Erstellt am 19. Januar 2016, 04:48

von Doris Schleifer-Höderl

Schleifstein-Hersteller: „Will Tradition fortsetzen“. Der 23-jährige Jungbauer und Metallfacharbeiter Konrad Zöttl führt in seiner Freizeit die jahrhundertealte Tradition der Wetzsteinherstellung am Sonntagberg fort.

Konrad Zöttl (r.) und Bernhard Atschreiter beim Fertigen der Wetzsteine. »Wir wollen diese alte Tradition weiter am Leben erhalten.« Fotos: Zöttl  |  NOEN, Zöttl
Vor fünf Jahren hat Konrad Zöttl, wie schon seine Altvorderen, das Wetzsteinmachen für sich entdeckt. Bereits sein Urgroßvater ging 1880 dieser Tätigkeit nach und schon als Dreikäsehoch sah Konrad seinem Großvater zu, wie dieser die Sandsteinplatten aus dem Stollen des Sonntagbergs holte und sie dann schliff.

In den 20ern bis in den Balkan verkauft

Konrad Zöttl verwendet eine Winkelschleifmaschine, um die Wetzsteine in Form zu bringen. „Das staubt ordentlich, geht aber schneller als früher, als man die Steine noch mit Zangen bearbeitet hat“, erklärt er gegenüber der NÖN.

Bis in die 1920er-Jahre war der Sonntagberg eine Hochburg der Wetzsteinherstellung, verkauft wurden die Steine bis in den Balkan.

Doch mit Einsetzen der industrialisierten Fertigung von Wetzsteinen hörte man mit der Produktion auf. Aber Konrad Zöttl möchte die Tradition gemeinsam mit seinem Freund Bernhard Atschreiter nicht aussterben lassen.

Platten kommen aus hofeigenem Stollen

Überwiegend kriechend holt Konrad einmal pro Monat bis zu 50 Sandsteinplatten aus dem hofeigenen Stollen am Sonntagberg – eine Platte kann bis zu 15 Zentimeter hoch sein und bis zu 70 Kilogramm wiegen. Dabei geht er bis zu 80 Meter in den Berg hinein und nimmt nur jene Platten mit, die lose am Boden liegen.

„Herumklopfen tu’ ich nicht, das wäre zu gefährlich. Da könnte alles nachgeben und der Stollen einstürzen.“ Ziehend und schiebend werden die schweren Platten schließlich ans Tageslicht befördert und mit dem Traktor zum Hof transportiert.

Dort geht Konrad, der Flügelhorn beim Musikverein bläst, Schriftführer des 1. Ybbstaler Kleintierzuchtvereins sowie passionierter Jäger ist, gleich ans Werk. Bereits beim ersten Hammerschlag merkt er, ob ein Stein zum Wetzstein taugt oder nicht.

Bis zu 400 Wetzsteine pro Jahr

Aus einer Platte kann Konrad, wenn alles gut geht, bis zu 15 Wetzsteine herstellen. Zuallererst wird die Form des Wetzsteins mittels Muster auf den Stein gezeichnet. Danach folgt das Ausschneiden mit dem Winkelschleifer.

Auf der Schleifmaschine bekommt der Stein dann seinen letzten Schliff. Zu guter Letzt wird der Wetzstein mit Bürste und Wasser gereinigt, dann ist er einsatzbereit.

x  |  NOEN, Zöttl


Bis zu 400 Wetzsteine stellt Konrad Zöttl pro Jahr her, die unter anderem im Pilgerzentrum Sonntagberg als Souvenir zu erstehen sind. Denn noch heute leistet ein Wetzstein zum Schleifen und Schärfen von Werkzeugen und Klingen gute Dienste.

„Handgemacht ist eben handgemacht, da geht nix drüber“ meint Konrad. Und wodurch unterscheidet sich ein handgemachter zu einem industriell gefertigten Wetzstein? „Durch eine höhere Dichte sowie einen extrem geringen Abrieb“, so Konrad. Und wenn er selber einmal einen Sohn hat, wird er ihm das alte Handwerk auch beibringen? „Sowieso, denn Tradition gehört nun einmal fortgesetzt!“