Erstellt am 09. November 2015, 16:54

"Sakrales Kraftfeld mit Ausstrahlung". Matthias Settele über seine ganz persönliche Beziehung zum Sonntagberg.

 |  NOEN, privat

Nein, es ist keine journalistische Floskel oder ein literarischer Trick, aber ich denke mir den Sonntagberg als gleichseitiges Dreieck - als Zeichen der Vollkommenheit einerseits, andererseits als Wechselspiel zwischen Seitenstetten, Sonntagberg selbst und Waidhofen.

Wie der Seitenstettner Abt Benedikt Abelzhauser aus dem Erlöserberg, dem Mons Salvatoris, aus der Sage um das wiedergefundene Schaf, das pecus inventum, die Vision eines großartigen Prandtauer-Munggenast-Baus zur Verherrlichung der Trinität auf dem Mons Dominicus verwirklichen konnte, so hat dieses sakrale Kraftfeld durch viele Jahrzehnte als dreifaltiges Denkmal seine topographische und sakrale Ausstrahlung bewahrt. Waidhofen und die gesamte Umgebung blicken nicht nur vom Unteren Stadtplatz unweit des Freiheitsbrunnens mit Respekt und Ehrerbietung auf dieses Wahrzeichen der Region.

Dreifach ist auch meine Empfindung, wenn ich an die weiteren Künstler denke, die beherrschend im Innern dieses Hauses Hand angelegt haben. Der Maler Martin Johann Schmidt, genannt der Kremser Schmidt, ist an allen drei genannten Standorten prominent vertreten.

Für mich sind überdies noch drei Künstler auf dem Sonntagberg von besonderer Wichtigkeit. Da ist zunächst der Schöpfer des Hochaltars Melchior Hefele, der mit seinem Aufbau in Form eines Türkenzelts die Verbindung der Geschichte mit dem Alten Testament herstellt mit der Assoziation: „Seht das Zelt Gottes unter den Menschen.“ Die zwölf Säulen als Zeichen für die zwölf Stämme Israels, die Figuren und Reliefs ergeben eine Komposition, die der erhabenen Thematik gerecht wird. Daniel Gran de la Torre, der sich mit der Jahreszahl 1743 und mit seinen Fresken verewigt hat, spricht mich mit seinen Darstellungen ebenfalls in besonderer Weise an, während der Orgelbauer Franz Xaver Christoph sein endruckvolles Gotteslob nachhaltig gestaltet hat.

Es ist erstaunlich, wie bibelfest die damaligen Bauherren und Künstler ihre Aufgabe umgesetzt haben. So findet sich wieder eine Dreiheit, die mich seit meiner Jugendzeit begleitet hat und noch immer begeistert.

Ob von Seitenstetten oder Waidhofen aufgestiegen, ob allein, in einer Pilgergruppe, ob mit meinen Klassenkameraden oder später mit meiner eigenen Schulklasse, der Sonntagberg war und ist immer ein Ort, wo man nicht nur weit ins Land schauen kann, sondern auch in das eigene Herz.

Erinnerungen besonderer Art habe ich auch an jene Anlässe, bei denen ich in der Basilika durch Moderation und Rezitation Worte der Besinnung und Gedanken des Trostes aussprechen durfte.

Möge dieser Berg bzw. dieses Heiligtum auch in Zukunft vielen Menschen Hoffnung und Heil verheißen!

Nächster Termin

Am Donnerstag, 26. November,lädt die NÖN um 19 Uhr zum Benefizkonzert mit Monika Martin in die Basilika am Sonntagberg.