Erstellt am 19. November 2015, 07:03

von Andreas Kössl

Schlüsselübergabe: "Ein Stein fällt runter". Einst heftig umstrittenes Wohnprojekt in Zeller Marienhofstraße nach vier Jahren Bauzeit abgeschlossen. Kosten stiegen nach Hangrutschungen von 7,7 auf 11,6 Mio. Euro.

Nachdem die Reihenhäuser in der Marienhofstraße schon seit einiger Zeit bewohnt sind, erhielten am Dienstag vergangener Woche auch die Mieter der Wohnungen in den beiden Wohnblöcken in der Brückengasse ihre Schlüssel von WET-Direktor Walter Mayr (l.), Stadtrat Fritz Hintsteiner (4.v.l.), Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka (6.v.l.) und Bürgermeister Werner Krammer (r.). Pfarrer Reinhard Kittl (5.v.l.) segnete den Wohnbau.  |  NOEN, Kössl

Zwei Wohnblöcke und neun Reihenhäuser hat die Wohnbaugesellschaft WET auf den Gründen rund um die ehemalige Weitmann-Villa entlang der Marienhofstraße im Waidhofner Ortsteil Zell realisiert. Geplant vom Architekturbüro Johannes Zieser und errichtet mit Mitteln der NÖ Wohnbauförderung vom Bauunternehmen Pabst entstanden hier insgesamt 39 Mietwohneinheiten mit Kaufoption.

„Das Objekt war nicht leicht zu realisieren, aber wir haben es zusammengebracht“, sagte WET-Direktor Walter Mayr anlässlich der Schlüsselübergabe an die neuen Mieter. „Mir ist damit ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Ich hab immer noch das Wort Hangrutschung im Ohr.“

Baustopp nach Hangrutschungen

Nach einem Jahr Bauzeit brachten nämlich massive Hangrutschungen die Bauarbeiten im Herbst 2012 zum Erliegen. Tiefenbohrungen zur Erkundung von Geologie und Wasserführung mussten durchgeführt und kostspielige Entwässerungs- und Hangsicherungsmaßnahmen umgesetzt werden. Vorwürfe, dass hier ein schlampiges geologisches Gutachten erstellt worden sei und Steuergeld verschwendet werde, wurden seitens der Anrainer laut.

Diese übten aber schon im Jahr 2007 Kritik an dem Wohnbauprojekt, als bekannt worden war, dass hier 86 Wohneinheiten und 120 Pkw-Abstellplätze errichtet werden sollten. Die Anrainer liefen dagegen Sturm. Eine Bürgerinitiative formierte sich, 270 Unterschriften wurden gesammelt.

Abgespeckte Version umgesetzt

Schließlich wurde das Projekt massiv umgeplant und im Sommer 2011 erfolgte schließlich der Spatenstich für eine abgespeckte Version. Diese wurde damals mit Gesamtkosten von 7,7 Mio. Euro beziffert, wobei das Land 1,6 Mio. Euro beisteuern sollte.

Letztendlich betrugen die Gesamtbaukosten 11,6 Mio. Euro, wobei 7,2 Mio. Euro vom Land NÖ gefördert wurden, und die Fertigstellung erfolgte erst über zwei Jahre später als ursprünglich vorgesehen.

"Friedliches Miteinander" gefunden

„Hier war vorher einiges nicht kalkulierbar“, sagte Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka bei der Schlüsselübergabe, sprach aber auch von einem ganz besonderen Standort. Zur einstigen Kritik an dem Wohnprojekt meinte Sobotka: „Die Bebauungsdichte wurde auf ein vernünftiges Maß reduziert, woraus sich auch eine große Herausforderung für die Wohnbaugesellschaft ergab. Letztendlich ist es aber gelungen, ein friedliches Miteinander zu finden.“

„Unser wunderschönes Waidhofen ist mehr als eine Ansammlung von Gebäuden“, meinte Bürgermeister Werner Krammer. Vor allem sollten sich die Menschen hier wohlfühlen. „Sie wohnen auf der Sonnenseite des Lebens“, so der Stadtchef zu den neuen Mietern und überreichte ihnen nach altem Brauch Brot und Salz. Danach wurde die Anlage vom Zeller Pfarrer Reinhard Kittl gesegnet. Umrahmt wurde die kleine Feier von einem Bläserensemble des Musikschulverbands Waidhofen-Ybbstal unter der Leitung von Thomas Maderthaner.