Ich denke, wenn die Gemeinderatswahl 2017 da ist, werden die Waidhofnerinnen und Waidhofner beurteilen, wer wirklich zukunftsfähige Konzepte für die Stadt hat und tatsächlich daran arbeitet, sie auch umzusetzen.

Jetzt steht im Herbst mit der Wiederholung der Stichwahl der Bundespräsidentenwahl noch eine Wahl vor der Tür. Kommt das im Zusammenhang mit der Gemeinderatswahl ungelegen?

Krammer: Nein, das ist noch so weit davon entfernt. Was diese Wahlwiederholung betrifft, so haben sich bei der Stichwahl viele Menschen eindeutig deklariert. Der Verfassungsgerichtshof hat festgestellt, dass es formal Unregelmäßigkeiten gegeben hat, aber keinerlei Manipulationen. Nun wird man diese Wahl ganz pragmatisch nochmals durchführen. Ich hoffe, dass die Leute das ähnlich sehen und sagen: „Gut, dann machen wir das noch einmal.“

Gibt es von Ihrer Seite nun eine Wahlempfehlung?

Krammer: Das möchte ich mir noch offen halten.

Sie haben vorhin die anstehenden Projekte im Herbst erwähnt. Welche sind das?

Krammer: Wir haben schon im Frühjahr einiges auf die Reihe gebracht. Egal ob das jetzt in der Innenstadt das Wohnprojekt in der Hintergasse oder der Umbau der Raiffeisenbank ist – beides gelingt wirklich hervorragend. Wir haben mit der Aufschließung der Schatzöd begonnen. Die drei Althäuser am Bene-Areal auf der Zell wachsen. Diese Projekte werden im Herbst teilweise schon ihren Abschluss finden. Die Raiffeisenbank soll bezugsfähig werden, und in der Schatzöd wollen wir im Herbst so weit sein, dass die Gründe verkauft werden können. Darüber hinaus wird im Herbst eine Wohnanlage auf der Zell fertiggestellt, und es ist uns gelungen, dass ein Wohnbauträger wieder Reihenhäuser auf der Zell errichten wird. Zehn Häuser zu einem sehr attraktiven Preis sollen da entstehen. Was noch kommen wird im Herbst, ist die Breitbandoffensive.

Bleiben wir noch beim Thema Wohnen: Bei der Diskussion zum Rechnungsabschluss waren auch die Baugründe Am Moos wieder ein Thema. Da hält sich trotz der Beauftragung von Immobilienmaklern der Verkauf nach wie vor in Grenzen. Warum?

Krammer. Wir werden uns demnächst mit den Maklern wieder zusammensetzen und darüber diskutieren, woran das liegt. Ich mache mir aber grundsätzlich wenig Sorgen. Mit den Grundstücken, die bereits verkauft wurden, sind die wesentlichen Infrastrukturmaßnahmen abgedeckt. Somit sind diese Gründe eine wertvolle Reserve für die Stadt. Diese Reserve haben wir in den nächsten mittelfristigen Finanzplänen gar nicht mehr so stark berücksichtigt.

Es herrscht also rege Bautätigkeit in der Stadt. Macht sich diese letztlich auch in der Bevölkerungszahl bemerkbar?

Krammer: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass Waidhofen wieder wachsen soll. Im vergangenen Jahr haben wir die Zahl der Hauptwohnsitzer um 80 steigern können. In den Jahren davor ist diese Zahl kontinuierlich gesunken, seit 2005 im Schnitt jährlich um 50. Der Trend ist also durchaus sehr erfreulich.

Ein Projekt, das nach wie vor in den Startlöchern scharrt, ist das Sicherheitszentrum. Dieses wurde ja nun auf zwei Bauvorhaben gesplittet: zum einen das Sicherheitszentrum für Polizei und Feuerwehr, zum anderen das Wohnprojekt mit den Lebenshilfe-Einheiten. Wie weit ist man da?

Krammer: Das Sicherheitszen trum ist mittlerweile wieder auf einem soliden Weg. Der letzte Knackpunkt ist die Finanzierung, die gerade gesichert wird. Die nächsten Schritte sollen noch diese Woche mit der Wohnbaugesellschaft geklärt werden.

Wann könnte der Baustart sein?

Krammer: Wir streben Anfang Oktober an, das erscheint uns realistisch.

Und wie weit ist das zweite Projekt?

Krammer: Das hält man hinten an. Jetzt muss einmal das Sicherheitszentrum auf Schiene sein, dann geht man das an.

In der letzten Gemeinderatssitzung gab es einen Beschluss zur Barrierefreimachung des Bezirksgerichts Waidhofen. Dieses gibt es ja nur mehr als Außenstelle. Mittelfristig soll es in Amstetten eingegliedert werden. Ist hier schon ein Zeitpunkt absehbar?

Krammer: Nachdem bis jetzt noch keine endgültige Richtungsentscheidung getroffen wurde, haben wir uns dazu entschlossen, die Initiative zu übernehmen und das Gebäude in dem Bereich, wo das Bezirksgericht jetzt untergebracht ist, barrierefrei zu machen. Das ist ein sehr überschaubarer Eingriff, sowohl was die baulichen Maßnahmen als auch was den finanziellen Umfang betrifft. Herzstück der Maßnahme ist ein Lift, der bis in das derzeit noch völlig ungenutzte Dachgeschoss hinaufreichen soll. Damit haben wir das gesamte Gebäude – was auch immer damit passiert – barrierefrei erschlossen. Wenn wir so einen Beitrag dazu leisten können, dass man sich doch entschließt, das Gericht in Waidhofen zu belassen, so freut uns das. Sollte es nicht so sein, ist das dennoch eine Investition für die Zukunft.

Waidhofen vergibt künftig einen Sozial- und einen Zukunftspreis. Was war die Intention dafür?

Krammer: Das größte Kapital einer Stadt sind die Menschen. Eine Stadt kann nur so gut sein, wie die Gesellschaft, die ihren Teil dazu leistet. Mit diesen zwei Preisen wollen wir zusätzlich zu den Kategorien Kultur und Sport herausragende Leistungen in den Bereichen Innovation und Miteinander vor den Vorhang holen und ein Zeichen der Wertschätzung setzen. Diese Preise wollen wir dann in einer gemeinsamen Gala vergeben.

Bleibt bei all diesen vielen Vorhaben und Projekten für Sie auch noch Zeit, Urlaub zu machen?

Krammer: Ja, Gott sei Dank. Ich freue mich jetzt auch schon wirklich auf ein bisschen Auszeit mit meiner Familie. Wir werden heuer wieder mit einem Wohnwagen reisen. Das machen wir jetzt schon zum vierten Mal. Heuer geht es nach Italien. Das wird eine ganz gemütliche Sache, denn im Wohnwagen kommt man nicht aus. Das bietet die Gelegenheit, dass man wieder intensiver kommuniziert und Spaß als Familie hat.