Erstellt am 15. Juni 2016, 04:00

von Andreas Kössl

Polit-Streit um Brücken-Sperre. SPÖ-Stadtrat Beyer bekrittelt in Offenem Brief an den Bürgermeister mangelnden Informationsfluss. WVP-Mandatare über Kritik verwundert bzw. verärgert.

Seit Montag ist die Zeller Hochbrücke für den Verkehr gesperrt. Nun folgt ein politischer Schlagabtausch zwischen SPÖ und WVP zu der Thematik.  |  NOEN, Kössl

Seit Montag ist die Zeller Hochbrücke wegen Sanierungsarbeiten gesperrt. Bis Mitte September wird die Sperre voraussichtlich dauern.

In einem Offenen Brief an Bürgermeister Werner Krammer (WVP) übt nun Verkehrsstadtrat Alfred Beyer (SPÖ) anlässlich der Sperre Kritik.

Die Notwendigkeit der Brückensanierung stehe außer Frage, so Beyer, er sei aber nie zu einer Verkehrsverhandlung oder Besprechung anlässlich der Sperre eingeladen worden. Dadurch habe er weder Einwände noch Konzepte für die Zeit der Sperre vorbringen können.

"Wie kommen die Schüler nun in die Schule?"

In seinem Offenen Brief fragt der SPÖ-Stadtrat, wie nun ältere Personen, ohne eigenes Auto, die auch schlecht zu Fuß sind, in die Innenstadt kommen sollten.

„Daher ist es notwendig mit Beginn der Sperre bzw. möglichst sofort, eine Busverbindung zumindest von der Zeller Kirche über den Hauptplatz, Schmiedestraße, Florianibrücke in die Innenstadt einzurichten“, fordert Beyer. Dieser Bus solle zumindest einmal am Vormittag und einmal am Nachmittag verkehren.

Aber auch auf jene Schüler, die ins BRG oder die HAK zu Fuß gehen, dürfe man nicht vergessen. „Wie kommen diese Jugendlichen jetzt in die Schule? Ist deine Lösung, dass Eltern sie mit dem Auto vor die Schule fahren? Oder sollen sie einen beträchtlichen Umweg auf einer ohnehin verkehrsreichen Straße ohne Gehsteig (Burgfriedstraße) gehen?“, so Beyer.

Von Zeller Bürgern sei ihm außerdem zugetragen worden, dass es am Montag, 20. Juni, einen „Bürgermeister vor Ort“-Termin in der Volksschule Zell zu der Thematik gebe. Dazu sei er aber weder informiert noch – als Zeller Bürger – eingeladen worden, bemängelt Beyer.

"Nichwissenheit verwundert mich"

„Wir haben in mehreren Bauausschüssen über den Bauverlauf und die damit einhergehenden Verkehrsbehinderungen gesprochen“, so Stadtrat Kurt Hraby (WVP) dazu. „Die Nichtwissenheit von Stadtrat Beyer verwundert mich.“

Verärgert gibt sich Stadtrat Franz Sommer (WVP): „Alles war abgestimmt und es ist informiert worden und beispielsweise von den SPÖ-Vertretern im Bauausschuss mitgetragen worden.“ Offensichtlich gebe es innerhalb der SPÖ-Fraktion Informationsdefizite, mutmaßt Sommer.

„Für mich steht – wie ich immer betont habe – das Miteinander vor dem Gegeneinander“ äußert sich auch Bürgermeister Werner Krammer dazu. „Mir ist es wichtig, dass alle Mandatare entsprechend dieses Angebot auch annehmen und mitarbeiten.

Herr Stadtrat Beyer war sowohl in interfraktionellen Gesprächen als auch durch die aus seiner Fraktion im Bauausschuss vertretenen Mandatare in die Vorgänge rund um die Zeller Hochbrücke eingebunden.“


 


Offener Brief von SPÖ-Stadtrat Alfred Beyer:


Werter Herr Bürgermeister Krammer!
Betrifft: Sanierung Zeller Hochbrücke.

Die Zeller Hochbrücke wird in der Zeit vom 13. Juni bis Mitte September generalsaniert. Damit diese Sanierung rasch über die Bühne gehen kann wird sie für den Verkehr und auch für Fußgänger – in dieser Zeit - vollständig gesperrt. Die unbedingt notwendige Sanierung der Brücke steht außer Frage.

Ich wurde in den letzten Tagen als Verkehrsstadtrat, vermehrt zu diesem Thema angesprochen. Ich war dann genötigt mich zu entschuldigen, dass ich zu diesem Thema auch nicht mehr weiß, als ich den aufgestellten Plakaten und den Zeitungen entnehmen konnte. Tatsache ist, dass ich nie zu einer Verkehrsverhandlung oder einer Besprechung zum Thema „Sperre der Zeller Hochbrücke“, seitens der Gemeinde oder von dir Herr Bürgermeister eingeladen bzw. aufgefordert wurde daran teilzunehmen.

Hättest du mit mir ein Gespräch darüber geführt, hätte ich meine Einwände rechtzeitig vorbringen können und wir könnten ein gangbares Konzept für alle BürgerInnen jetzt anbieten. Für Autofahrer, Radfahrer und Personen die gut zu Fuß sind, ist die Sperre kein so großes Problem. Aber im Bereich Kirche, Sandgasse, Vitzthumstraße, Moisesstraße, Zuberstraße, Zeller Hauptplatz, im gesamten Komplex der WET-Bauten usw. gibt es auch ältere Personen die kein KFZ haben, teilweise auch schlecht zu Fuß sind und somit große Probleme haben in den Innenstadtbereich zu kommen bzw. den Einkauf für das tägliche Leben zu erledigen. Für diese Personen ist es einfach zu weit, die Floriani-Brücke oder den Schlosssteg zu nützen. Sie wollen aber weiterhin zum Einkaufen, zu einem Arztbesuch, den Besuch des Wochenmarkts und auch zum Besuch eines Caféhauses in die Innenstadt kommen können.

Daher ist es notwendig mit Beginn der Sperre bzw. möglichst sofort, eine Busverbindung zumindest von der Zeller Kirche über den Hauptplatz, Schmiedestraße, Florianibrücke in die Innenstadt einzurichten. Es muss möglich sein, in dieser Art zumindest einmal am Vormittag und einmal am Nachmittag in die Innenstadt und wieder zurück zu kommen. Verwendet man dazu Kleinbusse so könnte man die Routenführung sogar über die Unterzellerbrücke und die Burgfriedgasse im Kreis führen. Auch ein Sammeltaxi/Ruftaxi und dgl. kann überlegt werden.

Nicht vergessen darf man in den Monaten Juni und September auch die Schulkinder, die ins Gymnasium oder in die HAK zu Fuß gehen müssen. Wie kommen diese Jugendlichen jetzt in die Schule? Ist deine Lösung, dass Eltern sie mit dem Auto vor die Schule fahren? Oder sollen sie einen beträchtlichen Umweg auf einer ohnehin verkehrsreichen Straße ohne Gehsteig (Burgfriedstraße) gehen? Ein Bus, wie oben beschrieben wäre sicher eine Lösung. Für die Kirchgänger am Sonntag, soll es einen Bus mit ehrenamtlichen Fahrern geben, wie unser Herr Zeller Pfarrer von der Kanzel aus mitteilte.

Von Zeller Bürgern wurde mir mitgeteilt, dass du als Bürgermeister eine Besprechung oder „Bürgermeister vor Ort“, am 20. Juni, in der Volksschule Zell planst. Mir wurde dieser Termin nicht mitgeteilt und ich wurde auch nicht als Zeller Bürger eingeladen. Ich hoffe sehr, dass diese Zeilen rasch eine vernünftige Lösung für die Zeller Bevölkerung bringen.

Lieber Herr Bürgermeister, es wäre an der Zeit nicht nur vom „Gemeinsamen“ zu sprechen, sondern auch so zu handeln und nicht immer „einsam“ zu entscheiden.

Hochachtungsvoll
Dipl. Ing. Alfred Beyer

 


Reaktionen der WVP

Statement von Bürgermeister Werner Krammer /(VP) zu den Aussagen rund um die Sanierung der Zeller Hochbrücke:
 
„Für mich steht – wie ich immer betont habe – das Miteinander vor dem Gegeneinander. Mir ist es wichtig, dass alle Mandatare entsprechend dieses Angebot auch annehmen und mitarbeiten. Herr Stadtrat Beyer war sowohl in interfraktionellen Gesprächen als auch durch die aus seiner Fraktion im Bauausschuss vertretenen Mandatare in die Vorgänge rund um die Zeller Hochbrücke eingebunden. Bei offenen Fragen im Umfeld der Baustelle, beispielsweise aus verkehrstechnischer Sicht, sind unsere zuständigen Mitarbeiter auch jederzeit für alle politischen Vertreter, sowie für alle Waidhofnerinnen und Waidhofner erreichbar und haben die angesprochenen Anregungen ohnedies bereits im Vorfeld geklärt.“
 
Statement von Stadtrat Franz Sommer (WVP) zur Zeller Hochbrücke:
 
StR Sommer: „Die Vergessenheit von StR Beyer verärgert mich. Wir haben sowohl im INTERFRA vor Beschluss im Gemeinderat vom 25. April, als auch im zuständigen Bauausschuss über die Vorgangsweise ausführlich gesprochen. Alles war abgestimmt und es ist informiert worden und beispielsweise von den SPÖ Vertretern im Bauausschuss mitgetragen worden. Offensichtlich gibt es innerhalb der Fraktion der SPÖ Informationsdefizite. Seit vielen Monaten ist bekannt, dass die Zeller Hochbrücke saniert wird, dass StR Beyer sich jetzt, wo alles auf Schiene ist, sich hinterher beschwert empfinde ich als kontraproduktiv.“
 
Stadtrat Kurt Hraby zur Zeller Hochbrücke:
 
StR Hraby: „Wir haben in mehreren Bausausschüssen über den Bauverlauf und die damit einhergehenden Verkehrsbehinderungen gesprochen. Die Vorgangsweise war mit der Wipark Baustelle abstimmt und wurde im Bauausschuss von allen Fraktionen befürwortet. Die Nichtwissenheit von Stadtrat Beyer verwundert mich daher.“