Erstellt am 06. April 2016, 06:04

von Andreas Kössl

Notarztwagen ist Geschichte. Notfallmedizinische Versorgung beim Roten Kreuz Waidhofen seit Montag mit neuem System.

Seit Montag im Ybbstal im Einsatz: Notarzt Klaus Katzensteiner, Rotkreuz-Bezirksgeschäftsführer Wolfgang Frühwirt, Thomas Frühwirt und Bezirksstellenleiter Andreas Hanger (v.l.) mit dem neuen Notarzteinsatzfahrzeug.  |  NOEN, Kössl
Das NÖ Rettungswesen wird derzeit auf gänzlich neue Beine gestellt. Bis Ende des Jahres werden beim Roten Kreuz in ganz Niederösterreich die Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) die bisherigen Notarztwägen (NAW) ersetzen. Das ist eine Vorgabe des Landes, das für das Notarztwesen zuständig ist. Im Bezirk Waidhofen erfolgte die Umstellung gemeinsam mit dem Bezirk Scheibbs am Montag dieser Woche. Das Notarztwagensystem, wie es seit Beginn der 1990er-Jahre betrieben wurde, ist damit im Ybbstal Geschichte.

Während bisher bei Notfällen ein Notarztwagen zum Einsatzort geschickt wurde, rückt seit Montag ein Notarzteinsatzfahrzeug vom Rotkreuz-Stützpunkt Waidhofen aus. Statt dem Notarzt und zwei Notfallsanitätern im NAW kommen nun der Notarzt und ein Notfallsanitäter mit einem leistungsstarken, mit medizinischen Geräten ausgerüsteten VW Passat als erstes zum Patienten.

Rettungsdienst stärker eingebunden

Für den Transport zum Krankenhaus wird dann ein Rettungswagen nachalarmiert. Nach der Erstversorgung durch den Notarzt entscheidet dieser, ob er den Patienten im Rettungswagen auf dem Weg ins Krankenhaus begleitet oder nicht. Durch diese Änderung wird künftig der gesamte Rettungsdienst in die Notfallversorgung stärker als bisher eingebunden. Entsprechende Schulungsmaßnahmen waren dafür im letzten Jahr notwendig.

Für die Mitarbeiter sei dies freilich eine große Herausforderung, sagt der Geschäftsführer der Rotkreuz-Bezirksstelle Waidhofen Wolfgang Frühwirt.

Frühwirt war Anfang der 90er-Jahre an der Einführung des NAW-Systems in NÖ federführend beteiligt. Seit damals habe sich aber viel in der Ausbildung getan, so der Rotkreuz-Chef. Die heutige Ausbildung zum Rettungs- und Notfallsanitäter erfolge auf extrem hohen Niveau. Sowohl Rettungs- als auch Notfallsanitäter seien top-ausgebildet. Gleichzeitig habe sich in der Entwicklung der technischen Gerätschaften einiges getan, so Frühwirt weiter. Im Unterschied zu damals könne ein Rettungswagen nun jene Gerätschaften mitführen, mit denen ein Notarztwagen bisher bestückt war.

Erste Revolution im Rettungsdienst

„Die Einführung des Notarztwesens war die erste Revolution im Rettungsdienst“, sagt Frühwirt. „Mit der Umstellung von NAW auf NEF haben wir nun die zweite Revolution.“

Neben Frühwirt war auch der Waidhofner Notarzt Klaus Katzensteiner ein Pionier in Sachen Notartversorgung. Der ärztliche Direktor des Unfallkrankenhauses Linz ist Bezirksstellenleiter-Stellvertreter beim Roten Kreuz Waidhofen. „Der Notfallpatient ist weiterhin in guten Händen“, sagt er. „An der hohen Qualität der medizinischen Versorgung ändert sich nichts.“ Auch auf notärztlicher Seite sei in den letzten 25 Jahren enorm viel passiert, so Katzensteiner. Die Qualität der Ausbildung sei gestiegen und die medizinische Technik habe sich stark verbessert.

Eine Herausforderung war die Systemänderung auch für Thomas Frühwirt, der beim Roten Kreuz Waidhofen für den Rettungsdienst zuständig ist. Seine Aufgabe war es, den Dienstplan umzustellen. Von den rund 40 Notfallsanitätern, die bisher ihren Dienst auf der Rotkreuz-Dienststelle Waidhofen versahen, wurden 21 zu NEF-Sanitätern ausgebildet.

Beste Systeme in Europa

„Unsere Rettungsdienstlandschaft und unser Notarztsystem gehören zu den besten Systemen im gesamteuropäischen Raum“, ist Bezirksstellenleiter Andreas Hanger überzeugt. Waidhofen sei dabei eine Vorzeigedienststelle. Die Umstellung auf NEF sei eine große Herausforderung gewesen. Der Rettungsdienst werde dadurch aber insgesamt aufgewertet.

Gegen 18.30 Uhr rückte das neue Notarzteinsatzfahrzeug des Roten Kreuzes Waidhofen am Montag zu seinem ersten Einsatz aus, ein zweiter Einsatz folgte kurz nach 21 Uhr. „Dabei hat alles einwandfrei geklappt“, sagt Rotkreuz-Chef Frühwirt. „Die guten Vorbereitungsarbeiten haben sich gelohnt.“

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