Erstellt am 20. Januar 2016, 04:13

von Reinhard Fahrengruber

Skisport im Ybbstal. Im Ybbstal erfreuten sich sowohl das Skispringen als auch das Skijöring großer Beliebtheit. Sprungschanzen gab es in Kreilhof, in Hollenstein sowie in Lunz am See.

Die Kreilhofer Schanze in Waidhofen galt als eine der größten und besten Schanzen in Österreich. Sprünge bis zu 60 Meter waren hier möglich.  |  NOEN, VEMOG

Das Skispringen an sich kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Bereits im 18. Jahrhundert sind die Ursprünge der beliebten Wettkampfsportart zu finden. Die Bergbauern der norwegischen Provinz Telemark führten damals auf ihren tief verschneiten Hängen Abfahrtsläufe durch, wobei sie über kleinere Hügel sprangen. Nach und nach wurde die Sportart immer beliebter und die Sprünge immer weiter.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch im Ybbstal mehrere Schanzen entstanden. Nur noch die älteren Mitbürger können sich daran erinnern, dass es einmal drei Skisprungschanzen im Ybbstal gegeben hat, auf denen bis Ende der 1950er-Jahre Wettkämpfe stattfanden. Diese Schanzen befanden sich in Waidhofen, in Hollenstein und in Lunz am See.

Schanze in Kreilhof galt als größte Anlage

Eine der drei Schanzen des Ybbstals befand sich in Kreilhof in Waidhofen. Im Dezember 1928 wurde die von den Brüdern Fleischanderl errichtete Sprungschanze erstmals in Betrieb genommen. 1933 wurde die Schanze umgebaut und verbessert, sodass Sprünge bis zu 60 Meter weit möglich waren. Die Kreilhofer Schanze zählte damals zu den besten und größten Sprunganlagen in Österreich. Immer wieder wurden dort größere Sprungveranstaltungen durchgeführt, zu denen unter anderem auch der österreichische Skispringer Sepp Bradl, der 1936 als Erster die 100-Meter-Marke übersprang, kam. Die Sprungschanze in Kreilhof war bis Anfang der 1960er-Jahre in Betrieb.

Über die Schanze in Hollenstein sind nur noch mündliche Auskünfte erhalten. Franz Sandhofer, der selbst Skispringer war, die Hollensteiner Schanze aber nur vom Zusehen kannte, berichtete, dass sich die Anlage oberhalb des Tennisplatzes befand und bis etwa 1940 in Betrieb war. Einzigartig an dieser Schanze war, dass man beim Anlauf zuerst eine Straße queren musste. Die Schanze galt zudem als überaus gefährlich, weil der Aufsprung fast im ebenen Gelände erfolgte, was zu zahlreichen Verletzungen führte.

In Lunz am See befand sich die sogenannte „Seeschanze“ am Seekopf beim Gasthaus Plaimauer. Leopold Plaimauer, der Sohn des Erbauers der Schanze, weiß Folgendes zu berichten: „Mein Vater hatte einen Freund, den Holzhändler Hans Pall, der mit Sepp Bradl befreundet war. Dieser lud meinen Vater einmal nach Mühlbach am Hochkönig ein. Mein Vater erzählte Bradl, dass er hinter seinem Gasthaus einen Hang hätte, der für den Bau einer Schanze geeignet wäre.

Bradl meinte, wenn er die Schanze baue, käme er persönlich nach Lunz zum Springen.“ Gesagt, getan – im Spätherbst 1952 wurde die Schanze fertiggestellt, am 15. März 1953 war es dann so weit: Tausende Zuschauer strömten nach Lunz, mit Bradl waren auch noch einige großartige Springer wie Otto Leodolter und Albin Plank gekommen. Die Schanze in Lunz wurde bis Anfang der 70er-Jahre vom WSV Lunz genutzt.

Skijöring im Ybbstal boomte in den 50ern

Doch nicht nur das Skispringen, sondern auch das Skijöring erfreute sich im Ybbstal großer Beliebtheit. Beim Skijöring lässt sich ein Skifahrer entweder von einem Pferd, einem Schlittenhund oder von einem Motorfahrzeug ziehen. Im Ybbstal war hauptsächlich die Variante mit einem Motorfahrzeug verbreitet.

Vor allem in den 1950er-Jahren, als sich auch die ärmeren Bevölkerungsschichten ein Kraftfahrzeug leisten konnten, boomte diese Sportart. Beinahe jeder junge Mann, der ein Motorrad besaß und Skifahren konnte, startete wenigstens einmal bei einem solchen Bewerb. Grundvoraussetzung für diesen Bewerb war natürlich eine mächtige Eisdecke, die etwa 40 Zentimeter betragen musste.

In fast allen Orten des Ybbstales fand ein Skijöring statt. Zentrum des Skijörings war aber der Lunzer See. Hauptorganisator und Rennleiter war der Lunzer Leopold Plaimauer, der auch die Lunzer Schanze errichtete. 1972 wurde das erste internationale Eisrennen durchgeführt, das 5.000 Zuschauer anzog. 1974 verstarb jedoch Plaimauer im Alter von nur 63 Jahren plötzlich. Mit seinem Tod verlor diese Veranstaltung an Bedeutung.

Termin

Der Vortrag „Skispringen und Skijöring im Ybbstal“ von Reinhard Fahrengruber findet am Mittwoch, 20. Jänner, um 18 Uhr im Gasthaus Rettensteiner-Hilbinger in Hollenstein statt.