Erstellt am 14. September 2015, 12:33

von Andreas Kössl

Hilfe für Flüchtlinge. Gemeinderat Erich Leonhartsberger hat mit seiner Familie eine Wohnung für sechs Kriegsflüchtlinge in Stadt organisiert.

Am Wochenende unternahm die Familie Leonhartsberger mit den Flüchtlingen einen ersten Spaziergang durch Waidhofen.  |  NOEN, privat

Sechs syrische Kriegsflüchtlinge aus dem Erstaufnahmezentrum Traiskirchen haben nun in Waidhofen eine neue Bleibe gefunden. Die fünf Männer und eine Frau im Alter zwischen 25 und 48 Jahren haben vorvergangene Woche eine leer stehende 125-Quadratmeter-Wohnung über dem Gasthaus Weißes Rössl am Graben bezogen.

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Leonhartsberger: "Zu Geburtstag Flüchtlingsprojekt gestartet"

Das Heft in die Hand genommen hat Gemeinderat Erich Leonhartsberger. „Zu meinem runden Geburtstag habe ich den Entschluss gefasst, ein Flüchtlingsprojekt zu starten. Meiner Familie und mir geht es so gut. Ich möchte anderen helfen, die es wirklich nötig haben“, so Leonhartsberger. Seine Familie unterstützte ihn bei dem Vorhaben von Anfang an, ebenso wie der Verein Zukunft, wo der SPÖ-Mandatar im Vorstand tätig ist. Da der Verein eine leere und unmöblierte Wohnung in Waidhofen hat, beschloss man, die Flüchtlinge hier unterzubringen. Leonhartsberger setzte sich mit der Diakonie in Traiskirchen in Verbindung und so kam das Projekt ins Rollen.

„Das Ganze ging sehr einfach und unbürokratisch“, sagt Leonhartsberger. „Ich merkte, dass man, wenn man helfen will, das ganz leicht tun kann.“ Gemeinsam mit seiner Familie fuhr er nach Traiskirchen, wo man mit den Flüchtlingen bekannt gemacht wurde. Nachdem man sich kennengelernt hatte, wurden die Kriegsflüchtlinge gleich mit nach Waidhofen genommen. Die Flüchtlinge befinden sich in der Grundversorgung des Landes.

Das heißt, sie erhalten im Monat pro Person 200 Euro für Verpflegung und einen Wohnzuschuss von maximal 120 Euro – je nach Miethöhe. Sie haben mit dem Verein Zukunft einen monatlich kündbaren Vertrag, einen Prekariatsvertrag, abgeschlossen und bekommen die Wohnung zu den Betriebskosten zur Verfügung gestellt. Ihre Asylanträge sind am Laufen, wobei eine Entscheidung wohl noch Monate dauern wird.

Flüchtlinge sind schwer traumatisiert

„Es handelt sich um sehr angenehme Leute. Einer hat etwa Jus studiert, ein Anderer betrieb in Damaskus ein Baubüro, ein Dritter wiederum ist Designer von Hochzeitskleidern“, berichtet Leonhartsberger. „Die Leute sind aber auch schwer traumatisiert. Sie gehen nicht gerne aus dem Haus, haben Angst und sind unsicher.“ Mit Hilfe von Schleppern sind die Flüchtlinge mit Booten über das Mittelmeer nach Griechenland gekommen.

Danach ging es weiter nach Österreich. 20 Tage mussten sie im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen in Zelten nächtigen. Ihre Ehepartner und Kinder befinden sich teilweise noch in Syrien. Ihr Schicksal ist ungewiss. Von der Familie Leonhartsberger werden die Asylwerber nun beim Einkaufen, etwa im SOMA-Markt, bei Behördengängen und Arztbesuchen unterstützt.

"Einige Personen mit ähnlichen Initiativen"

Nun gehe es für die Menschen darum, Deutsch zu lernen, so Leonhartsberger. Hier sei man seitens des Vereins Mit-Menschen und der Stadt Waidhofen schon dabei, Kurse zu organisieren. „Die Leute möchten aber auch arbeiten, wobei es mehr um eine Art Beschäftigungstherapie als um den Verdienst geht, da bis zur Asylentscheidung eine bezahlte Arbeit für sie nur sehr eingeschränkt erlaubt ist.“

Besonders bedanken möchte sich der SP-Mandatar bei allen Bekannten und Freunden, die ihn unterstützten, darunter auch die Firmen Mondi Neusiedler, Oberklammer und Marcik, die mit Sachspenden geholfen haben, die Flüchtlingsunterkunft wohnlich zu machen.

„Was mich besonders freut, ist, dass sich in Waidhofen schon einige Personen mit ähnlichen Initiativen gefunden haben und Solidarität zeigen. Auch der Verein Zukunft wird gemeinsam mit dem Verein Mit-Menschen uns weiter unterstützen“, so Leonhartsberger.