Erstellt am 13. Oktober 2015, 08:19

von Doris Schleifer-Höderl

Nur von Hand geformt. Josef Wieser fertigt Keramiken ausschließlich aus heimischen Materialien, verzichtet bewusst auf Gussformen und arbeitet nur mit seinen Händen.

 |  NOEN, zVg

Bereits als Neunjähriger hat der gebürtige Allhartsberger Josef Wieser begonnen, keramisch zu arbeiten.

In der unmittelbaren Umgebung des elterlichen Bauernhofes begann er, Lehm auszugraben und Gefäße daraus zu formen. „Daraufhin wählte ich auch meinen Lehrberuf und ließ mich in einem Amstettner Hafnerbetrieb zum Hafner und Keramiker ausbilden“, berichtet der kreative Mostviertler den NÖN.

Seit 1999 lebt Wieser, der sich als Naturlehmkeramiker bezeichnet, in Waidhofen und betreibt seit 2005 seine eigene Werkstätte in der Unterzellerstraße 78.

„Ich bin immer wieder mit Schaufel, Spaten und Scheibtruhe unterwegs und grabe nach Tonen und Lehmen. Meist werde ich in Allhartsberg, Waidhofen sowie im südlichen und nördlichen Waldviertel fündig. Dann siebe ich sie, bereite sie auf und stelle daraus meine Drehmassen her. Mittlerweile habe ich zwanzig verschiedene Massen entwickelt, deren genaue Zusammensetzung ich natürlich nicht verrate.“ Handelsübliche Massen kommen Wieser nicht auf die Drehscheibe.

„Mit den Händen formen ist etwas Einzigartiges“

Die Vielfältigkeit des Materials, je nach Fundstelle und Lagerstätte, machen für den Naturlehmkeramiker seit jeher die Faszination aus. „Auch das Formen mit den Händen ist für mich etwas Einzigartiges. In jeder Phase der Arbeit wortwörtlich begreifen zu können, ist wunderschön.

Als Keramiker formt Josef Wieser Kacheln und versieht sie mit einer ausschließlich aus Naturstoffen bestehenden Glasur nach der Expertise des Hafners, der den Ofen später auch setzt. Zudem fertigt der 46-Jährige freigedrehtes Steinzeug – auf der Töpferscheibe geformte Gefäße – sowie Porzellan. Seine fünf Brennöfen – zwei Elektroöfen, zwei Outdoor-Öfen, die mit Holz befeuert werden, sowie ein Gasbrennofen – sind das ganze Jahr über in Betrieb.

Von Wien bis Salzburg finden sich Kunden, die die Erzeugnisse des Mostviertels schätzen. „Ich verwende keine Gussformen, sondern forme ausschließlich von Hand.“ Auch die Porzellanmasse stellt Wieser, der nur mit heimischen Rohstoffen arbeitet, selbst her. Er nutzt den Feldspat aus dem Waldviertel sowie Kalksande aus dem Ybbstal und stellt daraus Glasuren her. „Ich experimentiere gerne und schätze Naturmaterialien ungemein. Denn sie sind viel lebendiger als alles, was an keramischen Massen im Fachhandel angeboten wird, wo bewusst alle Begleitmineralien als Verschmutzung angesehen und entfernt werden. Aber gerade die Gesteinsverwitterungsreste im Naturlehm schaffen erst den individuellen Charakter der fertig gebrannten Ware.“