Erstellt am 16. März 2016, 05:54

von Andreas Kössl

ÖVP-Teilbezirksobmann: „Das ist eine Familie“. ÖVP-Teilbezirksobmann Mario Wührer über sein Amt, die Notwendigkeit an die Basis zu gehen, die bündische Struktur der ÖVP und die Gemeinderatswahl in Waidhofen.

»Ein jeder weiß, aus welchem Stall ich bin«, sagt der neue Waidhofner ÖVP-Teilbezirksobmann Mario Wührer über die bündische Struktur der ÖVP. Dennoch komme er mit allen gut aus und habe keine Berührungsängste.  |  NOEN, Kössl

NÖN: Herr Wührer, Sie sind seit Kurzem neuer ÖVP-Obmann des Teilbezirks Waidhofen. Für welches Gebiet sind Sie da zuständig und was sind die Aufgaben eines Teilbezirksobmanns?
Mario Wührer: Ich hab diese Funktion von Andreas Hanger übernommen, der neuer Bezirksparteiobmann wurde. Der Bezirk Amstetten ist in vier ÖVP-Teilbezirke unterteilt, die den alten Gerichtsbezirken entsprechen: Amstetten, St. Peter/Au, Haag und Waidhofen. Der Teilbezirk Waidhofen umfasst die Gemeinden Allhartsberg, Kematen, Sonntagberg, Ybbsitz, Opponitz, Hollenstein und St. Georgen/Reith sowie die Stadt Waidhofen. Die vier ÖVP-Teilbezirksobmänner sind auch im Präsidium der Bezirkspartei. Alle zwei Monate kommen wir mit den Obleuten der Bünde zusammen, um die Stimmung, die in den einzelnen Gemeinden herrscht, der Bezirkspartei und in weiterer Folge der Landespartei weiterzugeben.

Sie haben in einer ersten Stellungnahme nach der Amtsübernahme bekannt gegeben, die einzelnen Gemeinden des Teilbezirks besuchen zu wollen, um so die Stimmung vor Ort einzufangen.
Wührer: Genau, diese Woche schon bin ich in Allhartsberg. Ich möchte da wirklich eine Stimmungsrunde machen, das Ganze dann bündeln und an das Land weitergeben. Mir ist wichtig, dass man die Dinge von der Basis weitergibt. Mir kommt des Öfteren vor, als würden die hochrangigen Politiker, egal welcher Couleur, die Stammtischgeschichten gar nicht mehr hören. Das ist aber schon wichtig, weil wenn das nicht mehr funktioniert, dann geht es irgendwann nicht mehr. Darum heißt es, zurück an die Basis. Und wo ist die Basis? In den Gemeinden!

"Der Wirtschaftsstandort Waidhofen ist
da eine ganz wichtige Drehscheibe"

Wo drückt momentan ganz besonders der Schuh?
Wührer: Die Situation derzeit ist keine einfache. Wir haben die Flüchtlingsproblematik, die uns alle betrifft. Wir haben die Pro-bleme in der Landwirtschaft, wo sich die Frage stellt, wie es da jetzt weitergeht und natürlich die wirtschaftliche Situation. Der Wirtschaftsstandort Waidhofen ist da eine ganz wichtige Drehscheibe. Wenn die nicht funktioniert, stirbt das hintere Ybbstal. Aber es gibt da schon viele gute Ansätze, wie etwa mit dem alten Bene-Areal auf der Zell. Dennoch müssen wir schauen, dass wir da auch wieder Gründe bekommen.

Sie übernehmen einen ÖVP-Teilbezirk, der sehr gut aufgestellt ist. Wenn man die Ergebnisse der letztjährigen Gemeinderatswahl betrachtet, hat die ÖVP in fast allen Gemeinden gewonnen.
Wührer: Wir haben das Glück, auch in den Gemeinden, wo es keine ÖVP-Mehrheit gibt, gute Leute zu haben – wie in St. Georgen/Reith, wo wir mit Josef Pöchhacker einen neuen Obmann haben, der zieht, oder in Hollenstein, wo es eine engagierte junge Partei gibt. Die müssen aber auch spüren, dass sie ernst genommen werden und ihre Anliegen auch weitergeben können. Wenn ich mir die anderen Gemeinden anschaue, sind die eh hervorragend aufgestellt. Das zeigt der Wahlerfolg, wie etwa in Sonntagberg, wo Bürgermeister Thomas Raidl ein traumhaftes Ergebnis eingefahren hat.

"Jetzt heißt es aber noch ein Jahr brav arbeiten"

In Waidhofen, wo Sie ÖVP-Vizebürgermeister sind, wird nächstes Jahr der Gemeinderat neu gewählt. Was erwarten Sie sich?
Wührer: Grundsätzlich macht Bürgermeister Werner Krammer seine Arbeit sehr gut. Der Stil ist ein anderer geworden, es gibt ein Miteinander, auch wenn Andere das infrage stellen. Ich habe die Interview-Serie mit den Waidhofner Parteiobmännern in der NÖN gelesen. Das ist nicht alles ganz die Realität, was da so gesagt wurde – wenn etwa die SPÖ die Personalpolitik ankreidet, stimmt das unter dem Strich nicht. Das hat mich wirklich geärgert. Da wird ein falsches Bild an die Bevölkerung weitergegeben.

Aber das ist Wahlkampf, der fängt schon an und da will man den Bürgermeister anpatzen. Das ist einfach nicht in Ordnung, denn auch wenn schon Wahlkampf ist, sollte man trotzdem über der Gürtellinie bleiben. Schließlich gibt es immer einen Tag nach der Wahl und wie immer die Wahl ausgeht, muss man dann wieder zusammenarbeiten. Was meine Erwartungen für den Wahlausgang betrifft, so hat der Wähler immer recht. Aber natürlich hoffen wir, dass die ÖVP ein gutes Ergebnis einfährt. Jetzt heißt es aber noch ein Jahr brav arbeiten.

Wie geht es Ihnen als Teilbezirksobmann mit der bündischen Struktur der ÖVP? Sicher ist es oft nicht leicht, diese sechs Bünde und damit verbunden unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bekommen.
Wührer: Ein jeder weiß, aus welchem Stall ich komme – ich bin vom Bauernbund, das streite ich nicht ab. Ich glaube aber auch, dass ich als Vizebürgermeister im letzten Jahr bewiesen habe, dass ich mit allen gut kann und überhaupt keine Berührungsängste habe. In der ÖVP gibt es aber diese sechs Bünde, die man unter einen Hut bringen muss. Das ist eine Familie. Die haben vielleicht unterschiedliche Meinungen, dennoch muss man nach außen hin einen Weg gehen. Da müssen alle sechs an einem Strang ziehen.

Zum Abschluss: Wemwerden Sie bei der Bundespräsidentenwahl Ihre Stimme geben?
Wührer: Andreas Khol, der hat sich als Nationalratspräsident bewiesen, kennt sich international aus und ist Verfassungsjurist. Außerdem kennt er das Wiener Parkett und das ist rutschig. Aber Andreas Khol rutscht da sicher nicht gleich aus.